Die Aufnahme einer Wildkamera zeigt einen Fischotter zwischen Wölfersheim und Echzell.
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Die Aufnahme einer Wildkamera zeigt einen Fischotter zwischen Wölfersheim und Echzell.

Bedrohte Art

Sensation für Naturschützer: Der Fischotter ist wieder da!

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Ein Kamerabild, Pfotenabdrücke und Reviermarkierungen beweisen: Es gibt wieder mindestens einen Fischotter in der Wetterau. Für Naturschützer ist das ein großer Erfolg.

Er galt in Hessen jahrzehntelang als ausgestorben: der Fischotter. Doch Spuren zeigen, dass sich die bedrohten Tiere inzwischen wieder in der Wetterau angesiedelt haben. Für Naturschützer ist das eine Sensation. "Wir freuen uns, dass der Fischotter wieder da ist", sagt Inga Hundertmark, zuständig für Faunistik und Artenschutz bei der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) in Echzell.

Ende Oktober vergangenen Jahres hatten Spaziergänger einen toten Fischotter am Schwelteich zwischen Wölfersheim und Echzell gefunden. Das Tier war vermutlich angefahren worden. Eine traurige Nachricht, die aber gleichzeitig der erste Beleg für das Vorkommen von Fischottern in der Wetterau war. "Daraufhin wollten wir herausfinden, ob es vielleicht noch weitere Tiere in der Wetterau gibt, die bisher nicht bemerkt worden waren", sagt Inga Hundertmark, die auch an der Otter-Erfassung in anderen hessischen Landkreisen beteiligt ist. Sie ging rund um den Jahreswechsel auf Spurensuche.

Bisher sei die Wetterau nur stichprobenartig untersucht worden. "Wir hatten eigentlich noch nicht damit gerechnet, dass der Fischotter schon in der Wetterau angekommen ist." Der Fischotter breite sich eher langsam aus. Die Tiere seien erst nach circa zwei Jahren geschlechtsreif und würden nicht so viele Junge bekommen.

Fischotter in der Wetterau: Lange Zeit ausgestorben in Hessen

"Der Fischotter hinterlässt ganz charakteristische Spuren, die auch noch nach Wochen nachweisbar sind", sagt Inga Hundertmark. Er markiere zum Beispiel sein Revier unter Brücken mit Kot und Drüsensekret. Generell unterqueren Fischotter Brücken gerne auf trockenen Pfoten am Ufer des Gewässers. "Dort sind dann im feuchten, weichen Boden die typischen Pfotenabdrücke zu finden."

Inga Hundertmark begann ihre Suche rund um den Fundort des ersten Tieres und orientierte sich dann entlang der Fließgewässer. Sie wurde fündig. Entlang der Horloff stieß sie auf frischen Kot. "Das belegt, dass sich eines oder sogar mehrere Tiere in der Wetterau aufhalten."

Auch wenn das besiedelte Gebiet noch eher klein sei, sind die gefundenen Spuren ein Erfolg. In vielen Teilen Deutschlands gelten Fischotter als ausgestorben. Lange Zeit wurden sie bejagt. "Über 50 Jahre lang gab es keine Fischotter mehr in Hessen", sagt Inga Hundertmark. Erst seit 2013 würden sich die Tiere wieder ausbreiten, jedoch vorwiegend in Nord- und Osthessen. "Es ist eine Sensation, dass sich der Fischotter jetzt in der Wetterau und damit so zentral zeigt." Von wo die Tiere in die Wetterau gekommen seien, könne man aktuell nicht sagen. Einzelne Tiere könnten aber durchaus weite Strecken zurücklegen, auch abseits von Gewässern.

Fischotter in der Wetterau: Naturschutzmaßnahmen erfolgreich

"Für uns ist es total spannend, nachzuverfolgen, wie sich der Fischotter ausbreitet. Dass er wieder in der Wetterau angekommen ist, zeigt, dass die Naturschutzmaßnahmen erfolgreich sind." Etwa die Renaturierung von Flüssen im Rahmen der Wasserrahmenrichtlinie der EU. Die Tiere bräuchten Versteckplätze in Gewässernähe, zum Beispiel durch überstehendes Ufer oder im Gebüsch.

Um herauszufinden, ob ein einzelnes Tier in der Wetterau lebt oder ob es sich um mehrere Individuen handelt, müssten Kot-Proben genetisch untersucht werden. Dazu arbeitet die HGON mit dem Senckenberg-Forschungsinstitut in Gelnhausen und dem Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) zusammen.

Bis Proben untersucht würden, könne es noch etwas dauern, sagt Inga Hundertmark. Sie und ihre Kollegen werden die Ausbreitung des Fischotters in der Wetterau aber weiterhin im Blick behalten. "Wir sind sehr glücklich, dass diese seltene Art jetzt auch wieder in der Wetterau zu Hause ist."

Fischotter in der Wetterau: Funde melden

Fischotter sind nachtaktiv. Nur selten bekommt man eines der Tiere zu sehen. Außerdem ist der Fischotter leicht mit einem Mink zu verwechseln. Dieser Marder aus Nordamerika ist inzwischen auch in Europa heimisch und lebt ebenfalls in der Nähe von Gewässern. Wer denkt, einen Fischotter gesehen zu haben oder ein totes Tier findet, kann dies - am besten mit Foto - der HGON in Echzell (Tel. 0 60 08/18 03, E-Mail: info@hgon.de) oder dem Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (www.hlnug.de) melden.

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