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Größere Mengen beim Eínkauf bringen günstigere Konditionen mit sich: Die Städte Friedberg, Bad Vilbel, Nidderau und die Gemeinde Schöneck kaufen künftig gemeinsam ein.

Interkommunale Zusammenarbeit

Vier Kommunen kaufen künftig zusammen ein – Wetterauer Städte beteiligt

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Die Städte Friedberg, Bad Vilbel, Nidderau und die Gemeinde Schöneck gründen ein Vergabezentrum. Büromaterial und andere Anschaffungen sollen gemeinsam angeschafft werden.

Interkommunale Zusammenarbeit lautet das Zauberwort: Städte und Gemeinden tun sich bei bestimmten Aufgaben zusammen. Die »Blaupause« für dieses Modell startete 2017 im Kreis Groß-Gerau. Motor des Ganzen war auch dort die heutige Erste Stadträtin von Friedberg, Marion Götz (SPD), damals noch bei der Stadt Raunheim beschäftigt. Das Vergabezentrum in Groß-Gerau fand bundesweit Beachtung, wurde vom Hessischen Steuerzahlerbund mit dem »Spar-Euro« ausgezeichnet.

Das neue Vergabezentrum in der Wetterau lehnt sich eng an dieses Modell an. Dass nur vier Kommunen beteiligt sind (und davon zwei aus dem Main-Kinzig-Kreis) hängt damit zusammen, dass bereits 2018 ein solches Modell in der Wetterau gegründet wurde. Der Sitz ist in Büdingen, gut ein Dutzend Städte und Gemeinde sind Mitglieder; Friedberg und Bad Vilbel lehnten seinerzeit eine Beteiligung ab.

Wetterau: Weitere Kommunen können Gemeinschaft beitreten

Götz, seit 2018 in Diensten der Stadt Friedberg, ließ nicht locker, und auch in Bad Vilbel setzte sich die Erkenntnis durch, dass ein Vergabezentrum Vorteile bringt. Nidderau und Schöneck zeigten ebenfalls Interesse. »Weitere Kommunen können beitreten«, sagte Götz am Mittwochabend in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses.

Werden also künftig im Rathaus oder in den Kindertagesstätten Toiletten-, Kopierpapier oder andere Dinge angeschafft, läuft der Einkauf zentral über das Vergabezentrum, das bei der Stadt Bad Vilbel angesiedelt wird.

Aber verlieren die Parlamentarier dadurch nicht ihren Einfluss auf bestimmte Entscheidungen? Etwa die, auf Ökopapier für den Kopierer zu setzen? Das wollte Florian Uebelacker (Grüne) wissen. Götz sagte, das Vergabezentrum sei lediglich ein Dienstleister. »Wir bestimmen weiterhin, was wir wollen und in welcher Qualität.« Die Erfahrungen im Kreis Groß-Gerau hätten gezeigt, dass diese Art der Materialbeschaffung einen »Schub nach vorne für ökologische Aspekte« mit sich bringe. Der Haupt- und Finanzausschuss votierte einstimmig für das von Götz vorgelegte Modell. Das Interkommunale Vergabezentrum soll am 1. September seine Arbeit aufnehmen.

Wetterau: Keine Gebühren für die »Schafställe«

War dieser Tagesordnungspunkt ein Blick in die Zukunft, so mussten sich die Parlamentarier auch mit der finanziellen Vergangenheit beschäftigen. Der Jahresabschluss 2013 liegt vor und soll endlich zu den Akten gelegt werden. Als Götz in ihrem ersten Jahr als Friedberger Kämmerin die Bilanzen der vergangenen Jahre durcharbeitete, stießen sie und ihre Mitarbeiter, aber auch das Revisionsamt des Wetteraukreises auf zahlreiche Baustellen. Die Bilanzen waren fehlerhaft, ihre Bearbeitung war längst überfällig. Diese »Altlasten« würden nun nach und nach aufgearbeitet. »Die Arbeit am Jahresabschluss 2014 läuft, wir wollen das Tempo noch beschleunigen«, sagte Götz.

Der Haupt- und Finanzausschuss traf eine weitere Entscheidung, die weitreichende Wirkungen hat: Die Stadt Friedberg erlässt auch für die Saison 2021 (vom 1. April bis 15. Oktober) den Gaststätten und Cafés die Gebühren für die Außengastronomie. Im Mai hatte die Stadtverordnetenversammlung einen gleichlautenden Beschluss für das abgelaufene Jahr gefällt. Die Gastronomie durfte ihre Außenbewirtschaftung - darunter auch die beliebten »Schafställe« auf der Kaiserstraße - zeitweise nicht nutzen, die Branche leidet wie andere unter den Folgen des Lockdowns.

Die Stadtverordneten werden am kommenden Donnerstag über die Vorlage abstimmen. Götz erinnerte daran, dass die nächste Sitzung nach der Wahl erst im April stattfindet, dann konstituiert sich das Stadtparlament. Die erste Arbeitssitzung fände erst im Juni statt, das sei zu spät für eine Entscheidung in dieser Sache.

15 800 Euro nahm die Stadt 2019 über die Sondernutzungsgebühren für Außengastronomie ein; dieses Geld wird im Haushalt fehlen. Wichtiger ist der Politik indes, dass die Wirtschaft wieder in Schwung kommt. Und damit ist in diesem Fall tatsächlich »die Wirtschaft« gemeint.

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