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Künstler To Kuehne und die stellvertretende Vorsitzende des Kunstvereins Friedberg Wiebke Kirchner-Cherubim haben die Ausstellung eröffnet.

Von »Helden, Monster, Götter und Dämonen«

  • VonChristine Fauerbach
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Friedberg (cf). Drei Bilder des Frankfurter Künstler To Kuehne hängen im Deutschen Bundestag. Wetterauer, die To Kuehne, der mit bürgerlichem Namen Torsten Kühne heißt, und sein Werk kennenlernen möchten, müssen nicht nach Berlin fahren. Ein Besuch in im Wetterau-Museum, erfüllt noch bis zum 10. Oktober diesen Zweck.

Kuehne zeigt aktuelle Arbeiten. Es ist seine erste Einzelausstellung in Friedberg auf Einladung des Kunstvereins. Seine Ausstellung trägt den Titel »Helden, Monster, Götter und Dämonen«.

Der Name ist Programm: Die 20 großformatigen Werke, zu denen Acrylbilder, Mischtechniken, Siebdrucke, Installationen und Fotografien gehören, sind in den letzten eineinhalb Jahren in seinem Frankfurter Atelier entstanden. Verbindendes Thema aller Arbeiten ist der Ausstellungstitel. Helden werden zu Göttern, werden zu Monstern und Dämonen. Nichts ist mehr sicher.

Kritik an Sänger Xavier Naidoo

Zwar ist die Botschaft auf den Fotos, Bildern und Installationen nicht immer auf den ersten Blick, dafür auf den zweiten oder weiteren erkennbar. Oft hat sich Kuehne selbst auf seinen Fotos augenzwinkernd, mit viel Ironie und Selbstironie, inszeniert.

Die Fotos sind aufwendig mit Requisiten, Kostümen oder nackter Haut komponiert, treten in Korrespondenz zu Installationen.

Der Künstler spielt in seinen Selbstbildnissen mit Bildern, die dem Betrachter bekannt vorkommen. Dabei ist das Thema des Wertewandels und der damit einhergehenden nicht eindeutigen Zuordnung von Helden, Monstern, Göttern und Dämonen aktuell und gesellschaftlich relevant. »Mir geht es darum, den Wandel von ethischen und moralischen Vorbildern zu zeigen und wie unterschiedlich die Auffassungen dazu sind.« Früher seien Polizisten und Politiker Respektspersonen gewesen. Heute würden sie kritisch gesehen, ihr Handeln hinterfragt. Was für den einen ein Monster, werde für den anderen zu einem Gott. Einst bewunderte Figuren wachsen zu Dämonen heran und manifestieren sich in den Gedanken und Ängsten der Menschen. Ein Beispiel sei der Sänger Xavier Naidoo. Vor zehn Jahren sei er für Jugendliche noch ein Vorbild gewesen. Jetzt wandele er sich von einem Vorbild mit seinen »rechtsextremen politischen Ansichten zu einem Dämonen, ist aber für Impfgegner ein Held«, findet To Kuehne.

Auf seinen Fotos spielt der Künstler mit Widersprüchen zwischen Gut und Böse, dem Verlust der eindeutigen Zuordnung. »Bin ich ein Dämon, nur weil ich böse aussehe oder schaue?« »Der Verlust moralischer Vorbilder ist vor allem für Kinder und Jugendliche, aber auch generell für alle in unserer Gesellschaft ein Problem. Das höre er immer wieder in Gesprächen mit Schülern aus der Augustinerschule, die klassenweise die Ausstellung besuchen.

Den 100 Besuchern der Vernissage gab mit Wiebke Kirchner-Cherubim, die stellvertretende Vorsitzende des 1976 gegründeten Kunstvereins Friedberg eine Einführung.

In Kuehnes Inszenierung erkenne man »eine große Professionalität: perfekt arrangiert und mit großer Liebe zum Detail, variantenreich was die Technik betrifft und thematisch breit aufgestellt.« Es lohne sich, sich die Geschichten hinter den Werken anzuhören. Wie zur Installation »Burt is the word«, die an den Schauspieler Burt Reynolds erinnere. Dieser war 1972 das erste, nackte, prominente männlichen Model auf dem Titel einer Frauenzeitschrift. »Das war ein Skandal und gilt doch heute als Meilenstein der sexuellen Revolution.« Kirchner-Cherubim lobte, dass To Kuehne »mit Mut und Leichtigkeit die großen Themen wie Religion, Schicksal, Macht, Moral und Versuchung« angehe und »die Grenzbereiche auslotet.

Die Ausstellung zeige, »dass man auch einen humorvollen Umgang mit ernsten Themen finden kann. To erhebt eben nicht den moralischen Zeigefinger und trotzdem werde klar: »Denk mal nach! Du kannst dich jeden Tag dazu entscheiden, kein Arschloch zu sein.«

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