Die Sanierungsarbeiten im "Steinernen Haus" (l.) und im "Haus Fertsch" (r.) sind weitgehend abgeschlossen. Anders die Gebäude im Hof. Hier ruhen derzeit die Arbeiten, sollen aber schon bald wieder aufgenommen werden.
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Die Sanierungsarbeiten im »Steinernen Haus« (l.) und im »Haus Fertsch« (r.) sind weitgehend abgeschlossen. Anders die Gebäude im Hof. Hier ruhen derzeit die Arbeiten, sollen aber schon bald wieder aufgenommen werden.

Friedberger Kernstadt

Friedberg: Baustopp im »Kaiserhof« wegen Insolvenz - Wie geht es nun weiter?

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Auf der größten Baustelle der Friedberger Kernstadt geht alles seinen Gang. Aber nur auf der einen Seite des Geländes. Auf der anderen Seite ruht die Arbeit. Die Dreger Immobilien & Projekt GmbH musste Insolvenz anmelden.

Friedberg - Der »Kaiserhof« werde »ein Schmuckstück für Friedberg«. Davon ist Astrid Dreger nach wie vor überzeugt. »Nur verzögert sich das Projekt jetzt leider«, sagt die Geschäftsführerin der Bad Nauheimer Dreger Immobilien & Projekt GmbH. »Wir hatten viel Pech.« Ein Investor sprang ab, vereinbarte Überweisungen blieben aus, der Gang vors Amtsgericht war unausweichlich.

Bernhard und Astrid Dreger haben in Bad Nauheim schon so manche alte Villa wieder auf Vordermann gebracht. Regelrechte Schmuckstücke entstanden. Das »Schmuckstück« in der Friedberger Innenstadt ist ein etwas größeres Kaliber. Auf dem ehemaligen Breitenfelder-Gelände wurden bzw. werden fünf Gebäude saniert, um- oder neugebaut, darunter mit der Kaiserstraße 118 das älteste Steinhaus Friedbergs. Dieses »Haus der Deutsch-Ordenskommende« stammt aus dem 12. Jahrhundert. Daneben befindet sich in der Kaiserstraße 120 das »Haus Fertsch«, das im 14. Jahrhundert erbaut wurde und den Deutschordensrittern als Faktorei (Handelsniederlassung) diente.

Im Hof stehen ein wuchtiges Natursteingebäude, die ehemalige Kaffeerösterei der Firma Fertsch und ein flaches Gebäude aus den 1960er/70er-Jahren. Komplettiert wird das Ensemble durch einen Neubau, der sich längs der Stadtmauer hinzieht und von dem bislang nur das Erdgeschoss steht. Die Wohnungen in den beiden Häusern an der Kaiserstraße sind weitgehend fertig. Ein Schuhgeschäft, ein Psychologe und die IT-Abteilung des Wetteraukreises sind eingezogen. Die Arbeiten an den rückwärtigen Gebäuden und am Neubau ruhen seit Monaten.

Auf dem 4000 Quadratmeter großen Areal, das die Dreger GmbH 2016 erworben hat, sollen 40 Eigentumswohnungen zwischen 80 und 140 Quadratmeter entstehen, in hochwertiger Ausführung: »Das Beste vom Besten: Absolute Spitzenfabrikate der Armaturen und Bedienelemente sowie eine High-Class-Ausstattung bei den Sanitärelementen sind obligatorisch«, heißt es auf der Internetseite des Unternehmens.

Friedberg „Kaiserhof“: 90 Wohnungen in der Innenstadt

Aus zum Teil denkmalgeschützten Gebäuden werden energieeffiziente Altbauten: Ein ambitioniertes Projekt, das mehr Leben in die Friedberger Innenstadt bringen soll. Nebenan errichtet die Werkmann-Gruppe aus Dietzenbach das »City-Quartier« mit weiteren rund 50 1- bis 4-Zimmer-Wohnungen samt Tiefgarage.

Dreger realisiert sein Projekt mit dem Friedberger Architekturbüro Müller & Kölsch. Wie sehr es sich verzögert hat, zeigt ein Blick ins Zeitungsarchiv: Mitte 2018 sollten die Wohnungen bezugsfertig sein, hieß es 2016. Die Rede war von einer Investition in Höhe von 8,5 Millionen Euro.

Aber irgendwann gingen den Bauherren die Gelder aus, und dafür gibt es laut Astrid Dreger einen Grund. Die Wohnungen der beiden vorderen Häuser wurden einzeln verkauft. Für die drei weiteren Gebäude habe es mehrere Kaufinteressenten gegeben. Ein Investor habe sie monatelang hingehalten, dann zerschlug sich der Deal. »Dadurch haben wir ein halbes Jahr verloren.«

Mit einem weiteren Investor wurde man handelseinig. Der Käufer habe auch seine Einlage gezahlt, um ins Grundbuch eingetragen zu werden. »Danach haben wir keine Zahlungen mehr von ihm erhalten«, sagt Astrid Dreger, die nach einer Erkrankung ihres Mannes im vergangenen Jahr die Geschäfte derzeit alleine führt.

Jetzt hatten die Rechtsanwälte das Wort. Nach einem Jahr sei man sich mit dem Käufer einig geworden. Er tritt von der Vereinbarung zurück. Dreger: »Wir haben weitere Interessenten an der Hand, die kaufen wollen.«

Das Verhalten des Geschäftspartners hat Konsequenzen. Handwerksfirmen warten auf ihr Geld. Astrid Dreger kann verstehen, dass manche Handwerker verärgert sind. Sobald die drei Objekte verkauft seien, werde man den Firmen ihr Geld überweisen. »Wir sind seit etlichen Jahren am Markt, haben immer unsere Rechnungen bezahlt«, sagt Dreger und betont, man setzte bevorzugt auf Handwerker aus der Region. Mit dem Verkauf der drei Gebäude im Hof sei auch das (bislang nur angemeldete, noch nicht eröffnete) Insolvenzverfahren vom Tisch, ist sich Astrid Dreger sicher.

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