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Während die Band Juicy Roadkill auf der Bühne abrockt, tanzt das Publikum in abgetrennten Tanzkreisen.

Nach Corona-Regeln

Vor dem Friedberger Junity: Abrocken im Tanzkreis

  • VonSophie Mahr
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Draußen sein, reden, lachen, Musik hören und tanzen: Das war im Junity in Friedberg angesagt. Vier Bands und ein Solist sorgen für rockige Unterhaltung bei diesem etwas anderen Festival.

Es fühlt sich so geil an, wieder auf der Bühne zu stehen«, schallt die Stimme von Lisa, Sängerin von Juicy Roadkill, übers Außengelände des Junitys, als sie den Gig ihrer Band eröffnet. Torben Fuckin Skorbinski, Pauli, Juicy Roadkill, Frau Ruth und Buried in Smoke haben am Samstag das Grundstück des Friedberger Jugendzentrums mit Gesang, Gitarren und Schlagzeug erfüllt. »Ich bin sehr froh, dass ihr alle hier seid, dass wir hier sein können und dass die Band dabei ist«, sagte Pauli, Sängerin der gleichnamigen Poet-Grunge-Band.

Ein Festival in Corona-Zeiten ist nicht selbstverständlich. Daher lautete das Motto des dritten »Sound of Liberty«-Festivals »Mit Abstand solidarisch feiern«. Damit das gelingen konnte, erläuterten das Einhorn-Maskottchen alias Lisa Steinbrück und Ole Seisler zu Beginn die Corona-Regeln: Das Außengelände des Junity war in mehrere Parzellen unterteilt, Tanzkreise waren eingerichtet. Außerhalb der eigenen Parzelle galt Maskenpflicht.

Den Auftakt bestritt Liedermacher Skorbinski. Der ehemalige Karbener erheiterte mit Songs wie »Impfstoff gegen Vollidioten« und »Das Leben ist hart ohne Oberlippenbart« das Publikum, machte es aber auch auf politische Themen aufmerksam. Denn »Sound of Liberty« solle nicht nur ein Musikfestival, sondern auch ein Kulturfestival sein, bei dem man sich über gesellschaftspolitische Themen informieren könne.

Ursprünglich für zwei Tage geplant

»Ursprünglich sollte das Festival zwei Tage dauern«, sagte Lisa Steinbrück, Sängerin von Juicy Roadkill und Beisitzerin im Vorstand der Antifa-BI. »Wir wollten hier zelten und neben der Musik, die wieder auf zwei Bühnen stattfinden sollte, auch Vorträge und Workshops veranstalten.« Aber dann kam Corona. »Zwischenzeitlich dachten wir, dass das Festival ganz ausfallen muss. Doch die Zahlen sind runtergegangen.«

Mitte Juni habe die konkrete Planung begonnen. Das Datum sei noch im vergangenen Jahr mit Lukas Hölzinger, dem Einrichtungsleiter des Junitys, abgesprochen gewesen. Antifa-BI und Stadtjugendring bereiteten zusammen mit den Mitarbeitern des Junity die Veranstaltung vor. »Die Bühne haben wir von der Stadt und die Technik von Floodwave gestellt bekommen«, berichtete Steinbrück. Für die technische Unterstützung vor Ort war Thomas Margraf zuständig.

Obwohl die Workshops nicht wie geplant stattfinden konnten, sprachen die Musiker zwischen ihren Songs auch politische Themen an. So machten Jucy Roadkill und Frau Ruth darauf aufmerksam, dass noch immer Leute im Mittelmeer ertrinken. Nicht nur die Reden, auch die Songtexte waren teils politisch. Zudem gab es eine Spendenbox sowie einen Informationsstand der Antifa-BI.

Festival-Feeling zu spüren

Es gab jedoch nicht nur ernste Themen. Je später die Stunde, desto mehr wurde gefeiert, getrunken und getanzt - in den Tanzkreisen. »Es war so schön, sich mal wieder zur Musik zu bewegen«, sagte Steinbrück. »Die Stimmung war viel besser als im vergangenen Jahr. Da haben sich die Leute teilweise nicht mal getraut zu klatschen.« Getränke konnten bei »Ninos Flamingobar« gekauft werden, für selbst gemachte Pizza und Brezeln sorgte Birger Gläsel.

Der Auftritt von Buried in Smoke, der letzten Band des Abends, begann mit einer abwechslungsreichen Bühnen-Show: Ein Sofa wurde über die Tanzkreise auf die Bühne getragen. Darauf lag »Gaius Iulius Caesar XV.« alias Lukas Hölzinger, der von da an auf seiner Couch residierte. Bei der Every-Rock-Hard-Musik kamen auch Metalfans auf ihre Kosten, »headbangen« und »pogen« war angesagt. Zum Abschluss gab es einen »kuscheligen« Song, einige Besucher ließen sogar ihre Feuerzeuge leuchten.

Obwohl Masken und abgetrennten Bereiche an die Corona-Pandemie erinnerten, war Festival-Feeling zu spüren.

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