Heruntergelassene Rollos statt leckerer Eiscreme: Das Eiscafé Dolomiti in Altenstadt hat bis auf Weiteres geschlossen. Die Landesregierung verbietet wegen der Corona-Pandemie allen hessischen Eisdielen den Betrieb.
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Heruntergelassene Rollos statt leckerer Eiscreme: Das Eiscafé Dolomiti in Altenstadt hat bis auf Weiteres geschlossen. Die Landesregierung verbietet wegen der Corona-Pandemie allen hessischen Eisdielen den Betrieb.

Eisdielen geschlossen

Wetterauer Eisdielen geschlossen: Betreiber fühlen sich unfair behandelt

  • Anna-Luisa Hortien
    vonAnna-Luisa Hortien
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Volker Bouffier hat gestern Abend verkündet, dass hessische Eisdielen ab Montag Eis liefern dürfen. Bisher war ihnen der Betrieb komplett untersagt. Das bereitet Betreibern wie Mario Mezzatesta Sorgen. Wir haben im Vorfeld mit ihm gesprochen.

Mario Mezzatesta ärgert sich. Seit ein paar Wochen darf er kein Eis mehr verkaufen. Seine beiden Eisdielen, die Dolomiti-Eiscafés in Friedberg und in Altenstadt, sind geschlossen. Wie alle anderen hessischen Eisdielen auch. Die Landesregierung hat ihnen den Betrieb untersagt - als einziges Bundesland in Deutschland. Angesichts des schönen Wetters der vergangenen Wochen trifft das Mezzatesta und seine Kollegen hart. »Ich finde das wirklich unfair«, sagt der Eisdielenbetreiber.

Nach und nach hatte er in den vergangenen Wochen die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus umgesetzt, hatte sein Eis nur noch zum Mitnehmen verkauft und Schutzscheiben an der Verkaufstheke angebracht. Bis die traurige Nachricht kam, dass er ganz schließen muss.

»Viele Zutaten, wie die Milch, sind jetzt schlecht geworden. Das ist sehr schade«, sagt Mezzatesta. Dabei habe das Geschäft gerade richtig angefangen. »Von März bis August machen wir den Großteil unseres Umsatzes.« Man sei auf das Geschäft im Sommer angewiesen. »Am Osterwochenende hätten wir auch viel Eis verkaufen können. Die Verluste können wir nicht wieder reinholen.«

Hessische Eisdielen geschlossen: Hessische Eismacher protestieren

Die Situation ist für Mezzatesta nicht einfach. Er hat sich deshalb der Initiative der hessischen Eismacher angeschlossen, einem Zusammenschluss von über 30 hessischen Selbständigen, die Eisdielen betreiben. Sie protestieren gegen die aktuellen Auflagen in Hessen und stellen unter www.hessische-eismacher.de Forderungen an die Landesregierung.

Sie wollen, dass hessische Eisdielen einen Lieferservice anbieten dürfen, wie es in allen anderen Bundesländern auch erlaubt sei. Außerdem fordern sie, dass die Abholung von Eis nach Vorbestellung und der Mitnahmebetrieb auch ohne Vorbestellung erlaubt werden sollen - vorausgesetzt, Abstandsregeln würden umgesetzt und eingehalten. Ihre Forderungen haben die Eismacher am Gründonnerstag als Petition an den hessischen Landtag übergeben.

Mezzatesta hat über Kollegen von der Aktion erfahren. »Wir müssen etwas unternehmen, damit wir die Saison fortsetzen können«, sagt er. Der Wetterauer fühlt sich wie die anderen hessischen Eismacher unfair behandelt. »Ich verstehe nicht, warum Eisdielen in anderen Bundesländern Eis verkaufen oder liefern dürfen und wir nicht«, sagt er.

Hessische Eisdielen geschlossen: Eis als Genussmittel oder Grundnahrung?

Die Argumentation der Landesregierung: Eis sei ein Genussmittel und kein Grundnahrungsmittel. Das kann Mezzatesta nicht nachvollziehen. »Luxusgüter sind für mich Alkohol und Zigaretten, aber nicht Eis.« Und: »Im Supermarkt und an der Tankstelle darf Eis weiterhin verkauft werden. Eigentlich müsste dann die ganze Produktion gestoppt werden.«

Kunden und Unterstützer äußern auch auf der Facebook-Seite der hessischen Eismacher ihr Unverständnis. Eine Leserin hat ihrem Ärger in einer E-Mail an die Redaktion Luft gemacht: »Für mich, und ich glaube für sehr viele andere Personen, vor allem Kinder, gehört Eis im Sommer durchaus zur Grundversorgung«, schreibt sie. »Es würde die Stimmung vieler Menschen, wenn auch nur für einen genüsslichen Moment, heben.« Und sie fragt: »Dürfen Supermärkte nun auch keine Schokolade oder Gummibärchen mehr verkaufen?«

Mezzatesta hat Soforthilfe beim Land beantragt. Bisher habe er aber noch kein Geld bekommen. »Das reicht auch höchstens für die Miete, aber wir haben ja noch mehr Ausgaben, müssen Mitarbeiter und Kredite bezahlen.« Umso wichtiger seien die Einnahmen im Sommer. »Wir müssen so schnell wie möglich wieder öffnen«, sagt Mezzatesta. »Sonst müssen wir im Winter Insolvenz anmelden.«

Die hessischen Eismacher haben, wie sie schreiben, Verständnis dafür, dass Einschränkungen getroffen werden müssen, um die Verbreitung des Virus zu verhindern. »Aber ich würde mir wünschen, dass wir den Straßenverkauf bald wieder öffnen dürfen«, sagt Mezzatesta. »Frisches Eis gehört einfach zum Sommer dazu.«

Hessische Eisdielen geschlossen: Hessische Eismacher protestieren mit Petition und Briefen

Aktuell stehen 40 hessische Selbständige, die insgesamt 46 Eisdielen betreiben, hinter der Initiative der hessischen Eismacher. Darunter ist neben Mario Mezzatesta auch ein Betreiber aus Bad Nauheim. Die hessischen Eismacher führen auf ihrer Internetseite (www.hessische-eismacher.de) einen Link zu einer Online-Petition auf, die Kunden und Unterstützer unterschreiben können. Außerdem stellen sie eine Briefvorlage für Eisdielen zur Verfügung, die diese an ihren lokalen Landtagsabgeordneten schicken können.

Hessische Eisdielen geschlossen: Nur kleiner Trost für Mario Mezzatesta

Wie Volker Bouffier bei der Pressekonferenz am Mittwochabend mitteilte, dürfen Eisdielen ab nächster Woche wie Restaurants einen Lieferservice anbieten. Damit ist eine der Forderungen der Initiative der hessischen Eismacher umgesetzt. Wie die Eisdielenbetreiber den Lieferdienst umsetzen, bleibt ihnen überlassen. Wie die hessischen Eismacher schreiben, sei allerdings noch nicht klar, ob die gesetzliche Ausgestaltung auch das Mitnahme- und Abholgeschäft beinhalte.

Für Mario Mezzatesta, der Eisdielen in Friedberg und Altenstadt betreibt, ist das aber nur ein kleiner Trost. Er wünscht sich vor allem, den Straßenverkauf wieder öffnen zu dürfen.

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