Köln: Schülerin Rosa trägt während Gesichtsschild.
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Seit Anfang November hat das Land Hessen das Tragen von sogenannten „Face-Shields“ verboten.

Hessen verbietet Face-Shields

Verbot von Face-Shields: Wie denkt man in der Wetterau über die durchsichtigen Visiere?

Anfang November verschärfte das Land Hessen die Maskenpflicht und verbot durchsichtige Visiere als Corona-Schutz - doch was sagen die Menschen in der Wetterau dazu?

Friedberg - Brillenträger haben sehr oft das Problem, dass ihnen beim Tragen der Mund-Nasen-Bedeckung (MNB) die Brille anläuft und so die Sicht vernebelt wird. Das ist mit den Visieren nicht so oft passiert, da die Atmung nicht direkt auf die Brille zielt. Ein weiterer Vorteil der Visiere sei eine Erleichterung des Atmens gewesen, sagt Tülay Cinar, Inhaberin des Friseursalons »Dream Cut Coiffeur« in Friedberg. Sie und ihre Mitarbeiter hätten die Gesichts- und Kinn-Visiere gerne getragen, diese seien bequemer gewesen. Jetzt müssen sie wieder die normalen Masken tragen. Denn mit dem zweiten (Teil-)Lockdown ist auch eine Verschärfung der Maskenpflicht eingetreten. Zu dieser zählt unter anderem ein Verbot der Visiere, auch »Face Shields« genannt, durch das Land Hessen.

Corona in der Wetterau: Visiere als Erleichterung empfunden

Gerade in schwierigen Zeiten kann ein einfaches Lächeln das Gegenüber erfreuen. Das war ein weiterer Vorteil des Tragens der Visiere im Einzelhandel. Es sei schade, dass die Visiere nun nicht mehr eingesetzt werden dürfen, sagt Lisa Weston von der Bäckerei Moos. Jetzt könnten die Mitarbeiter die Kunden nicht mehr mit einem Lächeln begrüßen. Es sei schwierig, als Laie zu beurteilen, wie viele Viren durch welche Maßnahmen abgehalten werden könnten. Man halte sich an die neuen Vorgaben, um eine Eindämmung des Virus zu ermöglichen.

Auch die Mitarbeiter der Rewe-Gruppe haben zum Teil mit den »Face Shields« gearbeitet. Diese seien besonders dann eine Erleichterung gewesen, wenn körperliche Arbeit verrichtet werden musste, erläutert Pressesprecherin Anja Krauskopf.

Die Bäckerei Moos hat nicht nur im Wetteraukreis, sondern auch in anderen Landkreisen Filialen. Lisa Weston sagt, dass es durch die unterschiedlichen Bestimmungen in den verschiedenen Landkreisen nicht ganz einfach sei, die Filialen entsprechend auszustatten. Des Weiteren bedeute die Rückumrüstung von »Face Shields« auf Masken einen erneuten finanziellen Aufwand.

Verbot von Visieren in Hessen: Masken halten Aerosole besser ab

Keine Auswirkungen hat diese Änderung auf den Edeka-Markt Koch in Friedberg. Dessen Inhaber Lars Koch sagt, seine Mitarbeiter haben bereits vor dem Verbot ausschließlich die handelsüblichen Masken getragen. Eine Ausnahme gelte für die Metzgerei, dort seien keine Masken notwendig, da eine Überdruckanlage die Aerosole absauge und zu den Kunden zusätzlich durch Absperrungen und Plexiglasscheiben Abstand gehalten werde.

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat der Verwendung von Visieren schon länger skeptisch gegenübergestanden. Sie seien keine geeignete Alternative zur Mund-Nasen-Bedeckung. »Aktuelle Studien weisen darauf hin, dass die Rückhaltewirkung von Visieren auf ausgestoßene respiratorische Flüssigkeitspartikel deutlich schlechter ist«, schreibt das RKI. Problematisch sei an den Visieren, dass Mund und Nase nicht so gut abgedeckt werden könnten wie beispielsweise bei einer Operationsmaske. Durch den größeren Abstand zum Gesicht gelangten mehr Aerosole in die Luft. Dies soll vermieden werden, da die Aerosole nach derzeitigem Stand ein wichtiger Faktor beim Übertragen des Coronavirus sind. Als zusätzlicher Schutz über einer Mund-Nasen-Bedeckung oder als freiwillige Maßnahme bei einer Befreiung von der Maskenpflicht sind die Visiere gestattet.

Wetterau: Visiere helfen Hörgeschädigten bei der Kommunikation

Wichtig sind die Visiere für Menschen, die eine Hörbeeinträchtigung haben. Viele Hörgeschädigte lesen von den Lippen des Gegenübers ab, um zu verstehen, was gesagt wird. Doch die Standardmaske verdeckt den Mund. Um Menschen mit einer Hörbehinderung nicht zu benachteiligen, gibt es eine Sonderregel vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration, die besagt, dass, wenn es für die Kommunikation notwendig ist, das Gegenüber bei Einhalten des Sicherheitsabstandes die Maske abnehmen darf.

Grundschullehrerin Pia Kempel und ihre Schülerin tragen im Unterricht in der Johannes-Vatter-Schule spezielle Visiere, um miteinander zu sprechen. Diese sind enger anliegend und geben die Aerosole nach hinten ab. FOTO: NICI MERZ

Eine ähnliche Ausnahmeregelung gilt für das Verbot der Visiere. Daher dürfen beispielsweise an der Johannes-Vatter-Schule in Friedberg, einer Förderschule mit dem Schwerpunkt Hören, weiterhin »Face Shields« mit einem höheren Sicherheitsstandard eingesetzt werden. Schuldirektor Manfred Drach sagt, es bedürfe individueller Entscheidungen, ob eine Maske oder ein Visier angemessen sei, da sich nicht jeder Schüler gleich gut ohne entsprechendes »Mundbild« unterhalten könne. Das Hygienekonzept der Johannes-Vatter-Schule folge dem Plan 6.0 des Kultusministeriums. Laut Drach kann hausintern gut auf die aktuelle Situation eingegangen werden, da es sich meist um kleine Klassen mit ausreichend Abstand handele.

Verbot von Visieren in Hessen: Masken für hörgeschädigte Schüler auf Regelschulen eine Gefahr

Ein großes Problem sehe er bei den Schülern, die mit einer Hörschädigung die Regelschule besuchten. Dort seien die Klassen viel größer, und der Gebrauch von »Face Shields« werde häufig nicht zugelassen. Die Gefahr, dass ein Schüler den Anschluss verliere, weil die Lehrer oder Mitschüler nicht mehr richtig verstanden werden könnten, sei groß. Man wisse von einzelnen Fällen, dass aufgrund dieser Tatsache sogar ein Schulversagen drohen könne. Besonders in diesen Situationen sei es schwierig, eine Entscheidung zwischen Infektionsschutz und der Teilhabe eines behinderten Menschen an der Gesellschaft zu treffen. Sicherheit gehe vor, doch zu einer Ausgrenzung der Hörgeschädigten dürfe es nicht kommen, und dies sei mit den Mund-Nasen-Bedeckungen nicht ohne weiteres zu gewährleisten. (red)

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