Die Sirenen in der Wetterau laufen noch analog, das Signal am Warntag jedoch wurde digital ausgelöst. In Karben etwa blieb es vergangene Woche darum mit Ankündigung der Feuerwehr ruhig.
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Die Sirenen in der Wetterau laufen noch analog, das Signal am Warntag jedoch wurde digital ausgelöst. In Karben etwa blieb es vergangene Woche darum mit Ankündigung der Feuerwehr ruhig.

Bundesweiter Warntag

Nach Warntag in der Wetterau: Darum waren viele Sirenen nicht zu hören

  • vonKatharina Gerung
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Am Warntag ging einiges schief. Viele Wetterauer bekamen nichts mit und fragen sich nun: Was passiert im Ernstfall? Kreisbrandinspektor Lars Henrich schildert, wie die Wetterau aufgestellt ist.

Hinter verriegelten Fenstern und Türen hat sie angespannt gewartet - und dann ist nichts passiert. Barbara Künstler aus Bad Nauheim hatte sich für den sogenannten Warntag am vergangenen Donnerstag freigenommen, um bei ihrem Hund zu bleiben. Wie sich dann herausstellte, wäre das gar nicht nötig gewesen, denn gehört hat sie nichts. An einen echten Katastrophenfall will Künstler nun gar nicht denken: »Sollte wirklich etwas passieren, dann stehen wir blöd da.«

Die Bundesregierung hat die Aktion noch am selben Tag als »fehlgeschlagen« bezeichnet. Um 11 Uhr sollten erstmals seit der Wiedervereinigung deutschlandweit verschiedene Warnsysteme ausgelöst werden, doch statt auf einen Ka-tastrophenfall vorzubereiten, offenbarte der Warntag vor allem Lücken bei der Alarmierung der Bevölkerung. Zum einen wurde deutlich, dass es vielerorts gar keine Sirenen mehr gibt, zum anderen kamen Gefahrenmeldungen der Warn-Apps mit Verspätung an.

Warntag in der Wetterau: Sirenen sicherer als Mobilfunk

»Im Barbaraviertel habe ich die Sirenen nur gehört, weil ich gerade draußen stand und wusste, dass was zu hören sein müsste. Der Rest der Familie war nicht zu Hause und hat gar nichts gehört«, kommentiert ein Facebook-Nutzer auf der WZ-Seite: »Das Usa-Tal soll offenbar das Tal der Ahnungslosen bleiben.« Das Feedback der Wetterauer ist analog zur Sirenen-Hörbarkeit durchwachsen. Selbst Bürger derselben Stadt hörten die schrillen Töne je nach Lage entweder überhaupt nicht, ein bisschen oder ganz klar. Bei einigen führte dies zur Frage nach der Sinnhaftigkeit der Sirenen.

»Sirenen sind sogar sehr wichtig«, entgegnet Kreisbrandinspektor Lars Henrich. Letzten Endes sei es zwar der Mix aus Sirenen und anderen Warn-Multiplikatoren, der Erfolg versprechend sei, doch spezielle Apps sollten die Sirenen nur ergänzen und nicht ersetzten. »Das Mobilfunknetz ist störanfällig«, sagt Henrich. Das habe sich auch am Warntag gezeigt. Das Funknetz des Rettungsdienstes dagegen habe andere Spezifikationen und sei um einiges verlässlicher.

Warntag in der Wetterau: Kein flächendeckendes Netz aus Sirenen

Dennoch steht auch die Wetterau vor einem bundesweiten Problem: »Die Sirenen-Infrastruktur ist nicht mehr so flächendeckend, wie sie es einmal war«, sagt der Kreisbrandinspektor. Bis in die 90er Jahre habe es ein gut ausgebautes Netz aus Sirenen gegeben, das die Bevölkerung etwa vor Luftangriffen warnen sollte. Nach Ende des Kalten Krieges aber seien die Sirenen nach und nach abgebaut und an die Kommunen übergeben worden, die dann nur teilweise Gebrauch davon machten.

»Darum gibt es auch in der Wetterau Areale, in denen keine Sirene zu hören ist«, sagt Henrich. Generell gehörten in Orts- und Stadtteilen von normaler Größe ein bis zwei Sirenen zum Standard. »Mit Ausnahme von Butzbach«, sagt Henrich. »Dort gibt es in der Kernstadt gar keine Sirenen.« Insgesamt verteilen sich laut Henrich bis zu 170 Sirenen im Kreis. Davon hätten am Warntag gut fünf Prozent nicht funktioniert. Es werde nun geprüft, woran das gelegen hat.

Warntag in der Wetterau: Kreisbrandinspektor ist optimistisch

Ein weiterer Aspekt erschwerte den Warntag in der Wetterau. Hier funktionieren die Sirenen noch analog, der bundesweite Alarm jedoch wurde digital ausgelöst - Folge: Die Sirenen empfangen das Signal nicht. Dazu bräuchte es die entsprechenden Empfangsgeräte. In Karben etwa blieb es deshalb nach Vorankündigung ruhig. Allerdings laufe derzeit die entsprechende Umstellung und sollte bis Ende des Jahres oder Anfang des nächsten abgeschlossen sein. Dann könne laut Henrich auch der Signalton »Warnung der Bevölkerung« ausgelöst werden. Der war bisher nicht vorgesehen, vergangene Woche wurde darum das klassische »Alarmierung der Feuerwehr zum Einsatz« verwendet.

Trotz der kleinen Makel ist Henrich alles andere als pessimistisch. »Was sich nach dem Warntag herausgestellt hat, war doch zu erwarten«, sagt er. »Es hat uns gezeigt, woran wir noch arbeiten müssen und was noch zu verbessern ist.« Das Ziel bis zum nächsten Warntag im September 2021 ist es daher, dass alle Sirenen im Kreis nicht nur funktionieren, sondern auch digitalisiert sind und die verschiedenen Signaltöne auslösen können. Außerdem, verrät Henrich, sollen noch mehr Sirenen angeschafft werden. Das sei bereits vor dem Warntag der Plan gewesen, die benötigten Mittel dazu seien im Haushalt schon vorgesehen.

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