Wie steckt die Wirtschaft die Corona-Krise weg? Malu Schäfer vom Wetterauer Mittelstandsverband hat sich umgehört.
+
Wie steckt die Wirtschaft die Corona-Krise weg? Malu Schäfer vom Wetterauer Mittelstandsverband hat sich umgehört.

Mittelstand

Wetterau: So steckt die regionale Wirtschaft die Corona-Krise weg - Es gibt auch eine positive Seite

  • Christoph Agel
    vonChristoph Agel
    schließen

Wie steckt die Wirtschaft die Corona-Krise weg? Malu Schäfer vom Wetterauer Mittelstandsverband hat sich umgehört. Und dabei festgestellt, dass die Krise auch eine gute Seite hat.

Corona verlangt allen Menschen viel ab. Auch den Chefs und ihren Mitarbeitern. Eine Umfrage des Kreisverbandes Region Wetterau im Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) zeigt, wie vielseitig die Auswirkungen sind, wie kreativ Unternehmer sein können, und was es heißt, die Ärmel hochzukrempeln.

Reaktion - Corona kam plötzlich. Wie kreativ und optimistisch der Mittelstand mit der Krise umgegangen ist, macht Malu Schäfer vom BVMW stolz. Ein kleinerer Messebauer etwa hat schnell auf Trennwände, Masken und Schutzanzüge umgesattelt. Da er im Messe-Bereich viel für die Computerspiele-Industrie gearbeitet hat, ist er auf virtuelle Marktplätze umgeschwenkt. Eine Unternehmerin fand es toll, so gefordert zu werden, Ideen zu entwickeln die Ärmel hochzukrempeln. »So eine positive Stimmung habe ich bei über 80 Prozent erlebt«, sagt Schäfer. »Es war keiner dabei, der gesagt hätte: ›Oh Gott, oh Gott, das schaffen wir nicht.‹« Was die staatlichen Corona-Einschränkungen betrifft, so gibt es laut Schäfer Unternehmer, die diese für völlig überzogen gehalten haben, und andere, die sie als angemessen bewertet haben. »Es waren Gott sei Dank keine Verschwörungstheoretiker dabei.«

Homeoffice - Arbeitgeber haben realisiert, dass die Arbeitnehmer im Homeoffice tatsächlich arbeiten, sagt Malu Schäfer. Für Arbeitnehmer war es schwer, wenn außerdem noch Homeschooling anstand oder die Partnerin oder der Partner auch im Homoffice arbeitete. Es gab auch Bedauern darüber, dass man die Kollegen nicht sieht. Manche Meetings fanden in hybrider Form statt, das bedeutet, einige Mitarbeiter waren vor Ort, andere wurden dazu geschaltet. Im produzierenden Gewerbe wurde die Belegschaft in zwei Schichten aufgeteilt, die Mitarbeiter aus der einen durften denen aus der anderen nie begegnen. Ein Wege-Konzept wurde eingerichtet. Sollte es zu einer Corona-Infektion kommen, würde »nur« eine Hälfte der Belegschaft ausfallen.

Räume - »Interessant war für mich der Aspekt, dass ein Immobilienmakler sagte, der Gewerbeimmobilienmarkt werde mindestens stagnieren, wenn nicht sogar einbrechen, da die Unternehmen gemerkt haben, dass es auch mit weniger Büroraum geht. Ganze Anbau-Vorhaben werden infrage gestellt, wenn die Arbeit im Büro anders organisiert wird«; sagt Malu Schäfer. Sie weiß von einer Friedberger Firma, die eigentlich über eine bauliche Erweiterung nachgedacht hatte. Das Vorhaben wurde erst mal zurückgestellt.

Lieferketten - Teilweise gab es Engpässe, wobei dann der BVMW helfen konnte, der weltweit mit Büros präsent ist. Auf diese Weise wurden andere Zulieferer gefunden. Das Positive: Unternehmen steht jetzt bei den Lieferketten eine größere Bandbreite zur Verfügung. Schäfer: »Die sagen: Es ist gut dass wir jetzt wissen, wo Alternativen sind.« Andererseits gibt es ein Problem: Ein paar Produkte werden sich wegen der Lieferengpässe verteuern, prognostiziert die Expertin und nennt ein Beispiel: Bei einer kleinen Hundefutter-Manufaktur hat sich der Etat für Hygienemittel verdoppelt. Das Unternehmen wird wohl nicht drum herumkommen, Mehrkosten an den Verbraucher weiterzugeben.

Entwicklungsschub? - »Ich finde in solchen Krisen - so schlimm sie sind, es gibt immer Verlierer - wird Energie freigesetzt. Und plötzlich sind Sachen möglich, an die man vorher überhaupt nicht gedacht hat.« Bei allen befragten Unternehmern hat Schäfer das Gefühl gehabt, dass sie nicht darauf geschaut haben, was jetzt nicht mehr geht oder was verboten wird, sondern welche Möglichkeiten sie noch haben.

Was wird bleiben? - Schäfer erwartet bei der Digitalisierung einen Riesenschritt nach vorne. Ein Getränkehändler stellte im Zuge der Krise fest, dass er dringend seine Buchhaltung digitalisieren muss. Für Tourismus und Gastronomie könnte die Digitalisierung negative Folgen haben: Wenn die Dienstreise durch das digitale Meeting ersetzt wird. Bezüglich Homeoffice geht Schäfer davon aus, dass viele Firmen wahrscheinlich daran festhalten werden. »Ich gaube, die Vorurteile der Arbeitgeber, dort wo sie vorhanden waren, sind deutlich weniger geworden.« Viele Unternehmen dürften teils auf Homeoffice, teils auf Präsenz vor Ort setzen, prognostiziert die Expertin. »Alle, wirklich alle, gehen optimistisch in die Zukunft. Das ist Mittelstand. Nicht lange jammern, Ärmel hochkrempeln und los.«

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare