Einer der ersten Kunden im Café Novum, das am Freitag um 9 Uhr aufgemacht hat, ist Stammgast Lior Kiesel, dem Mitinhaber Jörg Schulzeck seinen so sehr vermissten Espresso bringt - natürlich mit Mundschutz und Mindestabstand.
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Einer der ersten Kunden im Café Novum, das am Freitag um 9 Uhr aufgemacht hat, ist Stammgast Lior Kiesel, dem Mitinhaber Jörg Schulzeck seinen so sehr vermissten Espresso bringt - natürlich mit Mundschutz und Mindestabstand.

Gastronomie-Neustart

Wetterauer Gaststätten: Startschuss mit Einschränkungen

  • vonHarald Schuchardt
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Gastronomen dürfen ihre Gasträume und Außenbewirtschaftungen öffnen. Unter erschwerten Bedingungen, die bei Friedberger und Bad Nauheimer Gastronomen oft auf Unverständnis stoßen.

»Zwei Stunden nachdem die Lockerungen verkündet waren, hat der erste Stammgast angerufen und für den Freitagabend Plätze reserviert«, freut sich Daniela Milenkovic, die zusammen mit ihrem Mann Miki das kleine Restaurant »Pepi« in der Friedberger Wolfengasse betreibt. Weitere Reservierungen folgten, und dies obwohl sich in dem kleinen Gastraum nur zehn Personen aufhalten dürfen - gemäß der Regel: eine Person pro fünf Quadratmeter.

Daniela Milenkovic macht in ihrem Restaurant »Pepi« klar Schiff.

»Das rentiert sich eigentlich nicht, trotzdem werden wir öffnen«, sagt die Friedbergerin, die beim WZ-Besuch gerade am Saubermachen ist. »Wir werden an den Tischen, die nicht besetzt werden dürfen, die Stühle wegnehmen«, erklärt Ehemann Miki. Am Eingang und auf jedem Tisch stehen Desinfektionsmittel. Jeder Gast muss sich auf einer Seite eines Blocks eintragen. »Liste geht wegen Datenschutz nicht«, sagt die Wirtin.

Das Ehepaar hofft, dass ihr Abhol- und Lieferservice, den es schon vor Corona gegeben hat, weiter gut angenommen wird. »Ohne den geht es nicht«, sagt Miki Milenkovic. Ab Samstag, 16. Mai, wird auch wieder mittags geöffnet, und ab Montag, 18. Mai, gibt es wieder den Mittagstisch. »Auf jeden Fall reservieren«, empfiehlt Dani Milenkovic. »Wir werden uns das jetzt genau anschauen und nach einer Woche entscheiden, wie wir weitermachen«, sagt die Wirtin, die sich trotz aller Auflagen freut, wieder Gäste in ihrem Restaurant zu bedienen.

Musikbistro Friedberg: Schon 20 Reservierungen 

Nicht anders ist dies bei Alexandra Primavera: Seit fast einem Jahr führt sie das Musikbistro in der Bismarckstraße alleine. Die Inhaberin hofft, dass ihre Stammgäste wiederkommen. Zumindest am Freitag sollte dies der Fall sein. »Ich habe schon 20 Reservierungen, da bin ich fast voll«, verriet sie zuvor der WZ.

Der Biergarten ist bereit - darüber freut sich Alexandra Primavera.

Gut 30 Personen können drinnen und draußen Platz finden, wobei sie vor allem auf das setzt, was dem Restaurant »Pepi« fehlt: die Außenbewirtschaftung. Primavera hat die Tische nach den gültigen Abstandsregeln aufgestellt. »Es wirkt sogar gemütlicher als vorher«, sagt die Wirtin, die die vergangenen Wochen dazu genutzt hat, eine neue Beleuchtung am Aufgang zu installieren und das Geländer zu streichen. Renoviert wurde der Raucherbereich, den es allerdings vorerst nicht geben wird. Dort wurde Darts und Billard gespielt, beides ist derzeit nicht erlaubt. Der Billardtisch wurde ins Eck geschoben, Tische aus dem kleinen Gastraum dort platziert. Der Thekenbereich wurde abgesperrt, was den »Thekensitzern« sicher nicht gefallen wird. »Wenn das Wetter mitspielt, wird der Biergarten meine Rettung sein«, erklärt die Friedbergerin. »Wir werden außer sonntags von 17 bis 23 Uhr öffnen«, sagt Primavera, die ihren Kunden rät - auch bei kurzfristigen Besuchen - vorher anzurufen, damit sie Plätze reservieren kann.

Mehrzweckhalle Bruchenbrücken: Gastronom beklagt Abstandsregel 

Das empfiehlt auch Elke Köhler, die zusammen mit Ehemann Jaswinder Kumar seit vier Jahren die Gaststätte in der Mehrzweckhalle Bruchenbrücken gepachtet hat. Ins Lokal dürfen 18 Personen hinein. Tische, die nicht besetzt werden dürfen, sind dekoriert und mit entsprechenden Schildern versehen worden. Auch der Thekenbereich ist gesperrt.

Im Mehrzweckhallenrestaurant misst Elke Köhler den Abstand zwischen den Tischen.

Wie alle befragten Gastronomen, beklagt auch Köhler die Fünf-Quadratmeter-Vorgabe. »Die Abstandsregelung alleine langt doch«, sagt die Wirtin, die sich mit ihrem Außer-Haus-Service »über Wasser gehalten« hat, wie sie es formuliert. Den wird es auch weiterhin geben. Sobald es das Wetter zulässt, wird sie den gesamten Außenbereich nutzen. »Da bekommen wir vielleicht 20 Gäste unter«, sagt Köhler.

Vorerst geschlossen bleibt dagegen das Restaurant »Adria« in Bad Nauheim. »Den unteren Bereich können wir wegen des Durchgangs nicht nutzen, oben haben wir keine 30 Quadratmeter, das wären fünf Gäste. Wir machen unseren Abhol- und Lieferservice weiter«, erklärt »Juniorchef« Domenico Ferraro, der nun weiter Bestellungen ausfahren wird, anstatt Gäste im Restaurant zu bedienen

Wetterauer Gaststätten: Diese Hygieneregeln gelten

Zugelassen ist maximal eine Person je angefangener für den Publikumsverkehr zugänglicher Grundfläche von fünf Quadratmetern. Ausgenommen sind Kantinen und Betriebsküchen. Ein Mindestabstand von eineinhalb Metern zwischen Personen, ausgenommen zwischen Angehörigen eines Hausstandes und eventuell eines weiteren Hausstandes, muss eingehalten werden, sofern keine geeigneten Trennvorrichtungen vorhanden sind. Name, Anschrift und Telefonnummer der Gäste müssen zwecks möglicher Nachverfolgung von Infektionen unter Beachtung des Datenschutzes von den Gastronomen erfasst werden. Küchenpersonal und Servicekräfte müssen eine Mund-Nase-Bedeckung tragen. Gegenstände zur gemeinsamen Nutzung, wie Salz-, Pfeffer-, und Zuckerstreuer, dürfen nicht bereitgestellt werden. Die Wirte müssen mit Aushängen über die Abstands- und Hygienemaßnahmen informieren.

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