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Beim Besuch der Kita müssen Kinder und Eltern, Erzieherinnen und Erzieher wegen Corona vorsichtig sein. Doch reicht das aus, wenn man in einer Kita arbeitet und eine Vorerkrankung hat? 

Corona-Sorgen

Wetterau: Vorerkrankung und Kita-Dienst - wie hoch ist das Risiko? 

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Was können Erzieherinnen tun, die einer Risikogruppe angehören und wieder zur Arbeit sollen? Eine Mitarbeiterin der Stadt Friedberg sieht sich unnötig gefährdet.

Das schockt einige Friedberger Erzieherinnen in der Corona-Krise: Unlängst erhielten sie Post aus dem Rathaus, wonach sie ab 14. Mai wieder erscheinen und kein Home Office mehr machen sollten. Wie aus einem Schreiben, das der WZ vorliegt, hervorgeht, betrifft dies auch Personen, die einer Risikogruppe angehören. Seither seien die Kindergärtnerinnen entweder überbesetzt in der Notbetreuung tätig oder putzten alternativ die Schränke - so erzählt es eine Erzieherin, die namentlich nicht genannt werden will. Sie finde es sinnlos und ungerecht, sagt sie, denn gefährdete Lehrerinnen und Lehrer dürften weiter im Home Office arbeiten. Deren Arbeitgeber ist das Land, nicht die Stadt oder die Gemeinde.

Die WZ hat im Friedberger Rathaus nachgehakt, und auch in der Nachbarstadt Bad Nauheim. Wie es aus Friedberg heißt, betreffe die neue Anordnung das gesamte Personal, nicht nur die Erzieherinnen. "Ziel des Arbeitgebers ist es, den größtmöglichen Schutz zu gewährleisten", betont Bürgermeister Dirk Antkowiak. Beim Anstieg der Infektionswelle habe die Stadt die Gefährdeten nach Hause geschickt, in allen Berufsgruppen. "Aber auch im Home Office musste die Arbeitsleistung erbracht werden." Nun allerdings wieder vor Ort, es sei denn, die Mitarbeiter seien krankgeschrieben. "Der Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes kennt auch nur die Positionen ›gesund‹ oder ›krank"." Wie das Personal eingesetzt werde, entschieden die Vorgesetzten mit Augenmaß.

Verwaltung Friedberg: 61 Mitarbeiter im Homeoffice

Insgesamt hätten sich während der Schließzeit der Verwaltung bis zu 61 städtische Mitarbeiter im Home Office befunden. Die Erzieherinnen hätten in einem dreiwöchigen Wechsel-Schichtdienst den Betrieb der Not-Kitas gewährleistet. "Das Erziehungspersonal im Home Office bekam konzeptionelle und pädagogische Hausaufgaben und hielt Kontakt zu den Kindern."

Derzeit erarbeite die Stadt einen Plan zur Eröffnung der Kitas Anfang Juni, hierzu stünden aber noch einige Stellungnahmen des Landes aus. "Bei der Prüfung, wie wir das Personal einsetzen, berücksichtigen wir vorgelegte Atteste in der Gefährdungsbeurteilung", betont Antkowiak. Möglich sei es während des momentanen Abwägungsprozesses bis Anfang Juni auch, Urlaub zu nehmen oder Überstunden abzubauen.

Bad Nauheim: Spezielle Aufgaben für Menschen aus Risikogruppen 

Im Bad Nauheimer Rathaus sagt Personalchef Matthias Wieliki: "Wir haben in allen Berufsgruppen Menschen, die der Risikogruppe angehören, und wir gehen unterschiedlich damit um." Viele Büroarbeitsplätze seien Home-Office-fähig, weniger leicht sei es bei Bauhof, Gärtnern, Abfallentsorgung, Kläranlage, Friedhof und Erzieherinnen. "Da haben wir die Arbeitsplätze so gestaltet, dass das Risiko minimiert ist." Beispielsweise würden Tätigkeiten so gesucht, dass jemand aus einer Risikogruppe die Aufgabe allein erledigen könne. "Uns ist der Fürsorgegedanke gegenüber unseren Mitarbeitern sehr wichtig, Fürsorge und Aufgabenerledigung. Wenn wir keine Tätigkeit finden konnten, sind die Mitarbeiter weiterhin freigestellt. Der eine ist über 60, der andere hat drei Vorerkrankungen, da muss man immer den Einzelfall sehen. Bei uns wurde das von Beginn an so gehandhabt", unterstreicht Wieliki. Erzieherinnen könnten nur bedingt im Home Office arbeiten, fährt er fort. Da die Kinderbetreuungszahlen momentan sehr gering seien, habe die Stadt Kurzarbeit für dieses Segment beantragt.

Risikogruppen seien freigestellt, andere seien stundenweise in der Notbetreuung. Wie viel hänge davon ab, wie die Einrichtungen ausgelastet seien. "Wir liegen aktuell bei rund 80 Kindern von normalerweise über 1000. Die Gruppenstärke sei auf fünf bis sieben Kinder verkleinert", erläutert Matthias Wieliki. Entsprechend sei der Personalstand niedriger.

"Mit dem jetzigen Stand wissen wir noch nicht, wie wir es ab dem 2. Juni machen", sagt der Personalchef. Wie oft ein Kind in Hessen in die Kita gehen dürfe und wie viele Eltern den Nachwuchs brächten, sei unbekannt. Die Stadt gehe davon aus, dass sich der Personalbedarf bald erhöhe. "Dann gucken wir, welche Arbeiten es gibt, bei denen kein Kontakt mit Kindern besteht. Das sind die Konzept- und Projektarbeit, und das können auch Risikogruppen von zu Hause aus machen."

Erzieherinnen aus Risikogruppen: Rechtliche Tipps für Betroffene

Kristin Ideler (Gewerkschaft ver.di Frankfurt/Main und Region) empfiehlt betroffenen Erzieherinnen aus Risikogruppen, die Arbeitsbereitschaft in einem Gebiet ohne Kinderkontakt zu signalisieren: etwa in anderen Ämtern oder Verbindung zu Kindern halten, die zu Hause sind. "Und wenn der Arbeitgeber sagt, ›ich brauche dich aber im Kinderdienst‹, muss er zunächst eine Gefährdungsbeurteilung des Arbeitsplatzes vornehmen. Das muss er für alle Arbeitsplätze tun." Bei Problemen biete sich an, erst einmal mit dem Personalrat zu sprechen. "Und wenn man bereits wieder im Kinderdienst arbeitet und fühlt sich nicht ausreichend geschützt, kann man dem Arbeitgeber eine Gefährdungsmeldung abgeben. Er muss die Gefährdung zeitnah beseitigen. Darin weist man darauf hin, dass beispielsweise kein Desinfektionsmittel da ist, die Eltern keinen Abstand halten, zu wenig Personal im Notdienst ist."

Wer meine, dass der Arbeitgeber die Fürsorgepflicht verletze, habe ein Leistungsverweigerungsrecht unter Fortzahlung des Entgelts. Dies zeige man schriftlich an. "Für Gewerkschaftsmitglieder gibt es hier Beratung, Briefvorlagen und Rechtsschutz." Erreichbar ist ver.di von 8 bis 18 Uhr unter der zentralen Durchwahl 069/25690. Auch Beratungen vor Ort seien nach Vereinbarung wieder möglich. Weiterhin bestehe die zentrale bundesweite Corona-Hotline für Mitglieder unter der Telefonnummer 08 00/8 37 34 16). Sobald jemand der Gewerkschaft ver.di beigetreten sei, habe er das Recht, umfassend beraten zu werden.

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