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Bogenschießen

Mit Waffe und Gong: Meditatives Bogenschießen bald in der Wetterau?

  • vonAnnette Hausmanns
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Zwischen Tradition, Meditation und Therapie: Susanna Bader unterrichtet meditatives Bogenschießenin Wiesbaden. In der Wetterau sucht die Friedbergerin dafür nach einem geeigneten Grundstück.

Beim Stichwort Bogenschießen gehen die unterschiedlichsten Fantasien auf Reisen. Von jagenden Höhlenmenschen über Winnetou und selbst gebauten Flitzebögen bis zum Hightech-Sportschützen kann der Bogen reichen. Susanna Bader erging das nicht anders. Dann suchte die Friedberger IT’lerin Bogenschießen-Unterricht für ihre Tochter - und entdeckte für sich selbst im Bogenschießen zwischen Tradition, Meditation und Therapie ihre neue Berufung.

Wenn Susanna Bader ihren hölzernen Langbogen zur Hand nimmt, mit großer Achtsamkeit einen befiederten Pfeil an der Sehne einnockt und sich auf der Startposition aus- und aufrichtet, folgt jeder kleine Handgriff, jede Muskelanspannung, jeder Atemzug einem inneren Plan. "Bodyscan" nennt die Bogenschützin das und ist immer wieder fasziniert, was im eigenen Kopf abgeht. "Ich konzentriere mich, das Gehirn gibt die Feinjustierung vor. Wie eine ›Checkliste‹ vorm Abheben."

Die Angst vor dem Loslassen

Einmal am Abschusspunkt verankert (Ankerpunkte sind die Hand und der Mundwinkel), wird das Ziel ins Auge gefasst, die Sehne gespannt und im richtigen Moment losgelassen, nachgehalten und der Aufmerksamkeitsbogen gehalten, bis der Pfeil gelandet ist. Die Kraft des Bogens zu spüren und mit ihm die eigene Kraft, habe etwas Magisches, berichtet Bader. Man lerne auch, mit der Angst vorm Loslassen umzugehen, sich selbst zu vertrauen. "Ich sehe ja, was ich erreichen kann." Das sei das "Zaubersalz, das uns hilft, besser zu werden, Futter fürs Hirn". Wie man denn am besten trifft? Bader schmunzelt: "Mit offenen Augen." Oberstes Gebot natürlich: Nie auf Lebewesen zielen!

Dabei geht es beim intuitiven und meditativen Bogenschießen gar nicht so sehr ums Treffen, erst recht nicht bei der therapeutischen Ausprägung. Vielmehr übe man das konzentrierte An- und Entspannen, das unmittelbare Zusammenspiel von Geist und Körper. Sie habe schon wunderbare Entwicklungen erlebt, erzählt die Bogenlehrerin von Stressabbau und Zielausrichtung. Die Ausbildung in verschiedenen Entspannungstechniken war für Bader die logische Folge, um das Bogenschießen noch meditativer gestalten zu können und es sogar als therapeutisches Element anzuwenden.

"Das meditative Bogenschießen wird verstärkt mit Atemtechniken und Haltungen aus dem Yoga verbunden", erklärt Bader, zeigt einen Schuss aus der einbeinigen Baumhaltung heraus, aus der Hocke, rückwärts, links-, rechtsherum. Zielen werde fast zur Nebensache, die Konzentration aufs Tun gerichtet. Tief atmen, Zeit nehmen, Ruhe spüren, alle diese Elemente könnten nachhaltig positive Wirkungen erzielen, erinnert sich Bader an einen Jungen mit ADHS, der mit großer Hingabe bei der Sache war, an hoch konzentrierte Schülergruppen oder tief entspannte Manager. Manchmal kommen dann bei der Bogenschützin mit Ausbildung zum Klang-Entspannungscoach nach Peter Hess auch Klangschalen und ein Gong zum Einsatz.

Holzbögen ohne Schnickschnack

Natürlich spielten auch die ruhige Umgebung und die frische Luft eine wichtige Rolle beim Bogenschießen nach traditionellem Vorbild mit Holzbögen ohne jeden Schnickschnack. Um "höher, schneller, weiter" geht es zwar nicht. Aber eine Distanz von rund 15 bis 20 Meter zwischen Schütze und Ziel brauche es je nach Bogen schon. Was in ihrer Bogenschule Rhein-Main in Wiesbaden geht, würde Bader gerne auch in der Wetterau anbieten. Das ideale Grundstück wäre geschützt genug gelegen, sagt sie und hofft auf eine Wiese, die zur Faszination des Bogenschießens passt.

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