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Tierische Abkühltricks

Wetterau: So überstehen heimische Tiere die Hitze

  • vonKatharina Gerung
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Viele Wildtiere haben unter den hohen Temperaturen gelitten. Mit welchen Tricks sie den Sommer überstanden haben und welches Tier besonders hervorsticht, verrät Frank Uwe Pfuhl vom NABU.

Schluss mit schwülen Nächten, Schluss mit Schwitzen: Die Wetterau kühlt ab, und mit dem Wochenende scheint sich vorerst auch der Hochsommer verabschiedet zu haben. "Ich hoffe wirklich, dass es das jetzt war", sagt Frank Uwe Pfuhl, Leiter des NABU Wetterau. Noch Ende der vergangenen Woche hat es zum wiederholten Male eine Hitzewarnung für die Wetterau gegeben. Bis zu 34 Grad wurden erwartet - und das zum Spätsommer hin. "Es gibt gefährlich mehr Hitzetage", sagt Pfuhl, "das macht nicht nur uns Menschen zu schaffen."

Wird es heiß, steigt auch die Körpertemperatur. Der Mensch wirkt dem entgegen und schützt sich, in dem er viel trinkt, schwitzt, ein kühles und schattiges Plätzchen aufsucht und anstrengende Tätigkeiten möglichst vermeidet. Für Tiere ist es nicht ganz so einfach, erklärt Pfuhl. Die meisten können nicht so schwitzen wie der Mensch und darüber hinaus leiden viele Wildtiere vor allem während heißer Sommertage oft unter Wassermangel.

"Vordergründiges Problem ist der Klimawandel", sagt Pfuhl. Der sorge für immer mildere Winter und heißere Sommer mit Hitzewellen wie die der vergangenen Wochen. Das setzte den Tieren sowie der Umwelt allgemein zu. "Selbst Quellen wie die der Nidda, der Nidder oder der Horloff werden im Sommer trocken", sagt der Naturschützer. Das sei nicht nur schlecht für die im Wasser lebenden Tiere, sondern bringe das Ökosystem durcheinander: Natürliche Wasserstellen versiegen, Böden werden trocken und Pflanzen gehen ein. Und damit verschwinden Rückzugsorte und Nahrungsquellen.

Wetterau: Auch Tiere halten Siesta

Wie also hat das heimische Tierreich den aktuellen Hitzesommer überstanden? Überraschend gut, sagt Pfuhl. Es habe kaum dehydrierte Patienten oder besorgte Anrufe gegeben. Ob das an speziellen tierischen Abkühltricks liegt? "Grundsätzlich reagieren Wildtiere auf Hitze wie der Mensch", sagt Pfuhl. "Sie ziehen sich zurück und halten wie wir eine Art Siesta in Höhlen oder im kühlen Wald - vor allem über die Mittagsstunden." Gut zu beobachten sei dies etwa in seinem eigenen Garten. Wo morgens und abends zahlreiche Vögel nach Nahrung suchen, herrsche mittags gähnende Leere. Einzig ein paar Insekten kämen dann vorbei. "Die Feldwespe trinkt und surft gerne im Teich", sagt Pfuhl und lacht.

Unabhängig von den Anpassungen an den Klimawandel gebe es viele Strategien in der Natur, um Wetterextreme zu überstehen. Pfuhl zählt ein paar davon auf und startet mit naturnahem Sonnenschutz: Wildschweine etwa suchen sich Wasserstellen und schlammige Gruben, um sich darin zu suhlen. Der Schlamm schützt nicht nur, sondern kült sie auch. Ähnlich macht es der Storch - nur benutzt dieser keinen Schlamm, sondern den eigenen Kot, mit dem er seine Beine einreibt.

Statt einem Ventilator nutzen Hummeln und Bienen ihre Flügel, um die Brut an heißen Tagen zu kühlen und sie vor dem Austrocknen zu schützen. Hummeln erzeugen durch hochtouriges Flügelschlagen kleine Luftstöße und Bienen befördern warme Luft aus dem Stock. Der Feldhase dagegen hat eine Art körpereigene Klimaanlage, die über die langen Ohren Hitze ableitet. Bei Füchsen ist es ähnlich wie bei Hunden - sie fangen an zu hecheln. Was manche vielleicht überraschen mag: "Auch Vögel machen das", sagt Pfuhl.

Der Fisch, der mit dem Darm atmet

Die Schilderungen des NABU-Experten versetzten in Staunen. "Ja, die Natur ist schon sonderbar", sagt er und hat sich den außergewöhnlichsten Trick dabei für den Schluss aufgehoben. Dieser betrifft eine für die Auen der Wetterau typische Fischart. Den Schlammpeitzger. "Der hat wirklich eine ganz besondere Anpassungsstrategie an Hitze und Trockenheit", sagt Pfuhl. Wenn die Gräben, in denen er lebt, austrocknen, dann wechselt er von Kiemen- auf Darmatmung, schluckt Luft und gibt sie über den Anus wieder ab. So überlebt er selbst in von längeren Hitze- oder Trockenperioden bedrohten Gewässern.

"Das Tierreich hatte Tausende von Jahren Zeit, sich an die verschiedensten Gegebenheiten anzupassen", sagt der Umweltschützer . Und so würde es auch weitergehen. Manche Tiere würden in Zukunft vielleicht fernbleiben, dafür ziehe es andere in die Wetterau. "Die Gottesanbeterin etwa", sagt Pfuhl. Diese sei erst kürzlich in Bad Nauheim gesichtet worden. Man dürfe also gespannt sein, wie sich die Artenvielfalt in nächster Zeit noch weiter verändere.

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