Maskentragen im Klassenraum: In Zeiten der Corona-Pandemie auch im Wetteraukreis ganz normal. (Symbolbild)
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Maskentragen im Klassenraum: In Zeiten der Corona-Pandemie auch im Wetteraukreis ganz normal. (Symbolbild)

Lernen unter Pandemie-Bedingungen

„Spät dran“ oder gut aufgestellt? Kreis erläutert Corona-Maßnahmen an Wetterauer Schulen

  • VonJürgen W. Niehoff
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Wie gut sind die Schulen im Zeichen der Corona-Pandemie aufgestellt? Der Wetteraukreis sagt, er habe alles für einen sicheren Schulbetrieb getan. Die Opposition ist skeptisch.

Friedberg – Schulstart in Hessen mit voller Klassenstärke trotz einer offensichtlich bevorstehenden vierten Coronawelle. Ist der Wetteraukreis dafür gerüstet? Diese Frage hat sich nicht nur der Kreiselternbeirat in der Wetterau gestellt, sondern auch mancher Kreistagsabgeordneter.

»Wir sind mit unseren Corona-Schutzmaßnahmen im Wetteraukreis spät dran«, stellt beispielsweise der Grünen-Kreistagsabgeordnete Oliver Seuss vor der Sitzung des Bildungsausschusses des Kreises am Montag (30.08.2021) stirnrunzelnd fest. Da mit ansteigender Sorglosigkeit in der Bevölkerung eine vierte Welle absehbar gewesen sei, hätte man viel früher handeln müssen. So die Meinung hauptsächlich aus Oppositionskreisen.

Ganz anderer Meinung ist hingegen Landrat Jan Weckler (CDU). Er ließ deshalb von seinem Fachbereich eine Präsentation erstellen, die belegen soll, dass die Kreisverwaltung fast von Beginn der Pandemie im Frühjahr vergangenen Jahres alle möglichen Maßnahmen getroffen habe, die dem Schutz der Schulkinder dienen. In dieser Präsentation, die Weckler unter dem Tagesordnungspunkt Mitteilungen dem Ausschuss darlegen ließ, werden die einzelnen Schritte haargenau aufgelistet.

Wetterauer Schulen im Corona-Schuljahr 2021/22: Reinigungsfrequenz deutlich erhöht

Nach der Schließung der Schulen aufgrund der Coronapandemie am 16. März 2020 und der dann doch wieder schrittweisen Aufnahme des Schulbetriebes am 27. April sei sofort mit der Anschaffung notwendiger Hygienemittel entsprechend der Vorgaben der Landesregierung begonnen worden. Dazu zählten Plexiglastrennwände ebenso wie CO2-Ampeln oder Atemschutzmasken. An den Schulen wurden feste Ansprechpartner bestimmt und die Reinigungsfrequenzen der Gebäude wurden deutlich erhöht, so der Kreis.

Darüber hinaus wurden Lerncamps in den Ferien angeboten, die im vergangenen Jahr sehr gut angenommen wurden, in diesem Jahr jedoch nicht mehr in dem Maße. Das Land hat mit dem Programm »Schutzmaßnahmen« dem Wetteraukreis 3 688 849 Euro, das sind rund 50 Euro pro Schulkind überwiesen. Dieses Geld sei auch ausgegeben worden, sagte Weckler.

Schulen in der Wetterau: Regelmäßiges Lüften wegen Corona weiter wichtig

Zu diesen Schutzmaßnahmen gehörten neben den angeschafften 500 Spuckschutzwänden, den über 1500 CO2-Ampeln zur Festlegung von Lüftungsintervallen sowie den über 650 Desinfektionsmittelspendern auch bauliche Maßnahmen (Gangbarmachung von Fenstern, Lüftungstechnik) und 134 mobile Luftreiniger gemäß den Empfehlungen des Umweltbundesamts. Die jedoch könnten auch das regelmäßige Lüften der Klassenräume nicht ersetzten. Denn nach den Empfehlungen des Umweltbundesamtes sei neben der Einhaltung der Hygieneregeln das regelmäßige Lüften die wichtigste Maßnahme.

»Wir haben uns nach den Empfehlungen des Umweltbundesamtes gerichtet, wobei wir auch die Wünsche der Schulen berücksichtigt haben. Deshalb wurden für 24 Schulen auch nur 134 Lüfter angeschafft. Das Stück für rund 3000 Euro«, zählte Weckler auf. Eine Schule (Saalburgschule in Bad Vilbel) wurde aus bautechnischen Gründen mit zwölf stationären Lüftungsgeräten ausgerüstet, Kaufpreis 132 000 Euro. Weil vor allem die mobilen Lüfter nicht ganz lautlos liefen, seien nicht alle Lehrer von ihnen begeistert und ließen sie deshalb ganz abgeschaltet oder drehten sie nur halbe Leistung. Darüber hinaus sei der Betrieb der Lüfter auch nur dann sinnvoll, wenn es draußen kälter ist als im Klassenraum.

Verstärkerbusse bis Weihnachten im Wetteraukreis

Auch Verstärkerbusse, die der Entlastung der Schülerbeförderung dienen, werden seit den Herbstferien 2020 bis voraussichtlich zu den Weihnachtsferien 2021 eingesetzt. Es seien 47 zusätzliche Fahrten pro Tag von 16 zusätzlichen Bussen. Schließlich soll auch das neue Impfangebot für Schüler, die das zwölften Lebensjahr vollendet haben, dem Schutz der Schüler dienen. Das Angebot gilt bis zum 31. Oktober.

Nach Ansicht Wecklers hat der Wetteraukreis seit Ausbruch der Pandemie kontinuierlich umfangreiche, bedarfs- sowie an wissenschaftlichen Empfehlungen orientierte Schutzmaßnahmen für die Schulen umgesetzt. »Wenn dies auch nicht immer leicht war in Anbetracht der Fülle und der sich ständig ändernden Anweisungen aus Wiesbaden«, so Weckler

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