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Zahlreiche Bürger sind der Einladung zur Vortragsveranstaltung über Bienen an der Hollarkapelle gefolgt.

Von Spezialisten und Generalisten

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Friedberg-Ockstadt (pm). Zu einer Vortragsveranstaltung mit der Biologin Dr. Barbara Feldmeyer hatte der Förderverein Hollar-Kapellen-Kultur kürzlich eingeladen. Das Thema lautete »Bienen - eine unterschätzte und bedrohte Art«. Feldmeyer arbeitet am Senckenberg-Forschungszentrum für Biodiversität und Klimaforschung und ist Imkerin. Sie beheimatet in ihrem bienenfreundlichen Garten in Ockstadt eigene Bienenvölker.

Der Vorsitzende des Fördervereins, Heiko Schuck, begrüßte bei guten Wetter 35 Zuhörer an der Hollarkapelle. Als ausgewiesene Expertin gab Feldmeyer zunächst einen Überblick über die 400 bis 600 Bienenarten, die grob in Spezialisten und Generalisten eingeteilt werden könnten. Eine dieser zahlreichen Arten sei die Honigbiene.

Insektizide als großes Problem

Einige Bienen hätten sich auf eine bestimmte Blütenart spezialisiert, die sie primär anflögen und bestäubten. Die Generalisten hingegen holten sich den Nektar von allen wohlschmeckenden Blüten. Im Vordergrund des Vortrags stand die Honigbiene, die den meisten wegen des leckeren und gesunden Honigs bekannt ist. Laut Feldmeyer kann man die Arbeit der Imker und ihre Bedeutung für die Erhaltung der Artenvielfalt unter den Bienen mit der Arbeit von Hühnerzüchtern für die Erhaltung der Vogelvielfalt vergleichen.

In einem Bienenstock sei einiges los, wie die Referentin eindrucksvoll und anschaulich verdeutlichte. Eine Bienenkönigin werde von bis zu 60 000 Arbeiterinnen versorgt und könne im Sommer pro Tag 2000 Eier legen. Über das Geschlecht der Larve entscheide die Königin selbst und reguliere so das Geschlechterverhältnis in ihrem Stock. Männliche Bienen spielten in einem Stock nur eine Nebenrolle. Sie ließen sich von den Bienen versorgen und begatteten die Königin, wenn die Zeit dafür gekommen sei beim sogenannten Hochzeitsflug. Sie trügen nicht viel zum Wohl des Volkes bei, weswegen sie ab Herbst aus dem Stock gejagt oder getötet würden.

Feldmeyer sprach auch über die Wildbiene, die für die Flora von großer Bedeutung sei und deren Lebensraum unter anderem durch menschlichen Einfluss leider immer kleiner werde. Eine Wildbiene benötige 40 Blüten, um ihren Stock mit Nektar zu versorgen. Durch einseitige Gestaltung der Gärten, zu geringe Bepflanzung mit bienenfreundlichen Blumen sowie schädliche Umwelteinflüsse sei die Wildbiene besonders bedroht. Insbesondere seien großflächig versprühte Insektizide ein Problem für die Honigbiene und für die häufig im Boden lebenden Wildbienenarten.

Gleichzeitig zeigte sich die Referentin erfreut darüber, dass im Ockstädter Kirschenberg immer mehr für die Bienen getan werde. Durch das Anlegen von Blühstreifen oder weniger häufigen Rasen- und Wiesenschnitt sei in diesem Jahr das Blütenangebot deutlich höher als 2020. Alle könnten etwas für die Wildbienen tun. »Wenn man den Garten divers gestaltet und vielleicht nur alle drei Wochen oder nur zweimal im Sommer den Rasen mäht, finden sich wieder mehr Arten ein«, erklärte Feldmeyer. Sie informierte über die Möglichkeiten einer bienen- und insektenfreundlichen Gartengestaltung und hatte dazu vielfältiges Infomaterial dabei. Am Ende des Vortrags stand sie für Fragen und zum Austausch zur Verfügung.

Hollarkapelle: 2022 wird gefeiert

Die beiden Vorsitzenden des Fördervereins bedankten sich bei der Referentin für den Vortrag und überreichten ihr als Dankeschön eine Vereinstasse und einen Blumenstrauß. Matthias Schäfer verwies darauf, dass in den nächsten Wochen ein spezieller Burlat-Bienen-Rundweg mit neuen Abenteuern des kleinen Burlat und vielen Informationen zum Leben der Bienen im Kirschenberg eröffnet werde. Außerdem gab er einen kurzen Ausblick auf das kommende Jubiläumsjahr der Hollarkapelle, deren Grundsteinlegung sich 2022 zum 300. Mal jähre.

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