Dr. Reinhold Merbs bei der Abnahme eines Abstrichs. Die kleine Julia zeigt sich dabei sehr tapfer. 	FOTOS: PRW
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Dr. Reinhold Merbs bei der Abnahme eines Abstrichs. Die kleine Julia zeigt sich dabei sehr tapfer. FOTOS: PRW

»Momentaufnahme«

Corona-Massentests: Amtsarzt dagegen - Das ist die Begründung des Wetterauers

Dem Ruf nach massenhaften Corona-Tests folgt der Wetterauer Amtsarzt Dr. Reinhold Merbs nicht.

»Ein Test ist immer nur eine Momentaufnahme und bedeutet, dass am heutigen Tag keine Infektion vorliegt. Das kann im nächsten Moment schon ganz anders aussehen. Der Nachbar im Bus kann einen anhusten oder die Übertragung erfolgt im Supermarkt, weil an der Kasse die Abstandsregeln nicht eingehalten werden.«

Medizinisch ratsam sei der Test, wenn Menschen klare Symptome hätten - oder aber zur Vermeidung weiterer Ausbreitung bei Menschen, die mit Infizierten direkten Kontakt hatten. »Wir haben in den letzten Wochen rund 700 Tests selber durchgeführt«, sagt der Wetterauer Amtsarzt. Die meisten Tests würden aber von den Hausärzten oder dem Ärztlichen Bereitschaftsdienst vorgenommen.

Corona: Massentests zeigen nur Momentaufnahme

Nach einem Ausbruchsgeschehen in einer Butzbacher Kindertagesstätte hatte das Gesundheitsamt alle Kinder und die Erzieherinnen zum Test ins Bürgerhaus gebeten. Merbs und Ärztin Tanja Nies nahmen die Tests selber ab; der Amtsarzt im sterilen Kittel mit Mundschutz, Face Shield und sterilen Handschuhen, die während der Prozedur immer wieder desinfiziert wurden, wie die Pressestelle mitteilt.

Der Abstrich erfolge im Rachenraum, an beiden Wangenseiten sowie im hinteren Rachenraum, am Gaumen und in der Nase. Danach werde das Wattestäbchen in eine sterile Flüssigkeit gegeben und dann zum Landeslabor nach Dillenburg gebracht. Der Abstrich könne Erbgut des Virus enthalten. In aufwändigen Verfahren werde das virale Erbgut durch einen empfindlichen molekularen Test nachgewiesen. Dafür verwende das Testgerät das wenige genetische Material der Probe in mehreren Zyklen. Durch den Einsatz fluoreszierender Stoffe könne man dann sehen, ob die gesuchten Gensequenzen des Virus vorliegen oder auch nicht. Das Ergebnis liege dann nach wenigen Stunden vor.

Corona: Zwei Fälle in Bad Vilbel

Die Zahl der nachgewiesenen Fälle von Corona-Infektionen im Wetteraukreis lag am Freitag bei 447, sechs mehr als am Vortag. Die Neuinfektionen wurden aus Bad Vilbel (zwei Fälle), Butzbach, Karben und Ortenberg gemeldet.

Die Zahl der aus der Quarantäne entlassenen Menschen stieg auf 377, drei mehr als am Vortag. Die Genesenen kommen aus Bad Nauheim, Gedern und Wöllstadt.

Zieht man zude die Zahl der an oder mit Covid 19 Verstorbenen (13) ab, gibt es aktuell im Wetteraukreis 57 mit Corona infizierte Menschen. Zwölf davon befinden sich in stationärer Behandlung (Vortag elf); bei einem ist eine intensivmedizinische Behandlung nötig.

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