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War »Muskel-Boy« am Tatort? - Neuer Hinweis im Friedberger Amtsgericht

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Von: Sophie Röder

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Auf der Straße vor der Spielhalle in Karben soll der Angeklagte zwei Männer zusammengeschlagen und versucht haben, sie auszurauben. Er selbst bestreitet, dort gewesen zu sein. Ein neuer Zeuge soll zur Aufklärung beitragen. ARCHIVFOTO: NICI MERZ © Nicole Merz

Drogen und Angriffe mit Messern - diese beiden Komponenten sind bei der Verhandlung gegen einen 23-Jährigen immer wieder Thema. Ein Ende des Prozesses ist noch nicht in Sicht.

Wetteraukreis - Ein 23-Jähriger soll 2020 mehrere Straftaten in der Wetterau begangen haben: darunter Drogenbesitz und -handel, Diebstahl, Raub und Körperverletzungen. Seit Mitte Januar steht der Mann vor dem Friedberger Amtsgericht. Im Fokus standen bislang ein versuchter Raub mit Körperverletzung vor dem »Casino Brilliant« in Karben sowie eine Auseinandersetzung mit Messern und einer Pfeffermühle in Wöllstadt. Nun wurden auch Zeugen zu Tatvorwürfen in Bad Vilbel vernommen.

Prozess in Friedberg: Zeugin äußert sich zu Drogen im Rucksack

Zu Prozessbeginn hatte der Angeklagte eingeräumt, dass er vor einem Rewe-Markt in Bad Vilbel mit einem Rucksack voller Haschisch aufgegriffen worden sei. Der Rucksack habe aber nicht ihm gehört. Er habe ihn nur für »ein Mädchen« getragen.

Diese junge Frau war jetzt als Zeugin geladen. Ja, sie sei mit dem Angeklagten beim Supermarkt gewesen, bestätigte die 21-Jährige. Doch der Rucksack sei seiner gewesen, nicht ihrer. Während sie damals von den Polizeibeamten wegen Ladendiebstahls mit auf die Wache genommen worden sei, sei der Angeklagte geflohen. Von den Drogen im Rucksack habe sie nichts gewusst.

»Wir kannten uns flüchtig, waren nicht näher befreundet«, sagte die 21-Jährige vor Gericht. Von anderen in ihrem damaligen Wohnort Wöllstadt habe sie gehört, der Angeklagte sei »kein guter Umgang«. »Ich weiß nicht mehr, von wem genau, aber das hat sich so rumgesprochen. Am Anfang wusste ich das nicht. Ich war naiv und habe Fehler gemacht, aber daraus gelernt.«

Verhandlung im Amtsgericht: Zeuge zu Messerattacke am Nordbahnhof in Bad Vilbel

Eine andere Tat, die dem Angeklagten vorgeworfen wird, soll sich am Nordbahnhof in Bad Vilbel ereignet haben. Dazu wurde ein 20-jähriger Zeuge gehört. Dieser habe sich demnach mit dem Cousin des Angeklagten dort treffen wollen, um etwas zu klären: Der Angeklagte soll eine Fahrt beim Vater des Zeugen - er ist Taxifahrer - nicht bezahlt haben.

Beim Strafverfahren habe sich aber herausgestellt, dass sein Vater einen falschen Mann angezeigt hatte. »Der Cousin wollte mir den Namen sagen, damit wir das endlich klären können«, sagte der Zeuge am Donnerstag. Deshalb sei er mit seinen Fußballkameraden nach einem Anruf des Cousins zum Bahnhof gefahren.

»Ich bin allein ausgestiegen. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass ich angegriffen werde«, sagte der 20-Jährige. Direkt nachdem er dort angekommen sei, sei der Angeklagte »mit dem Messer auf mich los«. Dem Messer habe er ausweichen können, dabei sei er aber gestürzt. Dadurch habe er Schürfwunden und eine Schulterprellung erlitten.

Der Angeklagte hatte zuvor ausgesagt, der Zeuge sei mit seinen Kumpels zuerst auf ihn losgegangen. Außerdem habe er niemanden verletzt. Das Messer sei nicht seins gewesen, ebenso wenig das Auto, mit dem er am Bahnhof gewesen sei und aus dem er die Waffe genommen habe. Auf mehrfache Nachfrage des Richters, weshalb er das Messer dabei hatte, gab der Angeklagte keine richtige Antwort.

Verzögerung vor Gericht: Polizei führt Zeugen in Handschellen vor

Zuletzt sollte ein Zeuge vernommen werden, der selbst erst vor Kurzem von der Polizei festgenommen worden war. Dabei hatte er angegeben, dass er Informationen zu dem versuchten Raub vor der Spielhalle in Karben habe. Trotz einer Ladung durch die Polizei erschien der Zeuge zunächst nicht vor Gericht.

Daher wurde die Verhandlung am Donnerstagmorgen bereits nach 30 Minuten unterbrochen. Im Laufe des Vormittags konnten Polizisten den Zeugen ausfindig machen. Sie führten ihn in Handschellen vor. Auf Nachfrage des Richters, warum er am Morgen nicht erschienen sei, sagte der Zeuge, er sei bereits auf dem Weg gewesen.

Mit einer Verspätung von knapp zwei Stunden konnte seine Vernehmung dann starten. Doch das Ergebnis war mager: Der Zeuge habe nur von dem Raubversuch gehört, er selbst sei jedoch nicht vor Ort gewesen. Er habe gehört, dass »Muskel-Boy« - unter diesem Namen kenne er den Angeklagten - von der Polizei mitgenommen worden sei, weil er vor der Spielhalle jemanden mit einer Flasche geschlagen haben soll.

Er habe auch gehört, dass eine weitere Person dabei gewesen sei, mit der »Muskel-Boy« regelmäßig in Karben »gechillt« habe. Über diesen Dritten habe der Zeuge den Angeklagten kennengelernt. Besagter Kumpel soll nun ermittelt und an einem weiteren Verhandlungstag vernommen werden.

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