+
Beim Blick vom Wintersteinturm über die Ebene der Wetterau kann man im Hintergrund, bei Bruchenbrücken, drei Windkraftanlagen erkennen. Auch auf dem Taunuskamm sollen drei Windräder entstehen. 

Diskussion um Vorranggebiet

Kommen die Windräder auf dem Winterstein doch nicht so bald?

  • schließen

Windräder auf dem Winterstein? Wer die Diskussionen der letzten Jahre in Friedberg verfolgt hat, konnte glauben, es müssten Tausende von Eichen gefällt werden. Dem ist nicht so.

Die Eichen waren kein Thema in der gemeinsamen Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und des Ortsbeirats Ockstadt. Die Parlamentarier hatten schließlich die über 50-seitige Beschlussvorlage für den Bebauungsplan "Natur- und Erholungsgebiet Winterstein" gelesen. Auf Seite 44 sind Fotos von drei möglichen Standorten für Windräder abgedruckt: weitgehend kahle Flächen, im Hintergrund stehen Fichten.

In der Presse hätten Befürworter und Gegner der Windräder bereits "verbal aufgerüstet", sagte Dr. Klaus-Dieter Rack (SPD) und empfahl den Kollegen, "den Ball flach zu halten." Schließlich gehe es momentan nur darum, die Beteiligung der Öffentlichkeit vorzubereiten. Wie Holger Fischer vom Planungsbüro Fischer aus Wettenberg erläuterte, sind rund 50 Behörden zu beteiligen. Wie das Verfahren ausgeht und ob die Windräder tatsächlich an den drei ausgewiesenen Standorten gebaut werden, steht derzeit in den Sternen. Fischer: "Das ist juristisches Neuland."

Die Stadt, sagte Fischer, müsse die raumordnerische Entscheidung des Regionalplans akzeptieren, dürfe sich nicht über sie hinwegsetzen. Eine Festsetzung für Windrad-Flächen muss erfolgen. Nur dann habe die Stadt die Planungshoheit in Händen. Wird kein B-Plan verabschiedet, könnten Privatfirmen auf einem Teil der Fläche, das außerhalb des Funkfeuers-Radius des Frankfurter Flughafens liegt, Windräder aufstellen.

Windräder Winterstein: Abbau der Windkraftanlagen nach 30 Jahren

Die drei Standorte liegen auf relativ ebenen Flächen in den Waldbereichen Steinkopf (Friedberg) und Saukopf (Rosbach). Vorgesehen ist, möglichst junge Waldbestände und vor allem die geräumten Borkenkäfer-Fichtenbestände als Standorte zu nutzen. 30 Jahre lang sollen die Windräder stehen, dann werden sie abgebaut. Es sei denn, die Stadt beschließt im Jahr 2050plus ein "Repowering", eine Modernisierung der Anlagen.

Beim Aufbau der Windräder erfolgt der Transport nur über bestehende Waldwege. Es würden "keine Schneisen in den Wald gehauen", sagte Fischer. Die Arbeiten erfolgen außerhalb der Brut- und Fortpflanzungszeiten und der Vegetationsperiode, folglich zwischen 1. Oktober und 28. Februar. Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Florian Uebelacker hält die Beschlussvorlage für "grob rechtsfehlerhaft", sie sei "nicht beratungsfähig". Ubelacker begründete dies einerseits damit, dass die Pläne zu klein und zu unleserlich seien; Rasterlinien könne man nur erahnen, Höhenlinien fehlten, die Flurstücke seien nicht nummeriert. Außerdem verstoße die Vorlage gegen Ziele der Landesregierung. Uebelacker äußerte Zweifel, ob es überhaupt zum Bau von Windkraftanlagen auf dem Winterstein kommt. Die Vorlage diene nur der "Verhinderung von Windrädern".

Patrick Stoll (CDU), Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung, wies die Einschätzung, die Vorlage sei nicht beratungsfähig, zurück. Zumal Uebelacker mit seinem Wortbeitrag in eben jene Beratung eingestiegen sei. Die Pläne seien lesbar. Achim Güssgen-Ackva (FDP) nannte Uebelackers Vorwurf, Magistrat und Verwaltung hätten rechtswidrig gehandelt, "anmaßend und ehrabschneidend".

Windräder Winterstein: Vorzüge der Windkraft gegenüber der Photovoltaik

Auch wenn die Entscheidung, ob und wo auf dem Winterstein Windräder aufgestellt werden, erst zu einem späteren Zeitpunkt fällt, nutzte Ricardo Herbst (Linke) die Aussprache, um die Vorzüge der Windkraft anzupreisen. Im Vergleich zur Photovoltaik liefere sie ein Vielfaches an Strom. Statistiken zu verunfallten Vögeln gebe es keine, die Lärmbelästigung durch eine Bundesstraße sei deutlich höher. "Ein einziges Argument" gegen Windräder wollte Linken-Sprecher Herbst gelten lassen, wenn auch nur mit einer Einschränkung. Es geht um die ästhetische Wirkung. Aber: "Der Fernsehturm auf dem Winterstein ist auch nicht sehr schön." Gut möglich, dass sich rechts und links vom Fernsehturm bald drei Windräder dazugesellen. Ein Änderungsantrag der Grünen, wonach die Beratung zurückgestellt werden sollte, lehnte eine große Mehrheit der Ausschussmitglieder ab. Der Ortsbeirat Ockstadt stimmte einstimmig für die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit, der Ausschuss für Stadtentwicklung votierte bei zwei Nein-Stimmen (Grüne und Linke) und einer Enthaltung der UWG mehrheitlich mit Ja.

Windräder Winterstein: Vorranggebiet Winterstein

1732 Hektar groß ist das ausgewiesene Vorranggebiet für Windkraftanlagen auf dem Winterstein, das im Westen vom Limes und im Osten von der Autobahn begrenzt wird. Es erstreckt sich über die Gemarkungen von Friedberg, Rosbach, Wehrheim und Ober-Mörlen. Vorgesehen sind zwei Windräder auf Friedberger Gebiet und eines im Rosbacher Wald. Es handelt sich um das größte Vorranggebiet für Windräder in Südhessen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare