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Wenn das Grillfest auf dem Klo endet

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Grillfleisch sollte in diesen Tagen immer gut durchgebraten werden. Aber nicht schwarz werden lassen! Auch bei Hackfleisch, Fisch, Ei, Speiseeis und Mayonnaise müssen Verbraucher vorsichtig sein.
Grillfleisch sollte in diesen Tagen immer gut durchgebraten werden. Aber nicht schwarz werden lassen! Auch bei Hackfleisch, Fisch, Ei, Speiseeis und Mayonnaise müssen Verbraucher vorsichtig sein. © DPA Deutsche Presseagentur

Wetteraukreis (bf). Zwei Tage und Nächte zwischen Bett und WC zu pendeln, ist kein Vergnügen. Dabei wollte man nur einen gemütlichen Grillabend mit Freunden verbringen. Wenn sich aber Campylobacter-Bakterien zu den Gästen gesellen, ist Schluss mit lustig.

Im Wetteraukreis sind dieses Jahr bislang 129 Menschen offiziell an einer bakteriellen Magen-Darm-Infektion erkrankt. Im gesamten Jahr 2015 waren es 196, im Jahr davor 203, meldet die Krankenkasse IKK classic anhand aktueller Daten des Robert-Koch-Instituts. »Die tatsächliche Zahl der Infektionen dürfte noch höher liegen. Eine Campylobacter-Infektion ist zwar meldepflichtig, nicht jeder Erkrankte geht aber zum Arzt und lässt sich testen«, sagt Sven Keiner von der IKK classic in Hessen.

Geringe Keimmenge reicht aus

Campylobacter sind in Deutschland die häufigsten bakteriellen Erreger von Durchfallerkrankungen. Die Übertragung erfolgt meist über Geflügelfleisch. Von Juni bis September häufen sich die Meldungen über bakterielle Darminfektionen. In den warmen Monaten sind die Erreger vermehrt in der Tierhaltung zu finden und werden vor allem bei unzureichender Küchenhygiene auf den Menschen übertragen. Im Vergleich zu anderen Durchfallerregern, zum Beispiel Salmonellen, kann schon eine sehr geringe Keimmenge eine Campylobacter-Infektion auslösen. Wird das Fleisch nicht ausreichend erhitzt oder durch verunreinigtes Küchengerät verschmutzt, kann die Folge eine schwere Durchfallerkrankung mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sein.

Meist klingen die Beschwerden nach spätestens einer Woche wieder ab, gegebenenfalls muss mit Antibiotika behandelt werden.

Um sich vor Infektionen mit Durchfallerregern zu schützen, raten die Fachleute im Gesundheitsamt des Wetteraukreises, folgende Regeln einzuhalten:

Hände vor und nach dem Kontakt mit rohen Lebensmitteln mit Seife waschen

Speisen mit rohen Eiern, Milch, Eis oder Fleisch stets im Kühlschrank aufbewahren (getrennt von anderen Lebensmitteln) und erst kurz vor dem Verzehr zubereiten

Fleisch vor der Zubereitung vorsichtig abtupfen und nicht waschen. Denn entgegen der gängigen Meinung werden Schmutz und Bakterien nicht weggespült, sondern können durch das spritzende Wasser in der Küche verbreitet werden

Fürs Fleisch ein anderes Schneidebrett verwenden als für Obst und Gemüse

Spülbürsten und Lappen öfter wechseln oder regelmäßig reinigen

Sicher abgetötet werden Campylobacter und Salmonellen nach einer Garzeit von mindestens zehn Minuten bei Temperaturen über 70 Grad Celsius

Ist man doch erkrankt und hält der Zustand über drei Tage an, sollte ein Arzt zu Rate gezogen werden. Denn es drohen in seltenen Fällen Komplikationen. Besonders müssen Menschen aufpassen, die etwa in Kantinen, Altenheimen oder Krankenhäusern arbeiten. Eine Erkrankung beginnt meist mit Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, kurz darauf folgen heftige Bauchschmerzen und -krämpfe, Übelkeit und Durchfälle. Man sollte sich schonen, mageren Joghurt essen, leicht gesüßten schwarzen Tee trinken und Salzstangen essen.

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