Die Helmut-von-Bracken-Schule in Friedberg bleibt als Förderschule bestehen.	FOTO: NICI MERZ
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Die Helmut-von-Bracken-Schule in Friedberg bleibt als Förderschule bestehen. FOTO: NICI MERZ

Weniger Förderschulen

  • vonJürgen W. Niehoff
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Wetteraukreis (jwn). Immer mehr Kinder und Jugendliche mit Behinderungen werden inzwischen an Regelschulen unterrichtet. Deshalb wird der Wetteraukreis ab sofort nur noch zwei Förderschulen zur Integration behinderter Kinder betreiben: in Friedberg und Ortenberg. Mit Beginn des Schuljahrs 2021/22 soll eine dritte Förderschule in Butzbach hinzukommen. Zudem gibt es zwei Schulen in Trägerschaft des Landeswohlfahrtsverbands: die Johann-Peter-Schäfer- und die Johannes-Vatter-Schule in Friedberg.

Die 9. Fortschreibung des Schulentwicklungsplans war in der Kreistagssitzung am Mittwoch nicht unumstritten. Vor allem die Vertreter der AfD brachten Einwände gegen die Inklusion behinderter Kinder an Regelschulen vor. Die Lehrer und vor allem auch die Schüler seien überfordert, meinte AfD-Fraktionsvorsitzender Michael Kuger.

Anderer Ansicht war der Großteil des übrigen Kreistags. »Durch die Neuausrichtung in diesem Bereich sind sogar Freiräume für neue Aufgaben im schulischen Bereich entstanden«, widersprach Jörg-Uwe Hahn (FDP). »Die Brunnenschule in Bad Vilbel ist ein gutes Beispiel dafür.«

Nur noch 125 Kinder in zwei Schulen

Auch Landrat Jan Weckler (CDU) erhob seine Stimme zugunsten der Neuausrichtung: »Die Eltern behinderter Kinder haben nun die Wahl zwischen Förderschule und Regelschule. Und überwiegend wählen sie die Regelschule.« Inzwischen besuchten rund 500 ehemalige Förderschüler die Regelschulen, und nur noch 125 Kinder seien in den beiden verbliebenen Förderschulen untergebracht. Zu wenig, um fünf Förderschulen zu unterhalten.

Nach dem fünfjährigen Modellversuch »Inklusive Bildung«, dessen Ergebnis nun in der Fortschreibung des Schulentwicklungsplans fließt, werden von den fünf bisherigen Wetterauer Förderschulen für Lernhilfe drei geschlossen: die Brunnenschule in Bad Vilbel, die Gabriel-Biel-Schule in Butzbach und die Gudrun-Pausewang-Schule in Nidda. In Bad Vilbel und Nidda werden seit dem Ende des Modellversuchs ohnehin keine Kinder mehr unterrichtet. Erhalten bleiben die Helmut-von-Bracken-Schule in Friedberg und die Erich-Kästner-Schule in Ortenberg. Die Förderschule in Butzbach soll aber ab dem Schuljahr 2021/22 wieder behinderte Kinder aufnehmen.

Mit Ausnahme der AfD und der Piraten sowie einige wenige Enthaltungen stimmte eine große Mehrheit für die Annahme des neuen Schulentwicklungsplans.

Kein Sozialfonds für Digital-Unterricht

Keine Mehrheit fand der Antrag der Linken auf Einrichtung eines Sozialfonds für die Ausstattung der Schulen mit digitalen Endgeräten und der Förderung eines Internetzugangs. Denn nicht alle Familien könnten ihren Kindern die Teilnahme am coronabedingten digitalen Unterricht ermöglichen. »Es gibt viele einkommensschwache Familien, die weder mit einem Computer oder Tablet ausgerüstet sind und auch keinen Zugang zum Internet haben«, argumentierte Linken-Sprecherin Gabi Faulhaber. Bund- und Landesregierung stellten nun zwar Mittel in Aussicht, doch das reiche nicht. Denn übrig blieben pro Kind maximal 150 Euro - zu wenig für Tablet und Drucker. Zudem koste der Internetzugang monatlich auch eine Gebühr. Die Linke fordert deshalb auf Landesebene einen Sozialfonds. Der Kreis solle 150 000 Euro beisteuern.

Landrat Weckler konterte, im Kreis stünden 19,7 Millionen Euro für die Digitalisierung der rund 2000 Klassenzimmer bereit. Daran werde gearbeitet. Hinzu kämen wegen Corona 500 Millionen Euro des Bundes; hier seien aber bislang keine Förderrichtlinien bekannt. Weckler: »Wir wünschen uns auch, dass es schneller geht. Aber die Krise ist gerade mal drei Monate alt. So etwas haben wir alle noch nicht erlebt.«

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