Beste Lage, aber seit sieben Jahren leer: Das ehemalige Kaufhaus Joh in Friedberg. Nun haben die Stadtspitze und der Eigentümer einen städtebaulichen Vertrag abgeschlossen. Es wird wohl noch dauern, bis die Sanierung beginnt. FOTO: NICI MERZ
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Beste Lage, aber seit sieben Jahren leer: Das ehemalige Kaufhaus Joh in Friedberg. Nun haben die Stadtspitze und der Eigentümer einen städtebaulichen Vertrag abgeschlossen. Es wird wohl noch dauern, bis die Sanierung beginnt. FOTO: NICI MERZ

Ehemaliges Kaufhaus Joh in Friedberg

Wegen Corona: Suche nach Mietern verzögert Sanierungsbeginn

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Kaufhaus Joh - das ist für Friedberg eine unendliche Geschichte. Und es könnten noch ein paar Jahre ins Land gehen, ehe wieder Leben in das Gebäude am Elvis-Presley-Platz einzieht.

Seit sieben Jahren herrscht in der besten Verkaufslage Friedbergs Stillstand. Das Gebäude des ehemaligen Kaufhauses Joh wird zwar hin und wieder mit einem neuen Plakat-Zaun bestückt (Schneemotive im Winter, Sandstrand im Sommer), mehr Aktivitäten sind rein äußerlich aber nicht zu erkennen.

Hinter den Kulissen freilich wird gearbeitet. Die Stadtverordneten hatten Ende 2019 mehrheitlich beschlossen, die Stadtverwaltung solle "im Interesse der Stadtentwicklung" mit dem Münchner Eigentümer 3 V Invest einen städtebaulichen Vertrag aushandeln. Darin sollten dem Investor "eine Bebauungsfrist und andere Festsetzungen (u. a. zur äußeren Gestaltung des Gebäudes) auferlegt werden". Jetzt liegt der Vertrag vor. Ob er den Stadtverordneten auch zusagt, bleibt abzuwarten.

Erste Präsentation im Ortsbeirat

Der Ausschuss für Stadtentwicklung wird sich kommenden Mittwoch (26. August, 19 Uhr in der Stadthalle) mit dem Joh-Gebäude beschäftigen. Am Mittwochabend wurde der städtebauliche Vertrag im Ortsbeirat der Kernstadt erstmals in Augenschein genommen. Die Mitglieder hatten die Unterlagen erst wenige Tage zuvor erhalten, eine Diskussion blieb aus. Lediglich Rudi Mewes (Grüne) meldete sich zu Wort und kritisierte einen entscheidenden Punkt in dem Vertrag: "Warum soll dieser Vertrag für uns von Vorteil sein? Theoretisch könnte es sechs Jahre dauern, bis es mit den Bauarbeiten losgeht."

In der Beschlussvorlage ist die Rede von "schwierigen Verhandlungen" mit dem Eigentümer. Letztlich sei aber ein Einvernehmen über den Vertragstext erzielt worden. Mit dem Vertrag "sollen Inhalte geregelt werden, die nicht im Bebauungsplan festgesetzt werden können bzw. die der Umsetzung von Festsetzungen im Bebauungsplan dienen."

In Paragraph 1 heißt es: "3 V Invest verpflichtet sich, einen Bauantrag zur Umnutzung des Bestandsgebäudes innerhalb von drei Jahren nach Rechtskraft des Bebauungsplans zu stellen und mit der Umsetzung des Umbau- und Sanierungsvorhabens innerhalb einer weiteren Frist von einem Jahr nach Erteilung der Baugenehmigung zu beginnen." Der Bebauungsplan ist noch nicht beschlossen, muss noch genehmigt werden. Das kann dauern. Laut Vertrag sind somit "vier Jahre plus x" möglich

Der Passus geht aber weiter: "3 V Invest steht das Recht einer Verlängerung der Frist zur Einreichung des Bauantrags um max. zwei Jahre zu, wenn drei Monate vor Fristablauf der Nachweis erbracht wird, dass innerhalb der Dreijahres-Frist keine Mietverhältnisse über mind. 75 % der Fläche des Bestandsgebäudes zustande gekommen und die Gründe hierfür von 3 V Invest nicht zu vertreten sind." Im Klartext: Es könnten auch "sechs Jahre plus x" werden, bis die Bauarbeiter anrücken.

Corona-Pandemie hinterlässt Spuren

Dr. Christiane Pfeffer, Leiterin des Amtes für Stadtentwicklung, Liegenschaften und Rechtswesen, nahm im Ortsbeirat dazu Stellung. Sie sprach von Verhandlungen mit den Eigentümern, "die nicht gerade spaßig waren. Ich dachte, die gehen gleich." Das Ergebnis sei ein Kompromiss. Bei den Fristen kam die Stadt dem Investor entgegen. Das hat seine Gründe, wie Pfeffer erläuterte. Durch die Corona-Pandemie seien dem Eigentümer die Interessenten weggebrochen. Dieser müsse nun neu erkunden, wie er die einzelnen Stockwerke nutzen kann, welche Interessenten es trotz Corona noch gibt. "Die Wirtschaftslage ist eine andere als vorher", sagte Pfeffer.

Andererseits habe der Investor glaubhaft versichert, dass er einen Bauantrag für das gesamte Gebäude stellen wolle, nicht nur für jeweils ein Stockwerk. Das ist auch eine Kostenfrage. Erst wenn die Nutzungen zu mindestens 75 Prozent feststehen, könne der Investor die komplette Sanierung in Angriff nehmen.

Weitere Festsetzungen im städtebaulichen Vertrag betreffen die Verbreiterung des Gehwegs in der Färbergasse um 1,50 Meter und die Schaffung von drei Pkw-Stellplätzen an dieser Stelle, davon mindestens zwei als Behindertenparkplätze. Hinsichtlich Dach und Fassade wird auf die denkmalgeschützte Gesamtanlage der Kaiserstraße hingewiesen. Änderungen müssten sorgfältig geprüft werden.

Das gilt auch für den geplanten Neubau an der Ecke Färbergasse/Schnurgasse, der die Stadtkirche und den Stadtkirchenplatz optisch beeinträchtigt könnte. Die Vertragspartner einigten sich auf eine "sorgfältige Gestaltung".

Knapp 60 Angestellte verloren ihren Job

Mit der Corona-Krise hat das Kaufhaussterben eine neue Dimension erreicht. Vom Gedanken, im ehemaligen Kaufhaus Joh wieder ein klassisches Kaufhaus einzurichten, haben sich die Akteure schon lange verabschiedet. Stattdessen wird ein Mix von Wohnen und Gewerbe angestrebt. Im Frühjahr 2013 hatte die in Gelnhausen ansässige Kaufhauskette Joh Insolvenz angemeldet. An fünf Standorten wurden Kaufhäuser geschlossen, auch in Friedberg, obgleich diese Filiale nach Auskunft der damaligen Eigentümer gut lief und schwarze Zahlen schrieb. Knapp 60 Angestellte verloren ihren Job und die Friedberger Innenstadt einen Magneten, der Kunden anzog. Zeitweise war das Gebäude an einen Restpostenanbieter vermietet, seit Jahren steht es leer. Nach der Insolvenz ging das viergeschossige Gebäude mit rund 8000 Quadratmeter Nutzfläche ins Eigentum der britischen Edinburgh-House-Gruppe über, die es im November 2016 an die 3 V Invest aus Grünwald bei München veräußerte.

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