bk_steh3-B_121020
+
Ja, schon richtig, der Waschbär ist ein possierliches Kerlchen. Aber er ist auch eine Gefahr für die Vogelwelt. (Symbolbild)

Natur und Mensch

Wetterau: Stadt will jetzt mit Fallen Jagd auf Waschbären machen

  • Jürgen Wagner
    VonJürgen Wagner
    schließen

Eine Stadt in der Wetterau will ein Waschbär-Management einführen: Mit Fallen sollen die Tiere erst eingefangen und dann getötet werden.

Friedberg – An Maskenträger hat man sich ja allenthalben gewöhnt. Auf den »Gauner mit der Maske«, wie der Waschbär auch genannt wird, würden viele Menschen aber gerne verzichten. Die Stadt Friedberg plant nun zusammen mit Jägern ein Waschbär-Monitoring. Um den Eindringling zu bekämpfen, wird eine Meldestelle eingerichtet.

Wetteraukreis: Waschbären zählen zu den invasiven Tierarten

Um einem Argument gleich entgegenzutreten: Hyänenbabys sind auch total süß. Aber will man die deshalb gleich im Garten oder unterm Dach haben? Die CDU hatte Anfang 2020 vorgeschlagen, ein Waschbär-Management einzurichten. Zusammen mit Jagdpächtern sollen Fallen angeschafft werden. Der Waschbär zählt laut EU zu den »100 schlimmsten invasiven Tierarten des Kontinents«; über 1,3 Millionen Exemplare solle es allein in Deutschland geben. Invasiv heißt »eindringend«; der Ausdruck wird für Krebsgeschwüre, aber auch für ortsfremde Tierarten gebraucht, die Amphibien, Reptilien und geschützte Brutvögel jagen.

Patrick Stoll (CDU), Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung, hatte als Sachverständigen Joachim Kunze eingeladen. Kunze, Lehrer, Musiker, Jäger und seit kurzem für die CDU Mitglied im Ortsbeirat der Kernstadt, erläuterte die Dringlichkeit eines Waschbär-Managements.

Wetteraukreis: 50 Waschbären pro Jahr gefangen

Kunze betreut mit einem Kollegen das Jagdrevier Friedberg. In Feld und Flur fange man jährlich 50 Waschbären. Es kämen immer wieder Hilferufe von Hausbesitzern, unter deren Dach sich eines der Tieres eingenistet hat. Haben sich Waschbären einen Ort zum »Strullern« ausgesucht, kehren sie immer wieder dorthin zurück. Bis die Decke einstürzt.

»Die Waschbären haben bei uns ein Paradies«, sagte Kunze. Es gibt keine natürlichen Feinde, aber viele Mülltonnen mit Fressbarem. In Kanada, erzählte Kunze, haben Waschbären gelernt, abgeschlossene Mülltonnen zu öffnen. Jagen könne man sie nur mit Fallen. Um eine Falle aufzustellen, muss man den Fallenjagdschein machen. Und dann? Aussetzen oder transportieren darf man die Tiere nicht. Sitzt der Gauner mit der Maske in der Falle, wird der Jäger gerufen. An dieser Stelle hüllen wir eine Decke des Schweigens über das Kommende. Nur soviel: Der Jäger hat sein Schießgewehr dabei. Leichtfertig gehen die Jäger damit aber nicht um, wie ein anderes Beispiel zeigt: Der Bestand an Rebhühnern hat sich in der Wetterau soweit erholt, dass sie in zehn Revieren wieder gejagt werden dürfen. Wie Kunze erzählte, hat aber niemand den Finger am Abzug. »Ein befreundeter Jäger sagte mir: Ich kann doch nicht schießen, wenn diese schönen Vögel hochfliegen.« Waschbären haben da keine Scheu.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare