Karl Neuwirth
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Karl Neuwirth

Sprechstunde

Wenn pflegende Angehörige Rat brauchen

  • Sabrina Dämon
    vonSabrina Dämon
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Was, wenn es mir zu viel wird? Pflegende Angehörige stehen oft vor großen Herausforderungen. Karl Neuwirth kam deswegen vor einigen Jahren auf die Idee, eine Sprechstunde anzubieten.

Seit zehn Jahren bieten Sie die Sprechstunde für pflegende Angehörige an. Welche Anliegen werden dort besprochen?

Das sind in den meisten Fällen ganz praktische Dinge: Wo gibt es Kurzzeitpflege? Wer kann mich unterstützen? Gibt es Unterstützung, wenn ich selbst mal krank oder verhindert bin? Grundsätzlich biete ich eine anliegenorientierte Beratung. Der Ratsuchende bestimmt das Thema.

Welche Themen sind das noch?

Was in den vergangenen Jahren weniger geworden ist, sind die psychodynamischen Fragen. Etwa zu Überforderungssysndromen oder Depressionen. Die Betreuten werden mit voranschreitender Zeit immer bedürftiger, und die Angehörigen merken, dass es oft ihre Kräfte übersteigt. Das besprechen wir dann auch.

Was raten Sie in solchen Situationen?

Wir reden über Betreuungsmöglichkeiten wie ambulante Pflegedienste oder Kurzzeitpflege. Auch, welche Vor- und Nachteile eine Pflege im Heim haben könnte. Doch viele Pflegende haben da Hemmungen, denn die Betreuten selbst wollen das oft nicht.

Wie geht man mit einer solchen Situation um?

Es geht auch um die Frage: Was ist zumutbar? Pflegende Angehörige haben ja auch Rechte, sie brauchen Erholung. Ich versuche ihnen klarzumachen, dass sie auch Interessen haben, die berücksichtigt werden müssen. In der Sprechstunde können wir dann auch überlegen, wie man einen Ausgleich zwischen den Bedürfnissen der Betreuten und den Nöten der pflegenden Angehörigen erreichen kann und wie man mit den Bedenken umgeht.

Zum Beispiel?

Indem man mal zu Besuch in ein Heim fährt, in dem eine Kurzzeitpflege möglich wäre, sich dort die Zimmer anschaut. Das ist zwar in Corona-Zeiten schwierig umzusetzen, aber das wird ja hoffentlich nicht ewig dauern. Ein anderes Thema, das öfter besprochen wird, ist der Umgang mit Dementen. Gerade für Angehörige ist es oft schwierig zu verstehen, dass sich die Persönlichkeit des Menschen verändert, er ein anderer Mensch geworden ist. Es gibt auch bestimmte Techniken, wie man mit Dementen umgehen kann, auch das besprechen wir.

Wenn ein Angehöriger pflegebedürftig wird und man als Pflegender vor der Frage steht, »was muss ich jetzt alles beachten?«, kann man sich dann auch an Sie wenden?

An mich kann sich eigentlich jeder wenden. Gerade in der neuen Situation, wenn es anfängt, dass jemand pflegebedürftig wird, sind viele noch nicht so gut informiert. Da kann man sie beruhigen: Es gibt mittlerweile ein gutes Netz an Angeboten.

Wird Ihre Sprechstunde oft in Anspruch genommen?

In den ersten Jahren war es mehr. Es ist zurückgegangen. Bei denen, die zu mir kommen, habe ich aber bei relativ vielen den Eindruck, dass es ihnen etwas gebracht hat. Eigentlich müsste dieses Angebot von mehr pflegenden Angehörigen in Anspruch genommen werden, weil es eine Menge Leute gibt, die an der Belastungsgrenze sind. Aber es ist sicher auch eine gewisse Überwindung, aktiv Rat zu suchen. Manche haben ein bisschen Hemmungen, ihre Ängste und Nöte offenzulegen. Doch vielen kann man helfen.

Würden Sie aus Ihrer Erfahrung sagen, die Pflege von Angehörigen ist eher Frauensache?

Ich würde fast sagen, dass es halbe-halbe ist, wenn der Partner betroffen ist. Bei den Kinder dominieren aber immer noch deutlich die Töchter oder Schwiegertöchter. Söhne sind seltener, aber auch das nimmt zu.

Zurzeit bieten Sie die Sprechstunde telefonisch an. Haben Sie bei den Gesprächen den Eindruck, dass die Corona-Pandemie Einfluss auf die Probleme und Sorgen hat, mit denen pflegende Angehörige konfrontiert werden?

In der Sprechstunde war das bisher noch kein Thema. Das Thema Kurzzeitpflege ist dadurch aktuell schwieriger, aber das wissen die Pflegenden.

Die Sprechstunde

Mit der Altersteilzeit ging Karl Neuwirth noch einmal an die Uni - und studierte Gerontologie (auch Alterswissenschaft genannt). Als er mit 66 Jahren sein Studium abgeschlossen hatte, überlegte er, was er nun mit dem erworbenen Wissen machen kann. Recht schnell kam er auf die Idee, die Sprechstunde für pflegende Angehörige anzubieten. »Zwei Drittel der Pflegebedürftigen werden von Angehörigen betreut«, sagt er. »Und ein Beratungsangebot gab es hier nicht. Da war es naheliegend, dass es da Bedarf geben könnte.« Seither bietet er in den Räumen der Diakonie in Friedberg ehrenamtlich die Sprechstunde an - jede Woche mittwochs für zwei Stunden.

Aktuell berät er wegen der Corona-Maßnahmen telefonisch. Das Angebot ist kostenlos. Die nächste Sprechstunde ist am heutigen Mittwoch, 27. Januar, von 18 bis 20 Uhr (Telefonnummer: 0 60 31/1 41 01). Außerhalb dieses Zeitraums kann eine Nachricht auf den Anrufbeantworter gesprochen werden.

Mit der Altersteilzeit ging Karl Neuwirth noch einmal an die Uni - und studierte Gerontologie (auch Alterswissenschaft genannt). Als er mit 66 Jahren sein Studium abgeschlossen hatte, überlegte er, was er nun mit dem erworbenen Wissen machen kann. Recht schnell kam er auf die Idee, die Sprechstunde für pflegende Angehörige anzubieten. »Zwei Drittel der Pflegebedürftigen werden von Angehörigen betreut«, sagt er. »Und ein Beratungsangebot gab es hier nicht. Da war es naheliegend, dass es da Bedarf geben könnte.« Seither bietet er in den Räumen der Diakonie in Friedberg ehrenamtlich die Sprechstunde an - jede Woche mittwochs für zwei Stunden.

Aktuell berät er wegen der Corona-Maßnahmen telefonisch. Das Angebot ist kostenlos. Die nächste Sprechstunde ist am heutigen Mittwoch, 27. Januar, von 18 bis 20 Uhr (Telefonnummer: 0 60 31/1 41 01). Außerhalb dieses Zeitraums kann eine Nachricht auf den Anrufbeantworter gesprochen werden. sda

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