rueg_im_Impfzentrum003_1002
+
Seit Dienstag geöffnet: Das Impfzentrum in Büdingen hat seine Arbeit aufgenommen.

Coronavirus

Wetterauer Impfzentrum in Büdingen nimmt Betrieb auf: Bis Ende Mai 13.650 Termine

  • vonInge Schneider
    schließen

Fünf Tage Findungsphase, drei Wochen Umbau: Das Impfzentrum in Büdingen steht schon seit dem Jahreswechsel bereit zu Taten gegen Corona. Seit Dienstag läuft der Betrieb.

Büdingen – Punkt 9 Uhr am Dienstagmorgen ist Einlass, die ersten Senioren warten bereits, begleitet von ihren Angehörigen: Das Wetterauer Impfzentrum in den Räumen des ehemaligen Obi-Baumarkts im Büdinger Gewerbegebiet hat seine Tore geöffnet.

Einsatzbereit war es nach einer kurzen Umbauzeit bereits Ende 2020. Die Aufnahme der Impftätigkeit musste wegen des verzögerten Eintreffens der Impfstoffe verschoben werden, und auch jetzt startet man nur mit halber Kraft: Wegen der knappen Impfdosen können aktuell nur 130 statt der möglichen 1000 Impfungen am Tag durchgeführt werden. Dafür wurden zwei der sechs Impfstraßen geöffnet.

»Wir haben zwar noch nicht genügend Impfmengen, aber es sind hinreichend genug, um den Einstieg zu finden«, sagte Hessens Innenminister Peter Beuth am Dienstag beim Start in Büdingen.

Landrat Jan Weckler zufolge wird der Wetteraukreis bis zum 28. Februar insgesamt 6070 Impfdosen erhalten, darunter 2200 Dosen des amerikanischen Herstellers Moderna. Vorrangig sollen nach wie vor Menschen in Altenpflegeeinrichtungen sowie Beschäftigte und Patienten in Krankenhäusern geimpft werden. Für diesen Personenkreis sind knapp 3400 Impfdosen reserviert. Der Rest geht ins Impfzentrum. Bis Ende Mai sollen 13 650 Termine für Erst- und Zweitimpfungen vergeben werden.

Wetterauer Impfzentrum: Senioren kommen aus dem ganzen Kreisgebiet

Weckler erinnerte am Dienstag daran, dass es ziemlich genau ein Jahr her sei, dass der erste Verdachtsfall im Kreis bekannt wurde. Vor diesem Hintergrund grenze es fast an ein Wunder, dass nun schon Impfstoffe vorhanden seien, eine Infrastruktur aufgebaut und bereits ein Großteil der besonders gefährdeten Personen in den Alten- und Pflegeheimen geimpft worden sei.

Das unterstrich auch Amtsarzt Dr. Reinhold Merbs. »Alle Altenheime, in denen bislang noch kein Ausbruch aufgetreten ist, sind geimpft.« Die Bewohner der anderen Einrichtungen sollen bis Ende Februar geimpft sein.

Solange der Impfstoff nur begrenzt zur Verfügung steht, sind die Öffnungszeiten des Impfzentrums eingeschränkt. Es öffnet an allen sieben Tagen der Woche um 9 Uhr (Einlass), die erste Impfung ist für 9.30 Uhr terminiert. Der letzte Impftermin wird für 17.30 Uhr vergeben, um 18 Uhr schließt das Zentrum seine Türen. Die Einsteuerung der Impfwilligen in die Impfstraßen orientiert sich ausschließlich an den vereinbarten Terminen und nicht daran, wann wer eintrifft.

Nach den Autokennzeichen auf dem Parkplatz zu urteilen, sind bereits um 9.30 Uhr am Eröffnungstag Senioren aus dem gesamten Kreis vor Ort, in den meisten Fällen begleitet von ihren Angehörigen. Die über Achtzigjährigen gehören zur Gruppe mit der höchsten Priorisierung bei Corona-Schutzimpfungen. Sie betreten das neue Impfzentrum zu Fuß oder im Rollstuhl, am Rollator oder am Arm von Sohn oder Tochter, durchweg aber entspannt und gut gelaunt, und nehmen auf Stühlen in der Eingangshalle vor den eigentlichen Impfstraßen Platz.

