dab_portrait2_040921_4c_1
+
Cenk Gönül kandidiert für die Freien Wähler Wetteraukreis bei der Bundestagswahl. »Die da oben«, höre er oft über die großen Parteien, seien an den Bürgern vorbeigelaufen.

Bundestagskandidat der Freien Wähler

Bundestagswahl-Kandidat Cenk Gönül (Freie Wähler): „Näher am Bürger“

  • Dagmar Bertram
    VonDagmar Bertram
    schließen

»Es geht in einer Demokratie auch darum, den großen Parteien nicht das Feld zu überlassen«, erklärt Cenk Gönül, warum er für den Bundestag kandidiert. Das ist nicht nur für den Reichelsheimer eine Premiere, sondern auch für seine Partei, die Freien Wähler.

Friedberg – Die Freien Wähler sind traditionell auf der kommunalen Ebene aktiv. Ganz bewusst vermieden sie lange Zeit den Begriff Partei, um sich von der etablierten Konkurrenz abzugrenzen. Ob Freie bzw. Unabhängige Wählergemeinschaften oder Bürgerlisten: Sie alle einte der Wunsch, sich vor Ort politisch zu engagieren - und das ohne Parteizwang.

2021 ist das erste Mal, dass die Freien Wähler (FW) auf Bundesebene antreten. Steht das nicht im Widerspruch zu ihrem Selbstverständnis? Nein, antwortet Cenk Gönül mit Nachdruck. »Wir haben gemerkt, dass wir Hebel brauchen. Sonst kommen wir in den Kommunen bei großen Projekten nicht weiter«, sagt der 50-jährige Reichelsheimer, der Direktkandidat der Freien Wähler Wetteraukreis für den Bundestag ist.

Wetterauer Bundestagswahl-Kandidat: Bedarf erkennen, rechtzeitig planen

Ein großes Projekt in den heimischen Kommunen ist der flächendeckende Glasfaserausbau. »Dabei dürfen wir die außenliegenden Kommunen und Betriebe nicht vergessen«, sagt Gönül, der selbst Unternehmer ist. Seit über 21 Jahren betreibt er das Bistro »Cockpit« in Reichelsheim. Die Erfahrungen, die er dabei mit Behörden sammelte, brachten ihn vor einigen Jahren in die Politik: »Ich wollte selbst aktiv werden, um bürokratische Hürden für Unternehmer und Selbstständige abzubauen.«

Hindernisse, aber auch Stillstand - das ist nichts für den passionierten Läufer und inzwischen auch Fahrradfahrer Gönül. Im »Cockpit« steht eine Flagge der Freien Wähler Hessen, darauf ist zu lesen: »Net schwätze - mache!« Gönül sitzt auf einem Sofa daneben und sagt: »Thema Energieversorgung. Schon 1990/91 haben wir im Elektrotechnik-Studium an der THM über Wasserstoff gesprochen. Warum wurde diese Technolgie seither nicht weiterentwickelt?« Stattdessen werde jetzt über Windkraftanlagen gesprochen. »Will man wirklich 15 oder 20 davon am Winterstein stehen haben?«, fragt Gönül und verweist auf Untersuchungen, wonach die tiefe Gründung von Windkraftanlagen das Grundwasser angreifen könne.

Cenk Gönül (Freie Wähler) will in den Bundestag: Im Wahlkampf nicht nur in der Wetterau unterwegs

Nicht nur bei der Energieversorgung, auch beim Thema Infrastruktur, konkret: dem ÖPNV, sieht er Versäumnisse. Günstige oder kostenfreie Tickets seien schön und gut, nur müssten Busse und Bahnen auch regelmäßig fahren, damit man die Tickets nutzen könne. »Wir hinken dem Bedarf hinterher«, ärgert er sich und nennt als weiteres Beispiel die Platzprobleme an den Schulen. »Es kann doch nicht sein, dass man jedes Mal Container aufstellt, weil man nicht vorausschauend plant.«

Ob er daran etwas wird ändern können? Die Chancen, die Direktwahl zu gewinnen, sind gering. Das weiß Gönül. »Aber wir wollen den großen Parteien nicht einfach das Feld überlassen. Das gehört zur Demokratie.« Die Freien Wähler seien näher am Bürger, weit weg von Parteistrukturen und -ideologien. Viele Bürger stünden nicht mehr hinter den großen Parteien. »Die da oben«, höre er oft, seien an den Bürgern vorbeigelaufen. Auch wenn er das Mandat nicht gewinne, sei die Stimme nicht verschenkt, denn sie sei ein Zuschuss zum Überleben und weiteren Aufbau der FW.

Sie interessieren sich für weitere Nachrichten und Geschichten aus der Wetterau? Erfahren Sie hier mehr über unseren kostenlosen wöchentlichen Mail-Newsletter.

Auch er hat die Zukunft seiner Partei im Blick und ist im Wahlkampf deshalb nicht nur in der Wetterau unterwegs. In Hamburg hat er sich mit Kollegen aus anderen Bundesländern getroffen, gerade kommt er aus Bayern. Es gehe darum, sich auszutauschen, ein Netzwerk aufzubauen. Spannend sei es etwa zu erfahren, wie der Wahlkampf andernorts gestaltet werde. Die Wetterauer FW würden viel in Eigenleistung erbringen. »Ich trage Flyer in den Orten aus, in denen ich noch nicht so bekannt bin, und mache viel über Social Media«, erzählt Gönül.

Bundestagswahlkampf in der Wetterau: Gönül bringt Erfahrung mit

Jede Menge Online-Erfahrung hat er 2020 im Reichelsheimer Bürgermeisterwahlkampf gesammelt. Auf den dabei gewonnenen Bekanntheitsgrad führt Gönül zurück, dass er bei der Kommunalwahl von Platz neun der FW-Liste für den Kreistag letztlich auf Platz fünf vorrückte und ins Gremium einzog. Dort ist er Vize-Vorsitzender seiner Fraktion, während er im Reichelsheimer Parlament Fraktionschef ist.

Dass die FW es weit nach oben schaffen können, zeigt Bayerns Vize-Ministerpräsident Hubert Aiwanger. Auch wenn der FW-Bundesvorsitzende der Partei zurzeit eher schadet: Er verweigert vehement die Corona-Impfung. Es sei zwar die Freiheit eines jeden Bürgers, sich impfen zu lassen oder nicht, sagt Gönül. »Aber wir Freien Wähler sind keine Impfskeptiker.«

Redaktioneller Hinweis: Dieser Text erschien erstmals am 08.09.2021.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare