Wasserampel

Wenn Wasser knapp wird

Wasser aus dem Hahn - in Deutschland eine Selbstverständlichkeit.

Die Grundwasserstände sind an vielen Orten deutlich zurückgegangen. Mit einer Wasserampel reagiert die Ovag darauf. Doch an dem Warnsystem gibt es auch Kritik.

Wasser ist kostbar. Ein Satz, der zwar wahr ist, vor allem aber nach Floskel klingt. Weil: Schon oft gehört, doch mit welcher Konsequenz? Wasser ist in Deutschland für die meisten erst einmal eine Selbstverständlichkeit: Hahn auf, Trinkwasser raus. Und davon nicht wenig. rund 120 Liter pro Tag verbraucht eine Person im Durchschnitt. Den geringsten Anteil davon zur Nahrungsaufnahme (4 Prozent). Stattdessen werden davon im Schnitt 27 Prozent die Toilette runtergespült.

Als in den 90ern die Grundwasserstände sehr niedrig waren (damals lag der Pro-Kopf-Trinkwasserverbrauch bei rund 145 Litern), gab es Konzepte zur nachhaltigen Wassergewinnung. Damals hat sich auch etwas im Bereich Sanitäranlagen getan (sparsamere Toilettenspülungen etc.). Ansonsten hat sich wenig verändert.

Doch langsam ändert sich die Situation und das Bewusstsein. Wegen der durch den Klimawandel bedingten Trockenheit sind u. a. niedrigere Grundwasserstände ein Thema geworden. Reaktionen darauf sind Aktionen wie die Einführung von Wasser-Warnsystemen. Auch in der Wetterau. So hat die Ovag als kommunaler Wasserversorger eine Ampel für die Kommunen entwickelt, die am Ovag-Netz hängen. Grün, Gelb und Rot zeigt sie an. Sie informiert mit den Farben über die Verfügbarkeit von Trinkwasser aus den Gewinnungsgebieten, damit die Kommunen frühzeitig auf den Verbrauch Einfluss nehmen und Bürger zur verantwortungsvollen Nutzung bewegen können, erklärt Ovag-Vorstand Joachim Arnold. Vergangenes Jahr sei die Einführung vorbereitet worden, nun ist die Ampel geschaltet. Zu sehen ist sie beispielsweise auf der Homepage der Ovag. Dort werde die Grundwasserverfügbarkeit für den aktuellen Monat sowie die drei folgenden angezeigt. Die Trinkwasserlieferung ist abhängig von der Grundwasserverfügbarkeit, und die Farben zeigten an, wie die Verfügbarkeit von der Ovag eingeschätzt werde. Aktuell steht die Ampel auf Gelb; bedeutet: »mäßige Grundwasserverfügbarkeit«. Grün bedeutet »gute«, Rot »kritische« Verfügbarkeit - »was aber nicht bedeutet, dass es kein Trinkwasser gibt.«

Der Umgang mit den Informationen sei jedoch Sache der Kommune; die Ovag stelle lediglich als Dienstleister Wasser zur Verfügung. Doch auch sie könne die Lieferung nur soweit ermöglichen, wie es das Wasserrecht und Auflagen des Landes zuließen. »Das alles bewirkt, dass wir unter Umständen die Liefermengen anpassen oder gar reduzieren müssen.«

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Was die Kommunen angehe, gebe es verschiedene Möglichkeiten, auf die Situation zu reagieren, beginnend auf freiwilliger Basis, also als Empfehlung - etwa der Appell, bei niedrigen Grundwasserständen das Auto nicht mit Trinkwasser zu waschen.

»Erst mal ist das alles freiwillig und mit Appell«, aber im Zweifelsfall müsse man die Lieferung drosseln.

Maxime, sagt Arnold, sollte so oder so immer sein, Trinkwasser so gut es geht zu schonen.

Bedenken bezüglich des Ampelsystems der Ovag äußert die Schutzgemeinschaft Vogelsberg (SGV). Vorstandsmitglied und Ökologe Dr. Hans-Otto Wack sagt: »Das Kernproblem der Ovag-Ampel ist die Farbe Grün - die darf es im sich immer mehr beschleunigenden Klimawandel nicht mehr geben.« Ein Warnsystem für Grundwasserstände sei zwar grundsätzlich ein Schritt in die richtige Richtung, doch grün symbolisiere, »du kannst hier durchrauschen« - und, übertragen auf das Wasser - es läuft; alles bestens. Das ist es aber nicht, sagt Wack. Grenzgrundwasserstände würden bald erreicht. Niemand könne voraussagen, ob und wann sich die abgesunkenen Grundwasservorräte auffüllen oder wann sie erneut sinken.

Zudem kritisiert die SGV, dürfe die Ovag als Unternehmen, das mit Grundwassergewinnung und Wasserhandel Geld verdiene, nicht darüber bestimmen, ob eine ausreichende Verfügbarkeit gegeben sei.

Laut Ovag-Vorstand Arnold seien die Kritikpunkte »Unfug«: Die jeweiligen Aufsichtsbehörden hätten jederzeit Einblick in die Grundwassermessstellen. Zur Ampelfarben-Kritik sagt er: Auch bei Grün gebe es Einschränkungen. Die Ampel sei eine präventive Maßnahme. »Das heißt aber nicht, dass Wasser für alle möglichen Zwecke zur Verfügung steht.« Als Lebensmittel Nummer eins allerdings schon.

Dass aus der Perspektive Trinkwasserversorgung genügend Wasser da sei, weiß auch Wack. »Nur ist die Frage, ob das auf Kosten des Naturraums gehen soll.«

Künftig werde es immer mehr Landwirte geben, die in der Anwuchsphase bewässern müssten. »Das heißt, die Konkurrenz um das verbleibende Grundwasser wird stärker. Und wenn das Recht des Stärkeren gilt, fällt die Natur hinten runter.« Die SGV setze sich deswegen für die Vereinbarkeit von Versorgung und Naturschutz ein. »Das Maß der Dinge ist jetzt, so viel Grundwasser wie möglich im Boden zu lassen.«

Wassergewinnung

Ihr Wasser bezieht die Ovag aus über 20 Brunnen in neun in der Wetterau und im westlichen unteren Vogelsberg gelegenen Fördergebieten. Dabei ist sie auf die regelmäßige Neubildung des tiefen Grundwassers angewiesen. Die ist abhängig von den Niederschlägen der vorangegangenen Jahre. Die Schutzgemeinschaft Vogelsberg kritisiert die Wasserlieferungen der Ovag. Denn das Versorgungsunternehmen liefert nicht nur in die heimischen Landkreise, in denen Wasser gewonnen wird, sondern auch nach Frankfurt - das müsse reduziert werden, heißt es vonseiten der SGV, da sich die Stadt versorgen könnte - z. B. mit dem Wasserwerk Hattersheim, das jedoch aktuell im Standby-Betrieb laufe.

Wie kann man Wasser sparen?

Möglichkeiten, weniger Wasser zu verbrauchen, gibt es viele. So wird immer wieder empfohlen, zu duschen statt zu baden, Perlatoren zu installieren oder im Garten mit Tonnen und Zisternen Regenwasser zu sammeln. Es gibt auch Toilettenspülkästen, die mit Regenwasser gefüllt werden. Doch, sagt Dr. Hans-Otto Wack: Mit Aufrufen zum Wassersparen, das habe die Erfahrung gezeigt, komme man nicht weiter. »Es darf im Prinzip keine Baugenehmigung mehr geben ohne Wasserstandard«: Für Toiletten, Waschmaschinen und Gartenbewässerung müsse ein zweites Leitungssystem gelegt werden für Regenwasser. »Das muss nicht teuer sein, und wenn man heute kein Betriebswasser dafür zur Verfügung hat, kann man das zweite Netz auch erst einmal mit Trinkwasser betreiben und später umklemmen.«

Wasser - H2O: Über 70 Prozent unserer Erdoberfläche sind damit bedeckt. Der größte Teil, 97 Prozent, ist Salzwasser in den Meeren. 3 Prozent sind Süßwasser - das meiste davon (70 Prozent) in gefrorener Form an den Polen und Gletschern.

Auch der Mensch besteht zu großen Teilen aus Wasser - zu rund 70 Prozent. Ohne Trinken können wir nur wenige Tage überleben.

Die Vereinten Nationen haben das Recht auf Zugang zu sauberem Wasser zum Menschenrecht erklärt. Dennoch, heißt es im UN-Weltwasserbericht 2020: »Weltweit haben aktuell 2,2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser. 4,2 Milliarden Menschen - also mehr als 55 Prozent der Weltbevölkerung - haben keine sicheren Sanitäranlagen.« Der weltweite Wasserverbrauch ist heute sechsmal so hoch wie noch vor 100 Jahren. »Bevölkerungswachstum, Wirtschaftswachstum und veränderte Konsumgewohnheiten führen dazu, dass der Verbrauch weiter um etwa ein Prozent pro Jahr ansteigt.« sda/ FOTOS: NIC/SDA/ARCHIV/DPA

Möglichkeiten, weniger Wasser zu verbrauchen, gibt es viele. So wird immer wieder empfohlen, zu duschen statt zu baden, Perlatoren zu installieren oder im Garten mit Tonnen und Zisternen Regenwasser zu sammeln. Es gibt auch Toilettenspülkästen, die mit Regenwasser gefüllt werden. Doch, sagt Dr. Hans-Otto Wack: Mit Aufrufen zum Wassersparen, das habe die Erfahrung gezeigt, komme man nicht weiter. »Es darf im Prinzip keine Baugenehmigung mehr geben ohne Wasserstandard«: Für Toiletten, Waschmaschinen und Gartenbewässerung müsse ein zweites Leitungssystem gelegt werden für Regenwasser. »Das muss nicht teuer sein, und wenn man heute kein Betriebswasser dafür zur Verfügung hat, kann man das zweite Netz auch erst einmal mit Trinkwasser betreiben und später umklemmen.« sda

Ihr Wasser bezieht die Ovag aus über 20 Brunnen in neun in der Wetterau und im westlichen unteren Vogelsberg gelegenen Fördergebieten. Dabei ist sie auf die regelmäßige Neubildung des tiefen Grundwassers angewiesen. Die ist abhängig von den Niederschlägen der vorangegangenen Jahre. Die Schutzgemeinschaft Vogelsberg kritisiert die Wasserlieferungen der Ovag. Denn das Versorgungsunternehmen liefert nicht nur in die heimischen Landkreise, in denen Wasser gewonnen wird, sondern auch nach Frankfurt - das müsse reduziert werden, heißt es vonseiten der SGV.

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