Wetterauer Impfzentrum in Büdingen: Bustransport im Stundentakt

»Mein Vater ist froh, dass es jetzt endlich losgeht«, sagt ein Sohn, der mit dem rüstigen Senior aus Bad Nauheim angereist ist. »Er erhofft sich von der Impfung prinzipiell ein Licht am Ende des Tunnels und die Aussicht, wenigstens ansatzweise seine alten Freiheiten zurückzubekommen.«

Noch keine Passagiere hat Reinhard Pinkhaus, Fahrer bei der Verkehrsgesellschaft Oberhessen. Der 69-jährige Fahrlehrer freut sich, für den Pendelbusverkehr zwischen dem Büdinger Bahnhof und dem Impfzentrum eingeteilt worden zu sein. Als Busfahrer für Fern- und Ausflugstouren war er aufgrund der Pandemie zu weitgehender Untätigkeit verurteilt. »Zu Hause herumsitzen - das ist definitiv nichts für mich«, sagt er mit einem Lächeln. »Da mache ich mich lieber hier nützlich, auch wenn ich bisher nur Leerfahrten hatte und die meisten Senioren sicher von ihren Angehörigen gebracht werden.« Er selbst habe den Impfungen zunächst eher skeptisch gegenübergestanden, inzwischen seine Meinung aber geändert. »Ich werde die Gelegenheit nutzen, sobald meine Altersgruppe an der Reihe ist.«

Für den Transport vom Bahnhof zum Ziel sorgt Busfahrer Reinhard Pinkhaus.

Die erste Fahrt am Büdinger Bahnhof startet um 8.35 Uhr, danach geht es im 60-Minuten-Rhythmus weiter; letzter Start ist um 17.35 Uhr. Die Fahrt dauert acht Minuten. Die Rückfahrten beginnen um 9.12 Uhr und werden dann ebenfalls alle 60 Minuten bis um 18.12 Uhr fortgesetzt - entsprechend den Öffnungszeiten des Impfzentrums.

In 28 Einrichtungen bis zu 30 000 Impfungen am Tag

Seit dem 27. Dezember 2020 wird in Phase 1 in Alten- und Pflegeheimen und in den koordinierenden Krankenhäusern geimpft. Die Erstgenannten werden von mobilen Teams der Impfzentren aufgesucht, die Krankenhäuser werden direkt durch das Land mit Impfstoff beliefert und organisieren ihre Impfungen in Eigenregie.

Seit dem 19. Januar haben in Phase 2 sechs Regionale Impfzentren in Kassel, Gießen, Fulda, Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt geöffnet. In Phase 3 nehmen die weiteren 22 hessischen Impfzentren die Arbeit auf. Im Regelbetrieb werden in allen 28 Einrichtungen zusammen täglich bis zu 30 000 Impfungen durchgeführt werden können.

Den Weg zum Impfzentrum durch die Innenstadt hat Hessen Mobil gut ausgeschildert.

Impftermine können und müssen für Personen, die der höchsten Priorisierungsgruppe angehören, also überwiegend Menschen über 80 Jahre, telefonisch unter 116-117 oder online unter www.impfterminservice.de zentral vereinbart werden. Wer jünger ist und dennoch bevorzugt geimpft werden soll, benötigt darüber ein ärztliches Attest. Begleitpersonen können zum Impftermin mitgebracht werden, ferner sind erforderlich: der Reservierungscode aus dem Einladungsschreiben, Impfpass, Personalausweis oder Reisepass sowie das unterschriebene Merkblatt, falls das vorgeschriebene Aufklärungsgespräch bereits bei Hausarzt stattgefunden hat.

Die Impfung wird durch medizinisch geschultes Personal in den Oberarm vorgenommen, nach 21 Tagen erhält man die zweite Dosis. im

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare