Einkauf auf den letzten Drücker: Viele Wetterauer nutzen die Gelegenheit und besorgen kurz vor dem Lockdown noch Geschenke. Die Bad Nauheimer Stresemannstraße war am Montag gut besucht, vor manchen Geschäften bildeten sich Schlangen. Ein Massenandrang war aber nicht zu beobachten.		FOTO: NICI MERZ
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Einkauf auf den letzten Drücker: Viele Wetterauer nutzen die Gelegenheit und besorgen kurz vor dem Lockdown noch Geschenke. Die Bad Nauheimer Stresemannstraße war am Montag gut besucht, vor manchen Geschäften bildeten sich Schlangen. Ein Massenandrang war aber nicht zu beobachten. FOTO: NICI MERZ

Kein Einkaufschaos in Friedberg und Bad Nauheim

Die Wetterauer gehen gelassen durch den Lockdown

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Das Chaos in den Innenstädten blieb in der Wetterau kurz vor dem Lockdown aus. Schlangen ja, Tumult nein. »Wenn ich das Geschenk für Papa nicht bekomme, kriegt er’s eben später«, meinte ein Frau.

  • Die Corona-Pandemie hat auch den Wetteraukreis hart getroffen.
  • Auch die Wetterauer Geschäfte sind von dem bundesweiten Lockdown ab Mittwoch betroffen.
  • Trotzdem gehen sowohl Verkäufer als auch Kunden gelassen an den Lockdown heran.

Lockdown kurz vorm Weihnachtsfest: Der Handelsverband warnt vor Pleiten, Politiker warnen vor vollen Innenstädten. Wenn alle auf den letzten Drücker noch rasch Geschenke kaufen, kommt es womöglich zu Massenansammlungen. In der Wetterau eher nicht. Der erste der beiden letzten »normalen« Tage vor Schließung vieler Geschäfte lief ruhig an. Die Kunden sind entspannt. Das gilt aber nicht für alle Einzelhändler.

Friedberg: Öffnungszeiten verlängert - Geschäfte liefern Bestellungen aus

»Sie machen einen tollen Job«, ruft die Frau am Telefon. Ulf Berger hält in der einen Hand sein Smartphone, mit der anderen hält er einen Ledergürtel in die Kamera. Der gefällt der Kundin, Berger verspricht die Auslieferung noch für den gleichen Tag. Ulf Berger, Vorsitzender der Einkaufsgemeinschaft »Friedberg hat’s«, ist »guter Dinge«. An den letzten Tagen habe er gute Umsätze gemacht. Wie viele Kollegen in Friedberg hat er die Ladenzeiten ausgeweitet und setzt auf den Bestell- und Bring-Service.

Am Sonntagabend trafen die Einzelhändler Absprachen für die Öffnungszeiten. Einige Läden öffneten bereits um 8 Uhr, viele sind bis 20 Uhr geöffnet. Kurz vor 9 bilden sich vor dem Bekleidungsgeschäft Witt-Weiden und der Buchhandlung Bindernagel Schlangen. »An den Tagen vor Weihnachten lassen sich viele Kunden vom Angebot inspirieren. Der Einkauf ist dann etwas besonderes«, weiß Buchhändlerin Friederike Herrmann. Das Besondere aktuell ist, dass sich vor der Kasse gleich zwei Warteschlangen gebildet haben. »Wir hoffen, dass wir weiter bis Weihnachten ausliefern können«, sagt Hermann.

»Der Handel sieht die Notwendigkeit der Schließung absolut ein«, sagt Jochen Ruths, Inhaber des gleichnamigen Bekleidungshauses auf der Friedberger Kaiserstraße. »Nur muss das Land jetzt auch schnell und unbürokratisch die finanziellen Hilfen auszahlen.« Ruths hätte sich erhofft, der Lockdown wäre erst nächste Woche gekommen. »Dann hätten sich alle besser vorbereiten können.« Es werde zu chaotischen Szenen kommen, glaubt er. Nicht in Friedberg, eher in großen Städten. Ruths erinnert an die Fotos eines Gießener Schuhgeschäfts, das nach einer Rabattaktion regelrecht verwüstet wurde.

Wetterau: Geschäfte liefern bis vor die Haustür

Eva Reitz von »Mangels Kunst und Handwerk« setzt wie ihre Kollegen auf den Bestell- und Bringservice, den sie auf ihrer Internetseite bewirbt. »Ich bringe Päckchen bis ans Auto.« Vor dem Schmuck-Geschäft »Cinderella« steht eine rot-grüne Ampel. »Hat ein Freund gebastelt«, erzählt Mitinhaberin Christine Dill. So wird die Kundenzahl reguliert. Der Laden ist voll. Sie selbst habe noch keine Geschenke eingekauft. Dafür haben drei Frauen aus Wöllstadt bereits kurz nach 9 Uhr alles erledigt. »Es hat nur ein Geschenk für Papa gefehlt«, sagt eine der Frauen. Er bekommt Parfüm.

Auch in Bad Nauheim tritt sich in der Fußgängerzone niemand gegenseitig auf die Füße. »Wir brauchen noch einen Kalender«, sagt ein Ehepaar aus Florstadt. »Eigentlich wollten wir ins Main-Taunus-Zentrum fahren. Das haben wir schön seinlassen«, sagt der Mann. Und die Frau ergänzt: »Wenn wir heute keinen Kalender finden, kaufen wir ihn eben später.« Nur keine Hektik aufkommen lassen!

Wetterau: Weihnachtsbäume und Hygieneregeln in Fußgängerzone

»Lockdown? Hörn’se uff«, sagt Christopher Henry Alt und rollt erst ein Geschenk in Weihnachtspapier und dann mit den Augen. »Der November und Anfang Dezember waren schleppend«, sagt der Inhaber von »Strese 4«, wo es Geschenkartikel, Einrichtungsgegenstände und Parfüm gibt. Typische Last-Minute-Geschenke. »Letzte Woche zogen die Verkäufe an, ich dachte: Es geht los!« Von wegen. Dabei haben Stadt und »Erlebnis«-Verein die Fußgängerzone mit Weihnachtsbäumen ausstaffiert und die Hygieneregeln für ein sicheres Einkaufen abgestimmt. »Normalerweise erwarten wir am 24. Dezember nur Männer«, schmunzelt Alt. Bescherung auf den letzten Drücker ist eine männliche Spezialität. Die Kunden könnten aber anrufen und bestellen. »Wir bringen alles bis vor die Haustür.«

Dass der große Andrang in den Bekleidungsgeschäften ausbleibt, liegt nach Meinung einer Einzelhändlerin an den Online-Verkäufen. »Das machen jetzt viele.« Oder sie verzichten ganz auf Einkäufe. »Man kann ja auch nicht feiern«, sagt eine junge Frau. »Nur mein Chef kriegt was, dem backe ich Plätzchen.« Die Zutaten kann sie auch noch im Lockdown kaufen, aber das Toilettenpapier nicht. »Das brauche ich dringend«, sagt die Dame und eilt davon.

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