Ein Jäger steht mit Gewehr vor einem Baum.
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In der Wetterau bahnt sich eine Debatte um Treibjagden an. Eine Hundehalterin fordert, diese vorher in der Presse anzukündigen. Die Jäger sind nicht angetan.

Konflikt

Wetterau: In Treibjagd geraten - Hundehalterin fordert Ankündigungen durch Jäger

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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In der Wetterau sind eine Frau und ihr Hund beim Gassi gehen in eine Treibjagd geraten. Sie fordert nun, dass Jagd-Termine künftig in der Presse angekündigt werden - die Jäger lehnen dies ab.

Friedberg – Der Hund musste raus, das Frauchen entschied sich für einen Spaziergang in den Feldern zwischen Nieder- und Ober-Wöllstadt sowie Friedberg. Das ist ein weitläufiges Gebiet, das die Leserin und ihr Hund gut kennen. »Plötzlich waren sie da: Treiber, Hunde und Jäger. Ich konnte meinen Hund gerade noch rechtzeitig an die Leine nehmen, ehe der erste Schuss auch schon fiel.«

Wer nicht selbst auf die Jagd geht, bekommt in solchen Situationen schon mal einen gehörigen Schrecken. Aber kann man diese Konfrontation nicht von vornherein vermeiden? »Ich und weitere Hundehalter, mit denen ich gesprochen habe, würden uns freuen, wenn es eine Information gäbe, wann und wo die Jäger hier in der Wetterau jagen bzw. eine Treibjagd veranstalten«, schreibt die Leserin. Viele Hunde seien nicht schussfest. »Wenn wir sie im Feld mal zusammen spielen lassen und es fällt ein Schuss, kann das schlimm enden, denn die Tiere laufen in heilloser Panik davon.« Leider habe es auch keine Information am Feldrand gegeben, die darauf hingewiesen hätte, dass in diesem Umkreis geschossen wird.

Wetterau: Hundehalterin fordert Warnungen vor Treibjaden

Die Leserin schlägt daher vor, die Jäger in der Wetter sollten ihre Jagden rechtzeitig in der Presse bekanntgeben. Dann seien Hundehalter vorgewarnt und ein gefährliches Aufeinandertreffen könne vermieden werden.

Hin und wieder liest man in der Pressemeldungen, in denen vor Treibjagden gewarnt wird - die Adressaten sind in diesen Fällen aber nicht Hundehalter, sondern Autofahrer.

Beim Landesjagdverband Hessen, der seinen Sitz in Bad Nauheim hat, hält man gar nichts von dieser Idee. »Das ist nicht gesetzlich vorgeschrieben und wird es auch nicht geben«, sagt Geschäftsführer Alexander Michel. Die Jäger seien nicht verpflichtet, Treibjagden anzukündigen. Der Grund: Werden die Termine bekannt gegeben, kommt es erfahrungsgemäß zu Störaktionen von Jagdgegnern.

Wetterau: Jagdverband fürchtet massive Störaktionen

Einerseits begrüßten es Landwirte oder ganz normale Hausbesitzer, wenn etwa Jagd auf Wildschweine gemacht wird, weil sich das Schwarzwild stark vermehrt hat und die Felder und Vorgärten verwüstet. Andererseits gibt es immer wieder radikale Tierschützer, die Treib- oder andere Jagden auf massive Weise störten, sagt Michel. »Das geht bis hin zu Straftaten.«

So kommt es immer wieder zu Beschädigungen von Hochsitzen. Zuletzt wurden im August in Südhessen Dutzende Hochsitze angesägt, angezündet oder demoliert. Auf dem zersägten Holz wurden Buchstaben aufgemalt, die auf eine »Tierbefreiungsbewegung« hinweisen. Neben dem materiellen Schaden besteht für die Jäger in solchen Fällen auch Verletzungs- oder gar Lebensgefahr.

Michel rät allen, die sich mit einer Treibjagd konfrontiert sehen, den »kürzesten Weg aus dem Wald« zu nehmen. Im ländlichen Bereich müsse man immer damit rechnen, auf Jäger und Treiber zu stoßen. Oft könne man Treibjagden schon von weitem erkennen. Die Jäger setzten auf ein gutes Einvernehmen mit den Spaziergängern, sagt Michel. Er bittet diese aber auch um Verständnis: »Spaziergänger müssen Rücksicht nehmen.«

Wetterau: Keine Ankündigungen von Treibjagden

Ankündigungen von Treibjagden wird es also nicht geben. Wer sich dennoch über Jagd- und Schonzeiten in Hessen informieren will, kann dies auf der Internetseite des Landesjagdverbandes tun (www.ljv-hessen.de). Dort gibt es neben Infos zum Jagdrecht, zur Hegepflicht und zur Waidgerechtigkeit auch eine Liste, die darüber aufklärt, wann welche Tiere geschossen werden dürfen.

In Hessen gilt: Hunde dürfen sich ohne Leine und ohne Einschränkungen frei im Wald bewegen. Das birgt ein Risiko in sich. Es kann vorkommen, dass Jäger auf Hunde schießen. Sie dürfen das, wenn die Hunde wildern. Allerdings müssen zuvor andere Maßnahmen geprüft werden, etwa das Einfangen der Hunde. Soweit die Theorie, wie sie im Gesetz steht. Und in der Praxis? Alexander Michel ist nicht bekannt, dass bei Jagden in der Wetterau jemals ein Hund erschossen wurde. Und alle - Jäger, Treiber, Spaziergänger - hoffen, dass dies so bleibt.

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