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Herausforderung in Wetterauer Schwimmbädern

Wenn Kinder nicht schwimmen lernen - ein Problem, das durch Corona verschärft wird

  • VonHanna von Prosch
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Es ist nichts Neues, dass Anfängerschwimmkurse schnell ausgebucht sind. Durch die Corona-Verordnungen verstärkt sich jedoch das Problem. In der Wetterau wird gegengesteuert.

An einem sonnigen Freitagnachmittag tummeln sich im Warmbecken des Usa-Wellenbades Bad Nauheim/Friedberg 23 Kinder und lernen unter der Anleitung von fünf qualifizierten ehrenamtlichen Übungsleiterinnen erste Schwimmzüge. Es ist ein Kurs der DLRG-Ortsgruppe Friedberg/Bad Nauheim. »Wir können nur deshalb so viele Kinder aufnehmen, weil alle Übungsleiterinnen zu diesem Termin zur Verfügung stehen. Das ist nicht selbstverständlich«, sagt Marlies Krell-Moder. Sie ist dankbar, ein so gutes Team zu haben: »Es gelingt allen schnell, eine empathische Beziehung zu den Kindern aufzubauen, so dass diese ihre Ängste überwinden können und Spaß am Schwimmen haben.«

In einer anderen Ecke des Freibads übt eine private Schwimmlehrerin mit ihren Schützlingen. Auch im Quellwasserschwimmbad in Ockstadt gibt Jana Mörler in den Ferien jede Woche einen neuen Intensivkurs und sechs reguläre Kurse in verschiedenen Stufen. Wo man hinschaut, sind die Wartelisten für Anfänger lang. Zum Teil gehen sie bis Ende 2022. Für die DLRG, sagt Krell-Moder, seien die Personalkapazitäten ausgeschöpft, denn es laufen auch noch die Kinderkurse für die diversen Schwimmabzeichen und den Juniorretter. Insgesamt sind dort jetzt 95 Kinder im Training.

An sechs Tagen zusätzliche Wasserflächen für Anfängerschwimmen

Im Usa-Wellenbad sind extra Zeiten für die Vereine vorgesehen. »Wenn Eltern der Meinung sind, wir würden nichts für die Anfänger tun, muss ich widersprechen«, sagt Betriebsleiter Sascha Rieck. »Wir haben an allen sechs Tagen zusätzliche Wasserflächen für das Anfängerschwimmen bereitgestellt. Ab September erweitert sich das sogar noch einmal. Durch den engen Austausch mit den Vereinen und privaten Anbietern können wir schnell reagieren. Gerade erst haben wir zwei weitere Zeiten freigegeben.«

Genauso wichtig ist der Schwimmunterricht in der Schule. Rieck weiß, dass eine engagierte Lehrkraft aus Friedberg ein Nichtschwimmerprojekt im Usa-Wellenbad starten will und auch Wasserflächen bekommen hat, aber keine geeigneten Lehrkräfte dafür findet. Ein weiteres Projekt beginnt im September mit dem Schwimmclub Bad Nauheim und der Kita Süd, bei dem Kinder ans Wasser herangeführt werden.

Besondere Aktion am 21. August

Kooperationen sind auch dringend notwendig: Im Vergleich zu 2019 werden in diesem Jahr wahrscheinlich 70 Prozent weniger Kinder und Erwachsene die Stufe des sicheren Schwimmens, den Freischwimmer, erreichen, mutmaßt die DLRG. Für diejenigen, die darauf warten, haben DLRG, SG Wetterau und das Usa-Wellenbad eine gute Nachricht: Am Samstag, 21. August, findet von 12 bis 15 Uhr ein Aktionstag »Freischwimmer für alle« statt. Das Ganze geschieht während des öffentlichen Badebetriebs, so dass alle Interessierten teilnehmen können.

»Wir sind durch die Corona-Auflagen immer im Interessenskonflikt. Nicht nur, dass viel häufiger gereinigt werden muss, wir dürfen auch nur eine begrenzte Zahl Personen ins Wasser lassen. Und dann haben wir neben den acht Vereinen, Schulen, Leistungs- und Freizeitschwimmern auch die Familien und den Rehasport, den zum Beispiel die Rheumaliga betreibt. Da gibt es einfach Grenzen«, bittet Rieck um Verständnis. Und Marlies Krell-Moder, der gerade die Anfänger am Herzen liegen, sagt: »Aus meiner Sicht tun alle das Möglichste, um den Kindern aus der Region eine qualitätsvolle Schwimmausbildung anzubieten.«

Nach den Sommerferien bietet die DLRG einen neuen Anfängerkurs an. Krell-Moder hofft darauf, dass das Hallenbad wieder für Vereine öffnet und zwei weitere Kurse stattfinden können: »Wir wollen dazu beitragen, die Entwicklung zum Nichtschwimmerland Deutschland aufzuhalten.«

Drei Fragen an Marlies Krell-Moder

Warum ertrinken so viele Kinder?

Kinder ertrinken still. Das Kind fällt ins Wasser und sinkt wie ein Stein. Da es in eine Schockstarre gerät, wehrt es sich nicht und kann durch den sogenannten Eintauch-Reflex auch nicht schreien. Daher geschehen 50 Prozent aller Ertrinkungsfälle unbeobachtet. Wir realisieren das erst, wenn es schon passiert ist, und dann entscheidet eine kurze Zeitspanne über Leben und Tod. Nach zwei Minuten unter Wasser verliert das Kind das Bewusstsein. Nach drei Minuten führt der Sauerstoffmangel zu Gehirnschäden, so dass das Kind selbst nach der Rettung im Koma bleiben kann oder später verstirbt oder Schäden zurückbleiben. Ist das Kind fünf Minuten unter Wasser, ist der Sauerstoffmangel tödlich.

Wo ist es besonders gefährlich für Kinder?

Die offizielle Statistik des DLRG-Bundesverbandes weist für 2020 23 ertrunkene Kinder unter zehn Jahren aus. 40 Prozent aller Badeunfälle geschahen in Frei- und Hallenbädern, 35 Prozent auf Privatgelände (allein 22 Prozent in Gartenteichen), 25 in öffentlichen Gewässern, ein Prozent am Meer.

Welches Alter ist das beste, um schwimmen zu lernen?

Mit vier Jahren ist eine gute Zeit, das Schwimmen zu erlernen. Lernen die Kinder später schwimmen, ist es wichtig, dass sie niemals unbeaufsichtigt in der Nähe einer Wasserfläche sind. Eltern sollten mit ihren Kindern frühzeitig die Baderegeln lernen. Setzen die Kinder nach dem Erwerb des Seepferdchens längere Zeit mit Schwimmen aus, muss die Wassergewöhnung noch einmal intensiv gemacht werden.

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