Grundschullehrer gehören hinsichtlich der Imfpfungen gegen das Coronavirus zur Priorisierungsgruppe zwei. Im Wetteraukreis hat aber das Personal von Schulen einen Vorteil, das über eine Sammelliste angemeldet worden ist. Lehrer, die sich individuell für einen Termin registriert haben, müssen länger warten. Das stößt auf Unmut. (Symbolfoto)
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Grundschullehrer gehören hinsichtlich der Imfpfungen gegen das Coronavirus zur Priorisierungsgruppe zwei. Im Wetteraukreis hat aber das Personal von Schulen einen Vorteil, das über eine Sammelliste angemeldet worden ist. Lehrer, die sich individuell für einen Termin registriert haben, müssen länger warten. Das stößt auf Unmut. (Symbolfoto)

Scharfe Kritik

Wetterau: Lehrer zwischen Angst und Impf-Ärger – Ämter „kaum mehr zu ertragen“

  • Christoph Agel
    vonChristoph Agel
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Auch in Wetterauer Schulen scheint es zu brodeln. Die Corona-Mutation breitet sich immer weiter aus - besonders unter Kindern. Zwei Lehrer gehen nun mit dem Staat hart ins Gericht.

Wetteraukreis – Bei einem Satz ist der Lehrerin die Hutschnur gerissen: »Wir haben am letzten Wochenende schon mehr als die Hälfte der angemeldeten Lehrkräfte geimpft«, hatte Amtsarzt Dr. Reinhold Merbs in einem Interview gesagt, das am Mittwoch in der WZ erschienen ist. »Das ist schlichtweg nicht wahr!«, entgegnet die erboste Lehrerin, die eigenen Angaben zufolge mit anderen Wetterauer Schulen gut vernetzt ist.

Was Impfungen gegen Corona angeht, sind Grundschullehrer kürzlich in die Priorisierungsgruppe zwei vorgerückt, dürfen sich also jetzt eigentlich impfen lassen, wenn das nicht schon geschehen ist. Vorausgesetzt sie haben einen Termin - und das ist die Krux.

Lehrer im Wetteraukreis bekommen keinen Impftermin – Zuständige Ämter „kaum mehr zu ertragen“

Sie wisse von ihrer und von fünf anderen Schulen, sagt die Lehrerin, dass keiner ihrer Kollegen geimpft worden sei oder auch nur einen Impftermin habe. Die meisten der Lehrkräfte hätten sich umgehend über das Impfportal »Hessen online« oder telefonisch registriert, als dies für Grundschul- und Förderlehrer möglich gewesen sei. »Ein paar Tage später wurde seitens des staatlichen Schulamts für den Hochtaunus- und Wetteraukreis an den Schulen abgefragt, welches schulische Personal - neben Lehrkräften auch Betreuungskräfte, Schulsozialarbeiter, Küchenpersonal, studentische Aushilfskräfte, Praktikanten, Pfarrer etc. - ebenfalls ›impfwillig‹ seien. Die Schulleitungen konnten so eine Liste einreichen, ausgenommen die bereits registrierten Lehrkräfte. Den bereits registrierten Lehrern entstünde kein Nachteil, Doppelnennung durch Eintragen in die sogenannte Schulliste sei zu vermeiden.«

Bis dato hätten ausschließlich Personen dieser Liste einen Impftermin erhalten, sagt die Wetterauer Lehrerin weiter. Die meisten Lehrer seien weder geimpft, noch sei ihnen ein Termin in Aussicht gestellt worden, »obwohl sie sich unmittelbar nach Möglichwerden registriert« hätten. Fazit der unzufriedenen Lehrerin: »Diese Benachteiligung, neben der nicht vorhandenen Digitalisierung der Grundschulen im Gleichklang steigender Infektionszahlen und keinerlei Verantwortungsbewusstsein seitens der zuständigen Ämter ist kaum mehr zu ertragen.«

Einzige unterstützung durch Kultusministerium: „das fabelhafte Lüften“

Auch eine andere Lehrkraft kritisiert das Vorgehen. Nach mehreren Versuchen und längerer Wartezeit habe sie sich als Lehrkraft für einen Impftermin registriert - »dies haben auf Basis der Kommunikation auch viele andere Kolleginnen und Kollegen gemacht, die jeden Tag in volle Klassen müssen, wo die einzige Unterstützung durch das hessische Kultusministerium das fabelhafte Lüften ist, was bei zwischenzeitlich minus 13 Grad sehr viel Spaß gemacht hat, aber das ist ein anderes Thema.«

Zwei Tage später sei kommuniziert worden, dass jetzt die Schulleitungen Sammellisten mit den Namen der impfwilligen Lehrer anlegen und an das Schulamt weitergeben sollten. Es sei explizit betont worden, dass sich die bereits online registrierten Lehrkräfte nicht auf diese Listen eintragen sollten. Im Kollegium habe man vermutet, Gesundheitsamt und Impfzentrum würden es vielleicht schaffen, die Sammellisten und die Online-Registrierungen mit dem Merkmal »Lehrer« zusammenzulegen, »um wie bei den Wochenend-Terminen für die Arztpraxen gemeinsame Impftermine anzubieten«.

Vorwurf: Doppel-Anmeldungen in der Wetterau

Dies sei aber nicht geschehen. Alle über die Sammellisten angemeldeten Personen hätten einen Impftermin am vergangenen Wochenende angeboten bekommen - auch Vertretungskräfte und Personal, das keinen direkten Schülerkontakt und damit auch kein Infektionsrisiko habe. »Allen Lehrkräften, die sich dagegen online - den offiziellen Weg gemäß initialer Kommunikation - registriert haben, wurde dagegen bisher noch nicht mal ein Termin in Aussicht gestellt. Damit sind wir weiterhin schutzlos dem Infektionsrisiko ausgesetzt und die Dummen, da wir uns auf die offizielle Kommunikation verlassen haben.«

Es hätten sich auch Kollegien in der Wetterau entgegen der Vorgabe doppelt angemeldet - persönlich online und gesammelt über die Liste. »Diese Kollegen wurden auch tatsächlich über die Sammelliste am Wochenende geimpft - ein Abgleich, ob sich jemand doppelt angemeldet hat, wurde also nicht vorgenommen.«

Was der Wetteraukreis zu der Kritik der Lehrkräfte sagt

»Wir haben die Vorgabe, alle in der Schule tätigen Menschen, unabhängig von Status, Einsatzzeit und Funktion, zu impfen. Mit dem kommenden Samstag werden alle über das Schulamt gemeldeten 1650 Personen geimpft sein«, heißt es in einer Stellungnahme des Kreis-Gesundheitsamtes vom Donnerstag auf Anfrage der WZ. »Gemeldet sind die, die impfwillig sind, auch für den Wirkstoff von Astrazeneca, die steuern wir jetzt auf einen anderen Wirkstoff um«, lautete die Aussage seitens des Kreises zum Zeitpunkt, als Impfungen mit Astrazeneca zwischendurch ausgesetzt worden waren.

Wer sich auf eine andere Weise um einen Termin bemühe - und damit über die Liste des Landes -, für den seien die Termine zunächst ausgesetzt, hieß es weiter - ebenfalls während der Astrazeneca-Pause. Der zwischenzeitliche Ausfall der Astrazeneca-Impfungen verschärfte die Situation. Es stellte sich folgende Frage: Bekommt angesichts des Astrazeneca-Stopps das Schulpersonal, das über die Sammellisten angemeldet wurde, die Impfung, weil das über den Landkreis lief? Und bekommen die Lehrer, die sich individuell - und auch früher - angemeldet haben, erst mal keine Impfung, weil das über die Hotline oder die Website lief? Die Antwort aus dem Gesundheitsamt während der Astrazeneca-Pause: »Die vom Gesundheitsamt vergebenen Termine werden eingehalten, die vom Land vergeben Termine werden verschoben.« Folgende Frage aus der Redaktion bleibt allerdings offen: Werden die Lehrerinnen und Lehrer benachteiligt, die sich nach Aufforderung selbst registriert hatten und dann, um »regelkonform« eine Doppelregistrierung zu vermeiden - sich nicht noch zusätzlich in die Sammelliste der jeweiligen Schule haben eintragen lassen? (Christoph Agel)

Hausärzte aus dem Wetteraukreis wollen derweil mehr in die Verantwortung gezogen werden – und selbst mehr impfen. In einer gemeinsamen Konferenz mit Landrat Jan Weckler haben sie sich auch mit dem Leiter des Gesundheitsamts ausgetauscht.

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