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Im April hat ihr Vater die Erstimpfung mit Astrazeneca im Impfzentrum bekommen, berichtet eine Wetterauerin. Nun steht die Zweitimpfung an. Doch eigentlich hatte sich die Tochter bemüht, diese auf Empfehlung des Kardiologen ihres Vaters vorzuverlegen. Erfolglos. ARCHIVFOTO

Wetteraukreis

Kardiologe rät zu Vorverlegung der Corona-Zweitimpfung – „Unwilligkeit, auf eine Empfehlung adäquat zu reagieren“

  • Sabrina Dämon
    VonSabrina Dämon
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Eine Wetterauerin hat versucht, den Zweitimpfungstermin ihres Vaters vorzuverlegen. Anlass dafür war die Empfehlung eines Kardiologen. Doch das Gesundheitsamt sah keinen Grund dafür.

Friedberg – Ein Kardiologe empfiehlt einem Wetterauer, seine Zweitimpfung vorzuziehen. Doch aus Sicht des Wetterauer Gesundheitsamts liegt dafür »kein wichtiger und medizinischer Grund vor«. So berichtete es kürzlich eine Leserin in einem Schreiben an die WZ-Redaktion. Sie hatte versucht, einen früheren Zweitimpfungstermin im Impfzentrum für ihren Vater zu bekommen. Ohne Erfolg.

Wie die Tochter berichtet, habe ihr über 70-Jähriger Vater lange auf seine Erstimpfung mit Astrazeneca warten müssen. Im April habe er dann einen Termin im Impfzentrum in Büdingen bekommen. Die damalige Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) lautete, dass zwischen zwei Impfungen mit Astrazeneca drei Monate liegen sollten. »Daher wurde der zweite Impftermin für meinen Vater erst für den 18. Juli festgelegt«, berichtet sie. Doch in der Zwischenzeit habe der Vater, der Anfang des vergangenen Jahres eine schwere Herz-OP gehabt habe, einen Termin bei seinem Kardiologen wahrgenommen.

»Zum Glück ist mit dem Herzen alles in Ordnung, jedoch empfiehlt der Kardiologe in seinem Arztbrief, meinen Vater als Risikopatienten einzustufen und aufgrund der Situation mit der um sich greifenden Delta-Mutation die zweite Impfung nach Möglichkeit vorzuziehen.« Das war Ende Juni. Die Tochter habe daraufhin versucht, über das Gesundheitsamt des Kreises einen früheren Termin für ihren Vater zu organisieren. In einer E-Mail habe sie die Situation geschildert, den Arztbrief beigefügt und ihre Telefonnummer angegeben: »Falls das Impfzentrum Büdingen uns kurzfristig erreichen möchte.«

Wetterau: Streit um Corona-Impfung – „Halten uns an Empfehlung“

Der Arztbrief mit der entsprechenden Empfehlung liegt der WZ ebenso vor wie die Antwort des Fachdienstes Gesundheit und Gefahrenabwehr des Kreises. In dieser heißt es: »Aus unserer Sicht liegt kein wichtiger und medizinisch notwendiger Grund vor, die Impfung vorzuverlegen.«

Die Wetterauerin, die auf einen früheren Impftermin für ihren Vater gehofft hatte, sagte damals über diese Antwort: Aus ihrer Sicht handele es sich beim Vorgehen des Amts um »Unwilligkeit, auf eine Empfehlung eines Facharztes adäquat zu reagieren. Ich hoffe sehr, dass meinem Vater eine Ansteckung erspart bleibt.«

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Seinerzeit sagte der Pressesprecher des Kreises, Michael Elsaß, gegenüber der WZ, er habe Rücksprache wegen des Falls mit Amtsarzt Dr. Reinhold Merbs gehalten. Und: »Wir halten uns an die Empfehlung der Stiko.«

Doch bezüglich der Impfungen gibt es häufig neue Empfehlungen: Kurz darauf, Anfang Juli, gab die Stiko die Empfehlung für Kreuzimpfungen: Diejenigen, die ihre Erstimpfung mit Astrazeneca bekommen haben, sollen bei ihrer Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff (Biontech oder Moderna) geimpft werden. Und: Die Zweitimpfung kann nach Mitteilungen aus dem Bundesgesundheitsministerium bereits vier Wochen nach der Erstimpfung erfolgen - um einen möglichst vollständigen Schutz vor der Delta-Variante zu gewährleisten, wie Gesundheitsminister Spahn in einer Verlautbarung vom 2. Juli bekanntgab (siehe Info).

Corona-Impfung: Warten auf Antwort vom Wetterauer Gesundheitsamt

Der Wetterauer und seine Tochter haben aber trotzdem nichts mehr gehört bezüglich einer Vorverlegung des Termins, wie sie berichten.

Nun steht der ursprünglich festgelegte Termin an. Mit welchem Vakzin? »Es wird ein Überraschungsbonbon«, sagt die Tochter. Denn, gleiche Erfahrung wie zu Beginn ihrer Bemühungen: Ihr Vater »hat selbst mehrfach versucht, das Gesundheitsamt zu erreichen, auch um zu erfahren, ob er denn nun sicher beim zweiten Mal mit Biontech oder Moderna geimpft werden wird, sonst kommt das böse Erwachen erst im Impfzentrum! Doch im Gesundheitsamt ist dauerbesetzt. Also hat sich unterm Strich nichts geändert, leider.«

Auf eine Antwort auf ihre E-Mail ans Gesundheitsamt, die sie am Dienstag geschickt habe, warte sie noch immer. Darin hatte sie um Bestätigung gebeten, dass ihr Vater mit einem mRNA-Stoff geimpft werde. »Es ist alles äußerst unbefriedigend.«

Info

Die Bundesregierung und das Bundesgesundheitsministerium teilten am 2. Juli mit: »Künftig sollen Menschen, die eine erste Dosis Astrazeneca erhalten haben, als zweite Spritze einen mRNA-Impfstoff injiziert bekommen. Bundesgesundheitsminister Spahn informierte über die angepasste Empfehlung der Ständigen Impfkommission. Grund ist die schnelle Ausbreitung der Delta-Variante in Deutschland. ›Doppelt geimpft schützt gegen Delta‹, betonte Spahn nach den Beratungen der Gesundheitsministerkonferenz. Die zweite Dosis der sogenannten Kreuzimpfung kann bereits nach mindestens vier Wochen geimpft werden, so die Empfehlung der Stiko. Die Immunantwort nach dem Verabreichen von zwei verschiedenen Präparaten sei der Immunantwort nach zwei Dosen Astrazeneca, ›deutlich überlegen‹.« Spahn sagte auch, es sei ausreichend Impfstoff vorhanden, um diese Empfehlung zügig umzusetzen. (im)

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