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In der Grundschule und der Mittelstufe ist die Fahrt zur Schule oft kostenlos, im Studium sowieso, und später gibt’s Jobtickets. Nur Jugendliche sollen für Bus oder Bahn zahlen. In der Wetterau soll dies anders werden.

Pilotprojekt

Wetterau soll kostenloses Schülerticket für Bus und Bahn bekommen

  • Jürgen Wagner
    VonJürgen Wagner
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„Busse und Bahnen - Umdenken, einsteigen!“ Der Slogan ist 20 Jahre alt, aber immer noch gültig. Die CDU/SPD-Koalition im Wetteraukreis will ein kostenloses Schülerticket einführen.

Friedberg– Mit dem dreijährigen Pilotprojekt soll auch Druck auf das Land ausgeübt werden, um eine hessenweit einheitliche Regelung herbeizuführen. Es sei ihm »eine echte Freude«, diesen Antrag einzubringen, sagte Rouven Kötter (SPD). Und Gerhard Salz (Grüne) verriet, sein »grünes Herz« schlage bei diesem Thema »automatisch höher«. Der Antrag der CDU/SPD-Koalition, ein dreijähriges Pilotprojekt für ein kostenfreies Schülerticket zu starten, stieß am Mittwoch im Wetterauer Kreistag auf Zustimmung. Auch wenn das Projekt einiges kosten wird.

Viele Schüler fahren schon jetzt kostenfrei mit Bus oder Bahn zur Schule. Sie müssen nur weit genug von der Schule entfernt wohnen (zwei Kilometer bei Grundschülern, drei in der Mittelstufe). Der Antrag der Koalition zielt auf Oberschüler (Sekundarstufe II) und die beruflichen Schulen. Ab dem Schuljahr 2023/24 sollen auch diese Schülerinnen und Schüler ein kostenloses Ticket erhalten, das in ganz Hessen genutzt werden kann.

Wetterauer Schülerticket soll „Meilenstein für Mobilität“ werden

Die Entfernung zur Schule soll keine Rolle spielen. Außerdem wird die Landesregierung aufgefordert, die gleiche Regelung landesweit einzuführen. »Das ist ein absoluter Meilenstein für die Mobilität«, sagte Kötter und fügte hinzu: »Das wird den Kreis Geld kosten.« Obwohl eigentlich das Land Hessen zuständig sei. Kötter: »Aber die gesetzlichen Bestimmungen sind nicht mehr zeitgemäß. Wir wollen handeln und ein Signal setzen.«

Dies könne man »uneingeschränkt befürworten«, sagte Gerhard Salz. Momentan zahlten Schüler 365 Euro für das Jahresticket. In den Studiengebühren ist das Semesterticket bereits enthalten. Viele Arbeitgeber bekämen ein Jobticket bezahlt. »Nur in der Zeitspanne, in der der Führerschein gemacht wird, verteuert sich die Fahrt mit dem öffentlichen Verkehr.« Ausgerechnet. Wie will man da die jungen Leute animieren, auf Busse und Bahnen umzusteigen?

Wetterau: Debatte um kostenlose Bus- und Bahn-Tickets für Schüler

Salz erinnerte an die rot-grüne Koalition von 2011 bis 2016. Da habe die SPD durchgesetzt, dass manche Schüler aufgrund der Kilometer-Festlegung kein Ticket mehr bezahlt bekommen. »Wir Grüne waren damals hart an der Grenze zur Kündigung der Koalition.«

Anja El-Fehtali (Linke) begrüßte die »Kehrtwende« der Koalition. Die jetzige Kilometer-Regelung bei den jüngeren Schülern sei unsozial. Michael Kuger (AfD) nannte den Antrag »sinnvoll«. Schüler seien die Leistungsträger von morgen und müssten entsprechend gefördert werden. Zustimmung gab’s auch von den Freien Wählern. Allerdings komme der Antrag »zu spät«, sagte Ulrich Majunke und erinnerte an zurückliegende Anträge, um das Problem zu beheben. »Alle Schüler sollten mit Bus oder Bahn zur Schule kommen, ohne dass dies vom Einkommen der Eltern abhängt.«

Kosten für kostenlose Schülertickets in der Wetterau: 2 Millionen pro Halbjahr

Die Wetterau, betonte Lisa Gnadl (SPD), wäre der erste Landkreis, der diese Regelung einführe: »Ein Meilenstein für mehr soziale Gerechtigkeit.« Doch das wird den Kreis einiges kosten. »Etwa 2 Millionen Euro im Halbjahr«, schätzte Michael Hahn (CDU). »So was muss eingehend beraten werden. Ein Schnellschuss wäre unsinnig«, sagte Hahn zu Forderungen der Opposition, die Regelung nicht erst 2023/24, sondern früher einzuführen.

Bei solchen Debatten darf der Hinweis auf »die eigenen Leute in Wiesbaden« nicht fehlen. Michael Rückl (Grüne) sagte, in der schwarz-grünen Landesregierung habe sich noch niemand dafür ausgesprochen, das Schulgesetz entsprechend zu ändern. »Kümmert euch drum«, sagte er Richtung CDU und fügte hinzu: »Ihr werdet euch die Zähne ausbeißen, wie wir bei den Grünen.«

Änderungsanträge, die darauf zielten, das kostenlose Schülerticket schon früher einzuführen, wurden mehrheitlich abgelehnt. Der Antrag der CDU/SPD-Koalition wurde bei einer Enthaltung der Freien Wähler einstimmig angenommen. Hätten die Kreistagsabgeordneten am Mittwoch rund drei Stunden früher über das Thema diskutiert, hätten sie direkt hinter der Friedberger Stadthalle eine Ortsbesichtigung vornehmen können. Auf dem dortigen Parkplatz kann man morgens vor Schulbeginn das beobachten, was auch vor anderen Schulen herrscht: ein Verkehrschaos, ausgelöst von Eltern-Taxis, die konsequent falsch parken und Radwege versperren.

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