Die Rinder der Merzehof-Betreiber sind das ganze Jahr über auf der Weide. Dort werden sie auch geschlachtet. Mit einer Auflage des Kreises hatte sich das Prozedere aber verändert. Zum Nachteil der Tiere, wie die Hof-Betreiber sagten. Umso besser sei es, dass sie nun eine Genehmigung bekommen haben und die Tiere wieder auf offener Weide schießen können.
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Die Rinder der Merzehof-Betreiber sind das ganze Jahr über auf der Weide. Dort werden sie auch geschlachtet. Mit einer Auflage des Kreises hatte sich das Prozedere aber verändert. Zum Nachteil der Tiere, wie die Hof-Betreiber sagten. Umso besser sei es, dass sie nun eine Genehmigung bekommen haben und die Tiere wieder auf offener Weide schießen können.

Für mehr Tierwohl

Wetterau: Streit um Weideschlachtung - Kreis erlässt neue Regelung

  • Sabrina Dämon
    vonSabrina Dämon
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Eine Auflage für Weideschlachtung hat für Ärger bei Wetterauer Rinderhaltern gesorgt. Nun hat der Kreis reagiert und eine neue Regel gemacht.

Im November kam die neue Auflage vom Wetteraukreis: Die Biohof-Betreiber Martina und Matthias Brauner aus Dauernheim mussten sich ab sofort an neue Regeln bei der Weideschlachtung ihrer Rinder halten. Bisher war das zu schlachtende Tier auf offener Weide im Herdenverband erschossen worden. Mit der Auflage durfte es aber nur noch erschossen werden, wenn es in ein begrenztes Areal gesperrt worden war.

Bei den Brauners auf dem Merzehof sorgte das für Probleme, wie sie berichteten. Denn die neue Methode versetzte die Tiere in Angst; sobald sie eingesperrt wurden, liefen sie panisch im Pferch herum. Die Auflage habe dem Zweck der Weideschlachtung - den Tieren einen stressfreien Tod zu ermöglichen - komplett entgegengestanden, sagten sie vor einigen Wochen gegenüber der WZ.

Weideschlachtung in der Wetterau: Rinder müssen nicht mehr in ein begrenztes Areal geführt werden 

Nun gibt es jedoch gute Nachrichten vom Wetteraukreis für einige Rinderhalter: Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernentin Stephanie Becker-Bösch teilt mit, dass der Kreis eine neue Regelung für bestehende Betriebe erlassen hat. Demnach müssen Rinder bei der Weideschlachtung durch einen Kugelschuss nicht mehr in ein begrenztes Areal gesperrt werden. Diese Regelung gilt ausschließlich für Betriebe, die vor der November-Auflage eine Genehmigung für die Weideschlachtung hatten. Brauners dürfen ihre Rinder also künftig wieder auf offener Weide erschießen lassen.

Wie es vonseiten des Kreises heißt, gebe es drei weitere Betriebe im Kreis, für die die neue Regelung infragekomme. Wenn auch diese wieder auf offener Weide schlachten wollten, könnten sie sich vom Kreis die Erlaubnis dafür geben lassen.

In der Mitteilung vom Kreis heißt es: Um ein »einheitliches Genehmigungsverfahren« bei der Weideschlachtung zu gewährleisten, habe der Kreis im November die neue Auflagen »für die tiergerechte und stressfreie Schlachtmethode« erlassen. Die Nebenbestimmungen dieser Auflage sehen u.a. ein Areal von maximal 15 mal 15 Meter vor, »indem die Tiere frühzeitig durch Anfüttern an den Bereich zu gewöhnen sind, um das Risiko von Fehlschüssen zu minimieren«. Weiter heißt es dann: »Diese Auflage führte jedoch bei einem Betrieb in der Wetterau zu großen Bedenken und Kritik, da das Einpferchen der Tiere nach eigenen Angaben zu Angst und Stress führe und in einem Fall eine Schlachtung nicht möglich gewesen wäre.«

Weideschlachtung in der Wetterau: Weniger Stress für die Tiere 

Konkret geht es um den Hof der Brauners, die berichtet hatten, dass die Schlachtung durch das Einpferchen kaum mehr möglich sei.

In einem Gespräch mit dem Geschäftsführer des Regionalbauernverbands Wetterau- Frankfurt, Florian Dangel, der Vorsitzenden Andrea Rahn-Farr und Kreislandwirt Michael Schneller habe Becker-Bösch daher eine neue Regelungen erarbeitet für diesen Altbetrieb, der bereits den Kugelschuss ausführe.

Die Regelung betrifft die Frage der Einfriedung. Wie Becker-Bösch mitteilt, empfehle der Kreis zwar weiterhin dem Bestandshof ein eingefriedetes Areal, um das Fehlschussrisiko zu reduzieren. Durch die neue Regelung ist es dem Betrieb mit bereits erteilter Genehmigung nun jedoch möglich, den Kugelschuss ohne Umzäunung durchzuführen, wenn sich die Tiere nicht mehr an das Areal gewöhnen lassen und somit einer Stresssituation ausgesetzt werden. »Die neue Regelung sieht allerdings auch vor, dass im Falle eines Fehlschusses die ausschließliche Haftung beim Halter liegt«, heißt es in der Pressemitteilung.

Weideschlachtung in der Wetterau: Regelung gilt nur für jetzigen Eigentümer des Altbetriebes 

Becker-Bösch sagt: »Diese Regelung gilt jedoch nur für die jetzigen Eigentümer des Altbetriebes.« Sie ergänzt: »Es ist mir ein Anliegen, unsere landwirtschaftlichen Betriebe weiterhin zu unterstützen, unsere Direktvermarkter zu fördern und gerade eine nachhaltige Arbeit im Bereich der Viehzucht zu verankern.« Bei der Diskussion um die Auflagen zum Kugelschuss sei ihr der Austausch zum Regionalbauernverband sehr wichtig gewesen. »Die aufgeführten Kritikpunkte und Anregungen habe ich daher gerne aufgegriffen und hoffe nun, dass die neue Regelung zu einer Arbeitserleichterung im Betrieb führt.«

Für die Brauners ist es eine gute Nachricht. »Es freut uns wirklich sehr«, sagt Martina Brauner. »Jetzt können wir erst mal wieder unsere Arbeit machen."

Weideschlachtung in der Wetterau: Darum ging es bei dem Streit 

In einem Punkt waren sich beide Seiten - Brauners und der Kreis - einig: Weideschlachtung ist im Sinne des Tierwohls eine gute Alternative zu Schlachthöfen. Nur bei der Frage nach dem Wie gehen die Meinungen auseinander. Die Brauners waren mit ihrer Methode zufrieden: Die Rinder waren auf offener Weide. Der Jäger beobachtete das zu schießende Rind, wartete auf den passenden Moment, drückte ab. Er schnitt die Hauptschlagader des toten Tieres auf, dann wurde es ins Schlachthaus gebracht.

In all den Jahren sei es zu keinem einzigen Fehlschuss gekommen, sagten sowohl Brauners als auch Jäger Christoph Wiegel.

Fehlschüsse waren jedoch ein Argument des Kreises für die Auflage: Sollte es zu einem kommen, müsse ein sofortiger Zugriff auf das verletzte Tier gewährleistet sein. Daher müssten die Tiere in einem begrenzten Areal geschossen werden.

Da das bei Brauners nicht funktionierte, haben sie nun die Genehmigung bekommen, die Tiere wieder auf offener Weide zu schießen. Auch andere »Altbetriebe«, können sich eine solche Genehmigung erteilen lassen.

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