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Wenn der neue Kernstadt-Ortsvorsteher zusammen mit den Söhnen Floyd (l.) und Juri auf dem Lastenrad durch Friedberg fährt, zieht er schon mal die Blicke der Passaten an. Gerne bleibt Rudi Mewes auch stehen und gibt Auskunft. Er sagt, der Kontakt zu den Bürgern sei ihm wichtig.

Porträt Rudi Mewes (Grüne)

Wenn der Ortsvorsteher mit dem Lastenrad durch Friedberg düst

  • Jürgen Wagner
    VonJürgen Wagner
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Wenn Rudi Mewes (Grüne) mit dem Lastenrad durch Friedberg düst, hat er mehr als nur sichere Radwege im Blick. Ein Porträt des neuen Ortsvorstehers der Kernstadt.

Seit Jahren fahren die Grünen in der Friedberger Kernstadt bei Wahlen gute Ergebnisse ein. Folgerichtig war, dass die Ökopartei im Ortsbeirat den Ortsvorsteher stellt. Er habe das Amt sehr gerne von seinem Vorgänger Norbert Simmer (CDU) übernommen, sagt Rudi Mewes (48). Der Ortsbeirat mag ein Kollegialorgan sein, der Ortsvorsteher gibt die Richtung vor, kann Debatten anstoßen. Eine spannende Aufgabe, sagt Mewes.

Auch für ihn persönlich. Mewes lebt erst seit acht Jahren in Friedberg. Seine Freundin, mit der er mittlerweile Zwillinge hat, lebte vorher hier. »Wir haben uns auch aufgrund der Lebensqualität für Friedberg entschieden.« Die Stadt habe viel zu bieten, sei keine reine Schlafstadt, sondern ein lebendiger Ort mit guter Infrastruktur. Seine Aufgabe als Ortsvorsteher (»Ich wachse da noch rein«) sei es, »dafür zu arbeiten, dass uns diese Lebensqualität erhalten bleibt«.

Erkennen, wo den Leuten der Schuh drückt: Das habe er auf der Universität gelernt, sagt Mewes. Der gebürtige Düsseldorfer hat in Münster und Frankfurt Germanistik, Soziologie und Geschichte studiert, hat die Campus-Grünen mitbegründet, war Verwaltungsratsvorsitzender des Studentenwerks und ASTA-Vorsitzender. Mewes weiß, dass der Einfluss des Ortsbeirats begrenzt ist. »Wir können aber über den Magistrat Einfluss auf die Verwaltung nehmen.«

Der Ortsbeirat sei das erste Gremium gewesen, in dem über das Kaufhaus Joh diskutiert wurde. Das gilt für alle Kernstadt-Themen: Hier werden sie zuerst besprochen. »Kaserne, Kaiserstraße, Klimaschutz, Kitas: Alles Themen, die wir diskutieren.« Positiv sei, dass im Ortsbeirat auch Bürgerinitiativen das Wort ergreifen können. »Das finde ich sehr wichtig. Der Ortsbeirat ist ganz nah an den Bürgern dran.«

Seit 1999 ist Mewes Grünen-Mitglied. Seit er in Friedberg lebt, engagiert er sich im Grünen-Ortsverband und sitzt seit 2014 im Vorstand. Während seine Freundin als Vertriebsingeneurin für wissenschaftliche Software arbeitet, ist er beruflich Hausmann. »Das ist auch eine Herausforderung«, lacht er und gibt zu: »Ich bin kein perfekter Hausmann.« Er koche gerne, sei »sehr geschickt« im Windelwechseln, beim Fensterputzen aber »noch weit weg von der Perfektion«. Zwillinge, das bedeute »doppelte Freude«, sagt Mewes: »Es ist wunderbar zu beobachten, wie die beiden miteinander umgehen und Sozialverhalten lernen.« Zwei Kleinkinder bedeuteten aber auch »eine 50 Prozent höhere Chance, dass ein Kind nachts nicht schläft«.

Das Lastenrad ist für Mewes mehr als nur ein Fortbewegungsmittel. Es sei auch Zeichen eines neues Lebensstils, bei dem man darauf achte, seine Besorgungen nicht mit dem Auto in der Großstadt zu erledigen, sondern im überschaubaren Bereich. »Viele Leute in Frankfurt haben gar kein Auto mehr.« Die Verkehrswege müssten diesem Trend angepasst werden. Zum Beispiel auf der hoffentlich bald sanierten Kaiserstraße, wo sich die Radfahrer derzeit »durchmogeln« müssten, weil Autos überall falsch parken.

Wie man’s besser macht, könne man sich anderswo abschauen. Zum Beispiel in Bad Nauheim, wo es an einigen Kreuzungen Abbiegespuren für Radfahrer gibt. Den Grünen wird gerne das Etikett »Verbotspartei« angeheftet. Es gehe gar nicht um Verbote, sagt Mewes. Eher darum, Lebensstile zu entwickeln, die anderen Leuten das Umsteigen vom Auto aufs Rad leichter machen. »Viele Menschen wollen eine hohe Lebensqualität und gleichzeitig nachhaltig leben.«

Sind die Grünen Spaßverderber?

Friedberg sei laut Statistik die jüngste Stadt im Kreis. »Es gibt hier viele verschiedene Lebensentwürfe, die Stadt bietet eine große Vielfalt.« Und die Grünen seien alles andere als Spaßverderber: »Man kann auch ohne dickes Auto Spaß haben.« Und durch ökologisches Handeln dafür sorgen, dass die Welt für kommende Generationen erhalten bleibt.

Über solche Themen zu diskutieren, auch zu streiten und gemeinsam mit anderen Parteien Lösung zu finden, das sei der Reiz der Kommunalpolitik. Üben kann sich Mewes darin tagtäglich. Seine Freundin, die er bei der Arbeit im Kuratorium des Deutschen Studentenwerks kennenlernte, ist FDP-Mitglied.

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