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Ein Grund für die noch länger aus üblich dauernden Auszählarbeiten bei der Kommunalwahl ist der hohe Anteil der Briefwähler - wie hier in Friedberg - und damit einhergehend auch die deutlich häufiger genutzte Möglichkeit zum Kumulieren und Panaschieren.

Kommunalwahl im Wetteraukreis

Wenn jedes Zehntel zählt: So blicken die kleineren Parteien auf die Kreistagswahl

  • Philipp Keßler
    VonPhilipp Keßler
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Auch einen Tag nach der Wahl des Wetterauer Kreistages steht das Endergebnis noch nicht fest. Vom Hoffen und Bangen besonders betroffen sind die kleinen Parteien, für die es um viel geht.

Gemäß der Reihenfolge auf den Stimmzetteln bat Kreissprecher Michael Elsaß am Sonntagabend jeweils zwei Abgesandte der Parteien auf die Bühne im Plenarsaal des Kreishauses zur Pressekonferenz. Im Fokus standen natürlich die CUD als wahrscheinlicher Wahlgewinner, die »Sieger des Abends« von den Grünen, die ihr bisheriges Rekordergebnis von 2011 noch toppen dürften, und die SPD, die angesichts von doch deutlichen Verlusten ihre Hoffnungen auf die Auszählung der Stimmzettel legten, in denen kumuliert und panaschiert wurde.

Doch auch gerade das Feld der sieben weiteren Parteien, die um Sitze im künftigen Wetterauer Parlament angetreten waren, ist nach wie vor hart umkämpft - es kommt auf jede Stimme an, kann sie doch den Unterschied zwischen einem Sitz mehr oder weniger ausmachen, was bei Ergebnissen unter zehn Prozent ins Gewicht fällt.

Piratenpartei fliegt aus dem Wetterauer Kreistag

Die AfD büßte als bisher größte Oppositionspartei wohl drei Sitze ein (von zehn auf sieben), die FDP würde - Stand jetzt - einen Sitz (von vier auf fünf) gewinnen, während Linke und Freie Wähler ihr Ergebnis von drei bzw. sechs Sitzen verteidigen würden. Die NPD hätte nur noch einen statt wie bislang zwei Sitze und muss angesichts eines Ergebnisses von unter einem Prozent in den kommenden Tagen selbst um diesen bangen, während die Piraten die Verteidigung ihres einzigen Sitzes deutlich verpassten und damit ebenso klar wie die Die PARTEI nicht im neuen Kreistag vertreten zu sein scheinen. Dieser findet sich übrigens am 11. Mai zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen.

Nichtsdestotrotz nutzten auch die »Kleinen« die vergleichsweise große Bühne am Sonntagabend, um ihre Sicht der Dinge mitzuteilen. Andreas Lichert, Kreissprecher der AfD, sagte zwar, dass »uns das Ergebnis nicht zufriedenstellt«, es jedoch mehrere Faktoren gegeben habe, die das Abschneiden seiner Partei negativ beeinflusst hätten. Da sei einerseits der Sondereffekt der Wahl von 2016, mitten in der Flüchtlingskrise, andererseits eine aus seiner Sicht problematische Berichterstattung, von der seine Partei »überdimensional« betroffen gewesen sei. Alles in allem habe seine Partei aber »eine stabile Wählerschaft, fast schon eine Stammwählerschaft«. Schaue man sich die Ergebnisse der Landtagswahlen an, »stehen wir noch ganz gut da«.

Die Linke wollen in der Opposition bleiben

Besser war da die Stimmung der FDP. Der Kreisvorsitzende Jens Jacobi sprach von einem »stetigen Ergebnis«, das aber »keinen Grund zur Euphorie« liefere. Der mögliche Gewinn eines weiteren Sitzes sei dennoch »bemerkenswert«. Das fand auch der Fraktionsvorsitzende Peter Heidt: »Wir haben uns sukzessive verbreitert«, sagte er mit Blick auf die zweite Wahl hintereinander, bei der ein Sitz dazugewonnen worden sei. Auch das Thema Beteiligung an der Koalition war für beide längst nicht vom Tisch. »Wir haben schon mitregiert, und wir können das wieder«, erklärte Heidt.

Das schlossen die Linken aus. »Wir werden unsere Rolle als soziale Opposition fortsetzen«, erklärte die Kreisvorsitzende Gabriele Faulhaber und kündigte an, neben den Themen Wohnen, Gesundheit und Armut den Fokus auch vermehrt auf Klima- und Umweltschutzpolitik legen zu wollen.

Zufriedenheit auch bei den Freien Wählern, die sich vor allem über die teils deutlichen Stimmenzuwächse in einigen Kommunen freuten. »Die Freien Wähler sind im bürgerlichen Lager fest verankert und genießen das Vertrauen der Menschen«, erklärte der Büdinger Bürgermeister Erich Spamer. Seine Hoffnungen lagen am Abend noch auf dem Ende der Großen Koalition, was der »Demokratie sicherlich gut tun« würde, habe diese doch allzu oft »durchregiert« und Anträge anderer Fraktionen entweder verwässert oder von vorneherein abgelehnt. Stand Montagabend dürfte das Bündnis aus CDU und SPD aber weitermachen.

Leicht höhere Wahlbeteiligung als 2016

53,51 Prozent aller wahlberechtigten Wetterauer beteiligten sich an der Wahl des Kreistages – und damit etwas mehr als 2016 (51,7 Prozent). 128 493 von 240 136 Wahlberechtigten, dazu gehören bei Kommunalwahlen neben deutschen Staatsangehörigen auch EU-Ausländer, gaben laut offiziellen Angaben ihre Stimme ab. Bei bis zu 81 Stimmen pro Person sind also insgesamt mehr als 10,4 Millionen Stimmen auszuzählen. Spätestens Donnerstag soll das Endergebnis vorliegen. 

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