(Symbolfoto: nic)

Angst und Ärger

Vorfall in Friedberg: Angriff auf dem Weg zum Bäcker - Sohn des Opfers kritisiert Polizei

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Diese Attacke in Dorheim sorgt für Entsetzen: Eine 65-Jährige wurde von psychisch auffälligen Mann verletzt. Der Sohn des Opfers kritisiert die Reaktion der Polizei.

Friedberg - Erik Weyrauch ist "stocksauer". So steht es über einem Facebook-Eintrag, in dem er einen Überfall auf seine Mutter am Montagmorgen in Dorheim schildert. Die 65-Jährige wurde von einem offenbar psychisch labilen Mann angegriffen und verletzt. Was den Sohn besonders aufregt: die fehlende Unterstützung der Polizei.

Am Montag gegen 7.30 Uhr sei seine Mutter Angelika Weyrauch auf dem Weg zum Bäcker "von einem psychisch Kranken" tätlich angegriffen worden, schildert der Sohn. "Er drehte ihr den Arm um, drückte sie mit dem Kopf gegen ein Baumgitter und verlangte die Herausgabe ihrer Geldbörse und ihres Handys." Dem schnellen Eingreifen von Passanten und Nachbarn sei es zu verdanken, dass die Mutter "nur" Prellungen davontrug.

Attacke in Friedberg: Unangenehme Vorgeschichte

Es handele sich um einen gezielten Angriff, schildert der Sohn. Der Angreifer, ein Dorheimer, habe seine Familie schon öfter attackiert. "Vor Jahren hat er meinen Vater auf dem Rewe-Parkplatz in Bad Nauheim von hinten niedergestreckt." Der Vater trug eine Platzwunde davon, der Angreifer wurde angezeigt, ein Gericht verhängte ein Annäherungsverbot. Merkwürdige Anschuldigungen trage der Angreifer vor, schildert der Sohn. Dabei geht es um eine atomare Verstrahlung, für die der Angreifer seine Opfer verantwortlich mache. Familienmitglieder trauten sich nicht mehr auf die Straße, sie halten den Mann für gemeingefährlich. "Der hat eine eigene Akte bei der Polizei", weiß Weyrauch.

Nun also der neuerliche Angriff, und der Schrecken danach: Wer hilft einem eigentlich in solchen Situationen? "Ohne das Eingreifen der Passanten und Nachbarn wäre das schlimm für meine Mutter ausgegangen", sagt der Sohn. Er ist auch der Nachbarin dankbar, die die Polizei verständigte. Eine Streife kam aber nicht raus nach Dorheim. Die Nachbarin, so schildert es Weyrauch, habe von der Polizei gesagt bekommen, man habe keine Zeit, um rauszufahren, die Anruferin solle einen Rettungswagen rufen.

Attacke in Friedberg: Polizeisprecherin weist Kritik zurück

Für den Sohn ist das ein Skandal. "Wenn ein psychisch gestörter, polizeibekannter Mann, der seit über zehn Jahren im Ortsteil Dorheim sein Unwesen treibt, in mehreren Geschäften Kunden belästigt und dort Hausverbot hat, eine Frau auf dem Weg zum Bäcker angreift" und die Polizei "es nicht für nötig hält, rauszukommen, frage ich mich, wie weit es noch kommen muss, bis etwas passiert". Die Polizei schaue nur zu, das erlebe man immer öfter. Insofern müsse man sich nicht "über mangelnden Respekt gegenüber der Polizei" aufregen. Und direkt an die Adresse der Polizei: "Mit solchen Aktionen habt ihr keinen Respekt verdient."

Polizeipressesprecherin Sylvia Frech bestätigte gegenüber der WZ, dass die angegriffene Frau am Montag nach dem Überfall Anzeige erstattet hat. Den Anruf schildert sie nach ihren Recherchen etwas anders: "Als die Nachbarin anrief, hat sie den Sachverhalt nicht so geschildert, dass bei den Kollegen der Eindruck entstand, es bestehe akuter Handlungsbedarf. Es wurde mitgeteilt, dass der Angreifer sich bereits wieder vom Ort des Geschehens entfernt habe." Insofern sei es ausreichend, wenn die Geschädigte anschließend bei der Polizei Anzeige erstatte. Frech bedauert, dass der Sohn seine Kritik nicht direkt gegenüber der Polizei, sondern im Internet geäußert hat. "Sonst hätten wir das klären können."

Der Sohn sieht die Sache etwas anders. "Die Nachbarin hat während des Handgemenges die Polizei verständigt. Sie hat gesagt, dass meine Mutter gerade eben überfallen wird." Der Sohn bleibt bei seiner Kritik. Die Polizei hat gegenüber dem Angreifer ein Annäherungsverbot verhängt. Die Angst aber bleibt. Und die Verärgerung darüber, dass genau dann, wenn polizeiliche Hilfe benötigt wird, diese offenbar aus Personalnot nicht gewährleistet werden könne.

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