Ab in die Tonne - und dann? Was mit dem Restmüll passiert, nachdem er vor der Haustür abgeholt worden ist, lässt sich am besten im Entsorgungszentrum Wetterau in Grund-Schwalheim in Erfahrung bringen. Denn dort werden der Restmüll, das Altpapier und der Sperrmüll aus dem Kreis gesammelt.
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Ab in die Tonne - und dann? Was mit dem Restmüll passiert, nachdem er vor der Haustür abgeholt worden ist, lässt sich am besten im Entsorgungszentrum Wetterau in Grund-Schwalheim in Erfahrung bringen. Denn dort werden der Restmüll, das Altpapier und der Sperrmüll aus dem Kreis gesammelt.

Abfallwirtschaft

Ab in die Tonne - und dann? Das passiert mit dem Wetterauer Restmüll

  • Dagmar Bertram
    VonDagmar Bertram
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Aus den Augen, aus dem Sinn - das gilt auch für den Abfall. Aber was passiert eigentlich nach der Abholung mit dem Restmüll? Die Antwort gibt’s im Wetterauer Entsorgungszentrum in Grund-Schwalheim.

Friedberg – Aus den Augen, aus dem Sinn - das gilt auch für den Abfall. Für die meisten ist das Thema erledigt, wenn die Tonne pünktlich vor der Haustür steht. Aber was passiert eigentlich danach mit dem Restmüll? Die Antwort gibt’s im Entsorgungszentrum in Grund-Schwalheim, wo der Restmüll aus dem Kreis gesammelt wird - und auch Unerwartetes auftaucht.

Es ist Montag, 10.17 Uhr. In die hinterste Halle auf dem Gelände des Entsorgungszentrums Wetterau fährt ein Müllfahrzeug. Es bringt den Restmüll, der gerade in Bad Nauheim abgeholt worden ist. Die Klappe hinten am Lkw öffnet sich, und heraus fällt vor allem Abfall, der in Tüten eingepackt ist. Aber auch ein Bierkasten und ein Motorradhelm sind zu erkennen, nachdem das Fahrzeug einen ganzen Berg abgeladen hat. Platz ist in der Halle am Ortsrand von Grund-Schwalheim aber immer noch reichlich.

AWB-Betriebsleiter Dr. Jürgen Roth zeigt auf Fremdstoffe, etwa Plastikflaschen, die eigentlich nichts im Restmüll zu suchen haben.

Der ist auch nötig, denn mit dem Radlader wird der Abfallberg nun abgetragen. Ein paar Meter weiter steht der Wellenzerkleinerer. »Seine ursprüngliche Funktion war die des Sackaufreißers«, erklärt Dr. Jürgen Roth, Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebs Wetterau. Nun schreddert der Wellenzerkleinerer den Restmüll, der aus der ganzen Wetterau - mit Ausnahme von Bad Vilbel - hierher geliefert wird.

Achtung bei Batterien und Akkus, liebe Wetterauer!

Auch ein abgeliebtes Kuscheltier wird bald darin zerkleinert werden, ebenso viele Plastikflaschen, die entweder in die Gelbe Tonne (Einweg) gehört hätten oder zurück in den Handel (Pfand). Zu sehen ist auch ein Kanister mit Motorenöl - »restentleert kann der in die Gelbe Tonne«, sagt Roth.

So sehr der Betriebsleiter sich über Plastikfremdstoffe im Biomüll ärgert, hier, in der Restmüllhalle, sorgt er sich um etwas ganz anderes: Batterien und Akkus. Vor allem solche mit Lithium-Ionen können zum ernsthaften Problem werden, wenn sie im Zerkleinerer beschädigt werden. Dann kann es zu einem Kurzschluss und schlimmstenfalls zu einem Brand kommen. »Deshalb hängt dort eine Infrarotkamera«, sagt Roth und zeigt über das Förderband, das den Restmüll in die nächste Halle transportiert. Die Kamera schlägt bei Temperaturen über 80 Grad Alarm. Dieses Problem müsste eigentlich gar keins sein: Batterien und Akkus können in jedem Supermarkt kostenlos abgegeben werden.

Der Restmüll aus Bad Nauheim wird gerade angeliefert.

Zum Arbeitsschutz zählen auch die Belüftungsanlage im Radlader mit diversen Filtern sowie die Lämpchen, die oben in der Halle in den Ecken hängen. Sie sind mit einem Sensor gekoppelt und zeigen dem Radlader-Fahrer an, wenn sich jemand in der Halle bewegt. Das ist auch nötig, ebenso wie die Warnwesten, die vor dem Rundgang über das Gelände verteilt werden. Denn hier herrscht rege Betriebsamkeit.

Ankommende Müllfahrzeuge mit Altpapier und Restabfall aus den Kommunen, abfahrende Lkw, die das Altpapier zur Weiterverarbeitung in die Papierfabrik bringen, dazu Bürger mit ihren Autos und teilweise Anhängern, die den Recyclinghof zur Abgabe von Kunststoffen, Bauschutt und Grünschnitt nutzen.

Vögel fliegen in den Hallen ein und aus, auf dem Boden aber ist es erstaunlich ruhig. Ja, sagt Roth, die Ratten würden bekämpft, »sonst würden wir ihnen nicht Herr werden«.

Am Ende heißt es für den Wetterauer Restmüll: ab ins Kraftwerk

Inzwischen ist der Restmüll aus Bad Nauheim in der nächsten Halle angekommen. In einer Siebtrommel wird der zerkleinerte Abfall vorsortiert: Stücke, die größer sind als 160 Millimeter, landen auf dem linken Förderband, die kleineren auf dem rechten. Oben ist jeweils eine Rolle befestigt, an der immer mal wieder etwas hochfliegt und haftenbleibt: Metalle, die mithilfe von Magneten zur Wiederverwertung herausgeholt und in separate Boxen sortiert werden.

Für das, was am Ende der sogenannten mechanischen Behandlung noch übrig bleibt, heißt es: ab ins Kraftwerk. Dort wird der Rest vom Restmüll als Brennstoff verwendet, um Strom oder Wärme oder beides zu erzeugen. »Das ist ein großer Unterschied zu früher, als der Müll einfach vernichtet wurde«, erklärt Roth. »Heute erzeugt man damit Energie.«

Ein kaputtes Kuscheltier darf im Restmüll entsorgt werden.

Dieses Prinzip der Wieder- und Weiterverwendung gilt freilich auch für die übrigen Abfallarten, zum Beispiel für den Biomüll: Im Humus- und Erdenwerk in Ilbenstadt entsteht hieraus Kompost und Strom für 1700 Haushalte.

Auch die Öko-Bilanz beim Altpapier ist beachtlich: Um 1 Kilogramm Papier herzustellen, benötigt man beim Einsatz von Frischfasern, sprich: Bäumen, 2,2 Kilogramm Holz. Wird Altpapier als Rohstoff verwendet, sind nur 1,15 Kilo nötig. Ebenfalls deutlich geringer ist die Abwasserbelastung sowie der Wasser- und der Energieverbrauch. Für den Verbraucher ist die Umweltfreundlichkeit von Papier übrigens leicht zu erkennen: am Gütesiegel »Blauer Engel«.

Am Ende wird der Rest vom Restmüll nach Größe sortiert und ins Kraftwerk gebracht.

Der Wetterauer Abfall in Zahlen

In Hessen sind die Kreise und Kommunen die Entsorgungsträger: Sie haben die Abfallentsorgung sicherzustellen. Im Wetteraukreis sind die Städte und Gemeinden für die Einsammlung von Müll - außer Problemabfall - zuständig. Die Entsorgung übernimmt der Abfallwirtschaftsbetrieb des Wetteraukreises (AWB); mit einer Ausnahme: Bad Vilbel. Im Jahr 2020 hat der AWB diese Mengen erfasst:

  • Restabfall: 27 371 Tonnen,
  • 99 Kilogramm pro Einwohner
  • Bioabfall: 24 507 Tonnen,
  • 89 Kilogramm pro Einwohner
  • Papier/Pappe/Kartonage: 20 977 Tonnen,
  • 76 Kilogramm pro Einwohner
  • Leichtverpackungen (Gelbe Tonne): 10 039 Tonnen,
  • 36 Kilogramm pro Einwohner
  • Altglas: 7200 Tonnen,
  • 26 Kilogramm pro Einwohner
  • Elektrogeräte: 2884 Tonnen,
  • 10,5 Kilogramm pro Einwohner
  • Sperrmüll: 4633 Tonnen,
  • 17 Kilogramm pro Einwohner
Wenn der Restmüll in Grund-Schwalheim ankommt, wird er zunächst zerkleinert. Eine Infrarotkamera am Förderband schlägt Alarm, wenn z. B. beschädigte Batterien einen Kurzschluss verursacht haben.

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