"Weil Gott in die Welt und zu den Menschen kommt, wird es Weihnachten - ob wir in die Kirche gehen oder nicht", sagt Dekan Volkhard Guth. Es gebe gute Gründe für, aber auch gegen Präsenzgottesdienste, die nicht gegeneinander ausgespielt werden sollten. FOTO: PV
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"Weil Gott in die Welt und zu den Menschen kommt, wird es Weihnachten - ob wir in die Kirche gehen oder nicht", sagt Dekan Volkhard Guth. Es gebe gute Gründe für, aber auch gegen Präsenzgottesdienste, die nicht gegeneinander ausgespielt werden sollten. FOTO: PV

Weihnachten

Wetterauer Dekan Guth: Weihnachten auch ohne Gottesdienste

  • vonred Redaktion
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Die Kirchengemeinden im Evangelischen Dekanat Wetterau müssen entscheiden, ob sie in der gegenwärtigen Lage gemeinsam Gottesdienste feiern wollen - keine leichte Aufgabe.

"Als Kirche stecken wir in einem Zwiespalt", schreibt Dekan Volkhard Guth in einer Pressemitteilung. "Wir dürfen unter klaren Schutzbedingungen und Auflagen feiern. Aber ist das, was wir dürfen, auch angeraten?" In der Wetterau liegt der Inzidenzwert aktuell deutlich über 200. "Und wie im privaten Bereich und für jede Form von Kultur- oder Sportveranstaltung gilt auch für Gottesdienste: Es begegnen sich dort Menschen aus unterschiedlichen Haushalten. Das kann kritisch sein."

Auf der anderen Seite hätten die gemeinschaftlich gefeierten Gottesdienste eine hohe Bedeutung. "Ich bin der Landesregierung sehr dankbar, dass sie mit den Ausnahmen für Weihnachtsgottesdienste ein klares Bekenntnis zum grundgesetzlich garantierten Recht auf freie Religionsausübung ausspricht. Niemand, der Präsenzgottesdienste feiert, soll sich dafür rechtfertigen müssen." Gottesdienste seien Ausdruck der Hoffnung, insbesondere an Weihnachten, könnten Trost spenden und Halt geben.

Dieser Zwiespalt zeigt sich auch in den Entscheidungen der Kirchengemeinden. Ob Gottesdienste gefeiert werden oder nicht, entscheidet der jeweilige Kirchenvorstand. Das ist im Kirchenrecht entsprechend festgelegt. "Die überwiegende Mehrheit im Dekanat Wetterau hat sich zum aktuellen Zeitpunkt dafür entschieden, bis auf weiteres auf alle Präsenzfeiern zu verzichten", informiert Guth. Einige wenige Gemeinden wollen Weihnachtsgottesdienste in verschiedenen Formen vor Ort feiern. Den Veranstaltungen liegen laut Dekan gut ausgearbeitete und genehmigte Hygienekonzepte zugrunde. Die Gemeinden arbeiteten mit Anmeldungen und könnten so den Zugang regulieren. "Wir wissen genau, wer teilnimmt." Auch der Zu- und Abgang zu den Veranstaltungen werde sorgfältig geregelt. "Unsere Gottesdienste sind so sicher wie möglich."

Botschaft auf Bannern

Der Dekanatssynodalvorstand mit Präses Tobias Utter an der Spitze hat am Mittwoch beschlossen, den Kirchengemeinden zu empfehlen, bis zum 10. Januar auf alle Präsenzgottesdienste zu verzichten. Aber, betont Guth: "Jeder Beschluss, Präsenzgottesdienste zu feiern oder darauf zu verzichten, findet seine Befürworter und seine Kritiker. Jede Seite hat gute Gründe, die wir nicht gegeneinander ausspielen sollten." Man müsse achtgeben, dass man mit der Frage nach "›Präsenzgottesdienste oder nicht?", nicht implizit die Frage nach "Weihnachten oder Nicht-Weihnachten?" stelle. "Weihnachten wird. Auch ganz ohne unsere gewohnten Feiern. Nicht wir tragen Weihnachten mit unseren Feiern, sondern Weihnachten - die Botschaft der Weihnacht - trägt uns in unserem Leben."

Das wollen die Wetterauer Kirchengemeinden mit einer gemeinsamen Aktion zeigen: Vier Meter lange Banner mit dem zentralen Vers der Weihnachtsgeschichte werden rund um die Feiertage die Kirchen und Orte schmücken. "Wir setzen ein Zeichen, das jeder im Vorbeifahren oder -gehen sehen kann." An einigen Orten werden die Kirchen zum Gebet offenstehen. "Es soll sich aber niemand verpflichtet fühlen, Angebote wahrnehmen zu müssen. Weil Gott in die Welt und zu den Menschen kommt, wird es Weihnachten - ob wir in die Kirche gehen oder nicht."

Auch dort, wo auf Präsenzgottesdienste verzichtet wird, gebe es viele Möglichkeiten, das Evangelium zu verkünden: Das Dekanat hat zwei Video-Weihnachtsgottesdienste produziert, viele Gemeinden bieten ebenfalls Gottesdienste per Video oder Livestream an. Wer mag, kann eine Hausandacht feiern oder die Weihnachtsgeschichte lesen und die Botschaft auf sich wirken lassen. Auf der Internetseite www.wetterau-evangelisch.de hat das Dekanat viele Angebote zusammengestellt.

Brot für die Welt

Da Präsenzgottesdienste ausfallen, gehen auch die Kollekten-Einnahmen zurück. Aber gerade die Aktion "Brot für die Welt", für die traditionell an Weihnachten gespendet wird, ist auf die großzügigen Zuwendungen an den Feiertagen angewiesen, um weltweit Menschen helfen zu können. Um diese Arbeit auch in der aktuellen Zeit zu unterstützen, kann man zum Beispiel Spenden auf das Konto von "Brot für die Welt" überweisen: IBAN: DE10 1006 1006 0500 5005 00, Bank für Kirche und Diakonie.

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