"3,95." Kundin Annette Gewehr (r.) zahlt den kleinen Betrag gerne mit Bargeld. Eva Reitz von "Mangels - Kunst und Handwerk" in Friedberg hat nichts dagegen: "Bargeld kann immer und überall eingesetzt werden", sagt sie.
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»3,95.« Kundin Annette Gewehr (r.) zahlt den kleinen Betrag gerne mit Bargeld. Eva Reitz von »Mangels - Kunst und Handwerk« in Friedberg hat nichts dagegen: »Bargeld kann immer und überall eingesetzt werden«, sagt sie.

Wird das Kleingeld abgeschafft?

Alles Psychologie: 13,99 Euro ist nicht gleich 14 Euro

  • vonPetra Ihm-Fahle
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Die EU überlegt, die 1- und 2-Cent-Münzen abzuschaffen. Was halten Geschäftsleute und Kunden aus Bad Nauheim und Friedberg von dem drohenden Aus für Kupfermünzen?

Für Henry Christopher Alt ist die Sache mit dem Kleingeld klar: »Es ist unverschämt, dass die Banken jetzt Gebühren nehmen, wenn man Rollen holt oder Kleingeld hinbringt«, sagt der Inhaber von »Strese 4 by Henry’s« in der Bad Nauheimer Stresemannstraße. Natürlich könne er seine Waren mit glatten Preisen auszeichnen, wie er einräumt. »Aber bei den Verbrauchern ist es immer noch so, dass 13,99 Euro eben nicht als 14 Euro wahrgenommen werden.« Auf 1-, 2-, 5- und 10-Cent-Stücke könnte Alt verzichten, sagt er. »Das braucht man nicht. Meine persönliche Meinung ist, dass Kartenzahlung immer stärker wird - Kunden von 25 Jahren abwärts zahlen fast nur mit der Karte.«

Kleingeld Wetterau: Bald Einkaufskassen ganz ohne Menschen?

Seine Kundin Marianne Rinker aus Braunfels ist etwas anderer Auffassung. »Ich möchte nicht erleben, dass das Geld abgeschafft wird«, sagt sie. Es sei für sie wertvoll - gerade auch das Kleingeld. »Wer den Pfennig nicht ehrt, ist den Taler nicht wert«, fügt sie hinzu. Eine schrittweise Automatisierung, bis eines Tages keine Menschen mehr an den Kassen säßen, hielte sie für gefährlich. Den Trend zur Kartenzahlung sieht Rinker ebenso kritisch, denn manch einer könne den Überblick über seine Ausgaben verlieren.

Melanie Werntges ist die Inhaberin von »Kelm Kreatives. Kunst. Büro« in der Bad Nauheimer Stresemannstraße 36. Sie sagt: »Bargeld insgesamt finde ich sinnvoll, aber das rote Kleingeld nicht. Wir machen die Preise vor allem im 5-Cent-Bereich, damit wir mit 1-ern und 2-ern nicht so viel zu tun haben.« Es gebe aber Artikel mit gebundenen Preisen wie 1,99 Euro. Die 1- und 2-Cent-Stücke Rückgeld würfen die Kunden dann oft in die Kaffeekasse, erzählt Werntges.

Anderes Beispiel: Eine Frau habe gerade einen gepolsterten Umschlag gekauft, der nur 35 Cent kostete. »Oft suchen Kunden dafür ihr Kleingeld raus, und wir müssen es bei der Bank umtauschen - das ist für uns nicht mehr kostenlos.« Werntges nutzt kleine Münzen daher gern, um sie in Geldgeschenke einzuarbeiten.

Kleingeld Wetterau: Mit kleiner Münze den Wert des Geldes vermitteln

Eine 40-jährige Bad Nauheimerin hält Kleingeld für eine gute Sache, denn sie möchte ihren drei Kindern den Wert des Geldes vermitteln. »Wir haben Zuhause ein großes Glas, da kommt Kleingeld rein, das sich ansammelt. Das lassen wir bei unserer Bank aufs Sparbuch gutschreiben, und das kostet keine Gebühren.« Es sei gewissermaßen »die Spardose für den Sommer«, von dem es Eis oder eine Extra-Portion Pommes im Schwimmbad gibt.

In Friedberg kauft Annette Gewehr aus Wöllstadt gerade Papier-Servietten bei »Mangels Kunst und Handwerk« in der Kaiserstraße 36. »3,95 Euro. Haben Sie Kleingeld?«, fragt Inhaberin Eva Reitz. Annette Gewehr reicht zwei 2-Euro-Stücke über die Theke und nimmt ein 5-Cent-Stück entgegen. »Bargeld ist ein Zahlungsmittel, für das man keinen Strom und keine technischen Geräte braucht, mit allen Nebenwirkungen«, sagt Inhaberin Reitz. Bargeld könne immer und überall eingesetzt werden. Jeder sei frei, seinen Bargeldbestand so einzurichten, wie er ihn braucht, indem er nur glatte Preise macht. »Aber der Verbraucher ist froh, 19,99 Euro zu zahlen statt 20 Euro. Es sind psychologische Preise - das geht einfach nicht anders«, ist Reitz überzeugt.

Von den Kunden nehme sie gern Kleingeld an, denn für jede Rolle Münzgeld, die sie bei der Bank holt, zahle sie 50 Cent Gebühr. Und das sieht sie nicht ein. Gut erinnert sie sich noch an eine Frau von auswärts, die bei ihr mit Karte zahlen wollte, aber dann fiel längerfristig der Strom aus. Bargeld hatte die Dame nicht dabei. »Sie konnte nicht mal mehr etwas trinken gehen - das Einkaufserlebnis Friedberg war damit gestorben.«

Kleingeld Wetterau: Gebühren für Münzgeld

Nach Worten von Dennis Vollmer (Volksbank Mittelhessen) kommen die kleinen Cent-Münzen unter allen eingezahlten Münzen in der Bargeldlogistik des Geldinstituts mit weitem Abstand am häufigsten vor. Je höher der Wert der Münze sei, desto eher verbleibe das Geldstück im Umlauf. Gebühren für Münzen würden die Banken wegen des hohen Aufwands erheben, das Geld auf Echtheit und Umlauffähigkeit zu prüfen. Geschäftskunden der Volksbank Mittelhessen, die Münzgeld einzahlen, müssen pro Beutel 5 Euro bezahlen. Eine Rolle kostet pro Ausgabe 50 Cent. Für Privatkunden, die aufs Girokonto einzahlen, wird ein Euro fällig, Einzahlungen aufs Sparkonto sind kostenlos.

Bei der Sparkasse Oberhessen sind laut Eric Zimdars Münzeinzahlungen bis zu 50 Münzen für Kunden auf ihr Konto kostenfrei möglich. Ebenso seien Sparschweine von Kindern und Jugendliche willkommen: »Münzeinzahlungen auf Konten Minderjähriger sind in haushaltsüblichen Mengen kostenfrei. Auch jährlich am Weltspartag am 30. Oktober können Kunden den Inhalt ihres Sparschweins in haushaltsüblichen Mengen kostenfrei bei uns einzahlen.«

Um die Kosten für die Prüfung des Geldes zu decken, berechnet die Sparkasse Oberhessen für Kunden mit größeren Münzmengen 3 Prozent vom eingezahlten Münzwert (mindestens 7,50 Euro). Münzgeldrollen kosten 50 Cent je Rolle, 1-Cent-Rollen sind kostenfrei. Laut Vollmer und Zimdars nimmt der Trend zur Kartenzahlung stetig zu.

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