Hans-Dieter Stehr
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Hans-Dieter Stehr

Gebietsfremde, invasive Art

Waschbär-Jagd: Jäger klar für Jagd der Räuber

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Jäger Hans-Dieter Stehr spricht sich für eine Waschbär-Jagd aus. Er sieht andere Tiere bedroht und warnt vor einer Verniedlichung.

Wetteraukreis/Friedberg - »Scheingefechte« sind aus Sicht von Hans-Dieter Stehr, Jäger, Umweltschutzpreisträger aus Büdingen-Wolf, die Verlautbarungen, mit denen sich der Friedberger Grünen-Stadtverordnete Bernd Stiller und Frank Uwe Pfuhl von der NABU-Regionalstelle Wetterau zur Waschbärbejagung äußern.

Wie die WZ berichtete, war die Frage »Waschbären bejagen, ja oder nein?« Thema in der jüngsten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung. Stiller wollte erst mal weitere Informationen hinsichtlich einer potenziellen Gefahr durch Waschbären haben und Alternativen zur Bejagung geprüft wissen. Pfuhl hatte klargestellt, dass der NABU Wetterau eine Bejagung des Waschbären nicht befürworte. Die CDU hatte die Bejagung des Tieres in Friedberger Gemarkung beantragt.

Waschbär-Jagd: Geänderte Verordnung in Kraft

Für Stehr, Jagdpächter des Reviers Büdingen-Wolf, gehen alle Grünen- und NABU-Argumente an der Praxis vorbei. Denn die Jäger hätten ihre Arbeit gemacht und lieferten seit Jahren Monitoringzahlen bei Feldhase, Rebhuhn und Wildente. »Wir kommen jetzt mit Fakten und nicht mit billigem Polit-Naturschutz«, äußert sich der Umweltschutz-Preisträger.

Am 25. Februar sei eine geänderte Verordnung in Kraft getreten, nach der Jungwaschbären wieder ganzjährig bejagbar seien.

Und nach EU-Recht sei der Waschbär seit 2016 als gebietsfremde und invasive Art aufgelistet; seine scharfe Bejagung werde gefordert. Für Stehr liefern sowohl der Grünen-Stadtverordnete, als auch der NABU-Sprecher genug »Munition für eine sinnvolle und tierschutzgerechte Waschbärbejagung«. Der Jäger kenne namentlich in der Region mehrere Dachdecker, deren Auftragsbücher nur mit Dachreparaturen wegen durch Waschbären verursachten Schäden gefüllt seien. Gleichermaßen liefere er gerne Namen und Adressen von Hausbewohnern und aufgeschreckten Frauen, die Waschbären im Blumenkasten und in der Küche hätten. »Sachkundige Unterstützung« finde der Friedberger Magistrat bei jedem ehrlichen Naturschützer, der Sorge um seine sensiblen Arten habe.

Waschbär-Jagd: Stehr warnt vor Verniedlichung des Räubers

Stehr warnt vor einer Verniedlichung des Räubers: »Aus dem kleinen Waschbär wird in wenigen Wochen ein Raubtier, das Rebhuhnküken, kleinen Feldhasen, Feldhamstern oder Kibitzen keine Chance lassen. Außerdem sollte man wissen, dass bei allem Naturschutzgeplänkel der Waschbär dem Jagdrecht unterliegt. Deshalb können nur Jäger - und auch hier vor allem geprüfte Fangjagdspezialisten - eingreifen.« Stehr warnt auch vor einer Verharmlosung bei Krankheiten. Eine nicht mehr regulierte Waschbärpopulation übertrage nicht nur Spülwürmer, sondern sei auch Überträger viel gravierender, auch für Hunde tödlich verlaufender, Krankheiten.

Stehr berichtet aus seinem Revier Büdingen-Wolf: »Vor der politisch gewollten Halbierung der Fangzeit auf Waschbären 2019 habe ich 2018 alleine in einem Naturgarten in Wolf mit Amphibienteichen, Nistkästen und Streuobstbeständen in nur vier Wochen 22 Waschbären gefangen und der Wildbahn entnommen. Warum? Alle schützenswerten Vogel- und Tierarten waren gefressen, statt Jungvögeln saßen Waschbären in den Nistkästen und fingen aus hohlen Baumstämmen Steinkäuze! Nach meinem Eingreifen haben sich Amphibien und Singvögel wieder eingestellt. Verloren habe ich durch Waschbären mein einziges Rebhuhnvolk im Feld.«

Gerade in der Aufzuchtzeit ihres Nachwuchses seien die Waschbären besonders aktiv, plünderten Gelege von bodenbrütenden Arten wie dem Rebhuhn, erbeuteten den Nachwuchs von Feldhamstern, Kaninchen und Hasen oder besetzten die Horste von Uhu und Schwarzstorch. Stehr argumentiert auch damit, dass die ehrenamtliche Fallenjagd der Jäger zeit- und kostenintensiv, aber auch tierschutzkonform sei und ausschließlich der Natur diene. 

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