Vor dem Gießener Landgericht wird der Fall einer Wetterauerin verhandelt, die ihre vier Ehemänner gequält haben soll. Sie bestreitet die Taten.
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Vor dem Gießener Landgericht wird der Fall einer Wetterauerin verhandelt, die ihre vier Ehemänner gequält haben soll. Sie bestreitet die Taten.

Prozess

Wetterau: Ehemänner gequält - Rechtsmediziner legt schockierende Bilder vor

  • David Heßler
    vonDavid Heßler
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»Es müssen schreckliche Schmerzen gewesen sein«, sagt der Rechtsmediziner im Prozess gegen eine 40-Jährige, die ihre vier Ehemänner gequält haben soll.

Prof. Dr. Manfred Riße zeigte am Dienstag Bilder von den Wunden des zweiten Ehemannes der Frau. Wegen schwerer Körperverletzung an dem 46-jährigen Rockenberger war die Frau vom Friedberger Amtsgericht zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Sie streitet alles ab und legte Berufung ein; der komplexe Fall wird nun vor dem Landgericht Gießen neu aufgerollt.

Der Facharzt hatte den Rockenberger im November 2018 untersucht, nachdem dieser wegen der Leiche eines 45 Jahren alten Bad Nauheimers, Ehemann Nummer vier, zur Polizei gegangen war. Mit seiner Ex-Frau habe er diese im Wald abgelegt. Die Ermittlungen zu diesem Vorfall sind allerdings eingestellt - es gibt keine Beweise für ein Gewaltverbrechen. Bei der Vernehmung des Rockenbergers fielen den Polizisten jedoch die frischen Wunden am Körper des untersetzen Mannes auf; der Fall kam ins Rollen.

Prozess um gequälte Ehemänner: 2006 bereits zu drei Jahren Haft verurteilt 

Laut Prof. Riße hat der Rockenberger zahlreiche kleinere Narben am gesamten Körper; »scharf begrenzt, rundlich-oval«. Einige Wunden seien frisch gewesen, andere bereits vernarbt und mehrere Monate alt, womöglich auch Jahre. Auch gab es am Körper diverse Hämatome durch stumpfe Gewalteinwirkung.

Die Beobachtungen bekräftigen die Ansicht der Staatsanwaltschaft, die davon ausgeht, dass die 40-Jährige dem Mann mit einer heißen Suppenkelle die Haut versengte, ihm Haare im Genitalbereich abbrannte und mit einem Besenstiel verprügelte. Ihrem ersten Ehemann hatte die Frau mit einer Heißklebepistole Merksätze in den Körper gebrannt und war dafür 2006 zu drei Jahren Haft verurteilt worden.

Prozess um gequälte Ehemänner: Angeklagte wurde von ihrem Vater missbraucht  

Der Rockenberger hatte zunächst behauptet, er habe sich die Wunden an einer defekten Heizdecke zugezogen und sich heiße Suppe übergeschüttet. Der Rechtsmediziner hält das für ausgeschlossen. Ohnehin hatte der Rockenberger in einer richterlichen Vernehmung schließlich doch seine Ex-Frau belastet. Er tritt im Prozess als Nebenkläger auf, will aber nicht aussagen.

Das tat der ältere Bruder der Angeklagten. Er sprach vor Gericht über die schwierigen Familienverhältnisse. Seine Schwester und er seien vom Vater verprügelt und missbraucht worden. Auch schilderte er seinen Eindruck von dem Rockenberger, den er »zwei, drei Mal« gesehen habe, unter anderem bei der Beerdigung seiner Mutter. Der Mann habe seine Schwester ruppig behandelt, sei in Gesprächen sehr dominant aufgetreten.

Prozess um gequälte Ehemänner: Dritter Ehemann spricht von Strafen

Ein Eindruck, der sich in keinster Weise mit den Aussagen anderer Zeugen deckt. Amtsrichter Dr. Bange beschrieb den Rockenberger als einen zurückhaltenden Menschen, der psychisch abhängig von seiner Ex-Frau gewesen sei. »Er hat sie eben geliebt.«

Auch der Polizist, der die Wohnung des 46-Jährigen durchsucht und mit der Familie gesprochen hatte, sprach von einem »ruhigen, friedliebenden Menschen«. Der Vater habe ihm berichtet, dass sich sein Sohn stets zurückgezogen habe, wenn er wieder mit der Angeklagten zusammen war, Mit ihr war er von 2006 bis 2012 verheiratet, aber auch während der dritten und vierten Ehe der Frau immer wieder bei ihr.

Prozess um gequälte Ehemänner: Ex-Mann über das Wochenende im Keller eingeschlossen 

Dass der Rockenberger die Angeklagte verfolgt und sie bedroht hat, wie diese behauptet, konnte Ehemann Nummer drei, ein 53-Jähriger aus Gießen, nicht bestätigen. Im Gegenteil. Sie habe diesen auch Jahre nach der Trennung immer wieder um Hilfe gebeten oder zu Feiern eingeladen. Sogar Weihnachten und einen Geburtstag habe der Ex-Mann zusammen mit seinem Nachfolger und dessen Ehefrau gefeiert. Er hatte vor Gericht von der kurzen Ehe mit der 40-Jährigen gesprochen, davon, dass er Kot essen musste, wenn etwas nicht nach den Vorstellungen seiner Frau verlaufen war. Auch sei er öfter geschlagen worden und bisweilen über das Wochenende im Keller eingesperrt worden.

Ebenso wie das mutmaßliche Opfer in den angeklagten Fällen ist auch der Zeuge seiner damaligen Frau an Größe und Kräften weit überlegen. »Warum haben Sie sich nicht körperlich zur Wehr gesetzt?«, wunderte sich Staatsanwalt Thomas Hauburger. »Ich bin halt niemand, der Frauen schlägt«, erwiderte der 53-Jährige. Gut möglich, dass es hier nach der Berufungsverhandlung zu einem dritten Prozess wegen Körperverletzung kommen wird. Ein Urteil im Berufungsverfahren wird für den 16. Juli erwartet.

Prozess um gequälte Ehemänner: Zeugin wundert sich

Eine Nachbarin berichtete vor Gericht von schrillen Schreien, die des Öfteren aus der Wohnung der Angeklagten und Ehemann Nummer vier drangen. »Da sind die Gläser im Schrank gesprungen.« Auch auf der Straße habe die 40-Jährige ihren Mann, der immer mit dem Kopf nach unten vor ihr gegangen sei, übel beschimpft. Er habe nie etwas erwidert. »Wie kann man so mit seinem Mann umgehen?«, wunderte sich die Zeugin.

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