Mit und ohne Gesichtsmaske: Viele Besucher der Friedberger Kaiserstraße tragen auch außerhalb der Geschäfte einen Mund-Nasen-Schutz. Nur wenige weigern sich, die Schutzregeln gegen das Corona-Virus einzuhalten.		FOTO: NICI MERZ
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Mit und ohne Gesichtsmaske: Viele Besucher der Friedberger Kaiserstraße tragen auch außerhalb der Geschäfte einen Mund-Nasen-Schutz. Nur wenige weigern sich, die Schutzregeln gegen das Corona-Virus einzuhalten. FOTO: NICI MERZ

Corona und kein Ende

Nur wenige Kunden verweigern die Gesichtsmaske

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Die Corona-Infektionszahlen steigen, auch in derWetterau. Gleichzeitig sinkt bei manchen Bürgern die Bereitschaft, in Geschäften oder Fußgängerzonen eine Gesichtsmaske zu tragen.

Es ist kurz vor Ladenschluss, ein älterer Mann will in einem Discounter in Friedberg einkaufen. Er trägt keinen Mund-Nasen-Schutz, hält stattdessen die flache Hand mit gespreizten Fingern vors Gesicht. Damit kommt er nicht am Sicherheitspersonal vorbei. »Ohne Maske kein Zutritt«, sagt der Uniformierte. Der ältere Mann fängt an zu diskutieren, aber seine Bemühungen sind zwecklos. »Wir haben unsere Anweisungen.«

Gesichtsmasken sollen andere Menschen schützen. »Wer sie nicht trägt, gefährdet seine Mitmenschen. Das erhöht die Gefahr der Ansteckung«, sagt eine Friedbergerin. Sie kann nicht verstehen, dass es »Leute gibt, die sich völlig unbedarft« verhalten. »Die nehmen in Kauf, dass ich mich anstecke. Unglaublich!«

Vielen sei die Maske lästig, sagt ein Rentner, der die Maske nicht nur im Geschäft, sondern auch auf der Kaiserstraße trägt. »Ich gehe nicht ohne Maske vor die Tür.« Wie lästig Masken sind, kann man am Ausgang des Aldi-Marktes in der Fauerbacher Straße beobachten. Viele Kunden ziehen sofort nach Verlassen die Maske runter, atmen tief durch. Einem Mann ist die Brille angelaufen, er sieht nichts. »Und der Stoff ist zu dick. Ich kriege kaum Luft.« Was tun? »Eine leichtere Maske kaufen. Oder ein Gesichtsschild aus Plastik.« Die sind laut US-Forschern aber weniger zuverlässig als Stoffmasken.

Eine Supermarkt-Kassiererin erzählt, sie habe schon Kunden aus dem Geschäft verwiesen. »Die ziehen sich den Pullover notdürftig übers Gesicht. Die Leute sind vergesslich.« Ihr Tipp: die Zweit-Maske. Passt in jede Jackentasche.

Wütend war die Kundin eines Drogeriemarktes in Bad Nauheim. Die Frau wollte sich am Eingang die Hände desinfizieren, suchte vergeblich nach Desinfektionsmittel. Eine Verkäuferin habe ihr gesagt, dafür habe man kein Geld, sie könne sich gerne bei der Geschäftsleitung beschweren.

Nur wenige Kunden ohne Maske

In anderen Geschäften gibt es diese Probleme offenbar nicht. »Wenn mal jemand die Maske nicht aufhat, weisen wir die Kunden freundlich darauf hin«, sagt die Verkäuferin eines Friedberger Modegeschäfts. »Das kann ja mal passieren, die allermeisten haben ihre Maske einstecken.« Renitente Masken-Verweigerer habe sie noch keine erlebt. »Die fahren nach Berlin oder an den Bodensee und berichten in Facebook davon, mit Fotos, auf denen niemand eine Maske trägt. Die Menschheit wird immer bekloppter.«

»Das ist doch nur ein dünnes Stück Stoff«, sagt ein Rentner aus Niddatal, der auch in Corona-Zeiten auf der Kaiserstraße einkauft: »Gerade jetzt. Ich unterstütze lieber den lokalen Einzelhandel als Jeff Bezzos und seine Kleinlasterflotte, die die Innenstädte verstopft.«

Eine Umfrage auf der Kaiserstraße zeigt, dass gerade ältere Menschen die Lässigkeit im Umgang mit den Hygienevorschriften nicht nachvollziehen können. »Abends stehen dort hinten vor der Kneipe oft junge Leute eng zusammen. Denen ist die Ansteckungsgefahr offenbar völlig egal.«

Es gibt aber auch positives zu berichten. Eine Frau erzählt, sie habe im Discounter beobachtet, wie ein Kunde der Kassiererin einen Blumenstrauß schenkte und sich für ihren Einsatz in diesen schwierigen Zeiten bedankte. »Das fand ich klasse. Auch die Supermarkt-Kassiererinnen zählen zu den Helden und Heldinnen der Corona-Krise.«

Eine Leserin erzählt von einem Vorfall in einem Bad Nauheimer Elektromarkt. Ein Kunde weigerte sich, eine Maske zu tragen. Verkäufer und der Geschäftsführer hätten ihn höflich darum gebeten, der Mann habe sich aber geweigert - und den Markt schließlich brüllend und Flüche ausstoßend verlassen.

»Die meisten Kunden verhalten sich absolut korrekt«, sagt eine Buchhändlerin aus Bad Nauheim, kennt aber auch Ausnahmen: »Leute, die reinkommen und ein Attest vom Hausarzt vorzeigen, dass sie wegen Atembeschwerden keine Maske tragen könnten.« Und die dann das Buch »Corona Fehlalarm« kaufen...

Die Angestellten im Einzelhandel wollen nicht »der Buhmann sein«, sagt eine Händlerin. »Wir machen die Hygienevorschriften nicht. Wir geben die Regeln nur weiter.« Kommt’s hart auf hart, müssen sie Kunden wegschicken. »Das ist eigentlich nicht unser Job«, sagt die Händlerin und bittet um Verständnis. »Wenn wir alle Masken tragen und auf den Abstand achten, können wir unser Geschäft fast ganz normal betreiben.« Das sei ihr tausend Mal lieber als der nächste Lockdown.

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