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So wie hier beim Hochwasser Ende Januar in Büdingen haben es Feuerwehreinsatzkräfte immer wieder mit Unwetterfolgen zu tun.

Kreisbrandinspektor im Gespräch

Von Gaffern bis zu Unwettern: Wetterauer Feuerwehren bekommen Wandel zu spüren

  • Christoph Agel
    VonChristoph Agel
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Wie sich das Klima verändert, bekommen Feuerwehren besonders zu spüren. Bei Wetterphänomenen und dem gesellschaftlichen Klima. Kreisbrandinspektor Lars Henrich nimmt Stellung.

Wetterau – Im Januar stand die Büdinger Altstadt unter Wasser, am Ostersontag brannten Bäume im Frauenwald bei Nieder-Mörlen, und rund zwei Wochen ist es her, dass Gaffer nach einem Unfall auf der B 275 fast einen Folge-Unfall provoziert haben. Ganz unterschiedliche Phänomene, die sich aber alle auf das Arbeitspensum der Feuerwehren auswirken. Die WZ hat bei Kreisbrandinspektor (KBI) Lars Henrich nachgefragt, wie sich das Klima im eigentlichen und im gesellschaftlichen Sinne auf die Feuerwehren auswirkt. Und wie es um die Ausstattung der Wetterauer Wehren bestellt ist.

Wald- und Feldbrände - Wie in den vergangenen Jahren stelle die Hitzeentwicklung die Feuerwehren vor neue Aufgaben, sagt Henrich. »Die Flächenbrände auf abgeernteten Feldern nehmen durch die starke Trockenheit zu.« Dadurch komme es immer mehr zu Bränden, zusätzlich zum Tagesgeschäft der Feuerwehren. »Die Brände können durch heiß gelaufene landwirtschaftliche Maschinen oder durch unsachgemäßes Verhalten von Bürgerinnen und Bürgern zustande kommen.«

Unwetter und Blitze - »Das Phänomen der Unwettereinsätze steigt in den letzten Jahren. Durch die beschriebenen Hitzewellen, aber dann auch die schnellen Wechsel zum kühleren Wetter, steigt das Unwetterpotenzial«, erläutert Henrich. Warnungen vor Unwetter kämen im Minutentakt. Dass durch einen Blitzeinschlag ein Brand entstehe, sei nicht ausgeschlossen, komme im Wetteraukreis aber eher selten vor, teilt der KBI mit. Für dieses Phänomen müssten die physikalischen und geografischen Parameter stimmen. »In der Vergangenheit kam es vereinzelt vor, dass bei starken Unwettern Blitze in Gebäude eingeschlagen sind. Die Brandauswirkungen waren jedoch im Verhältnis beherrschbar für die Feuerwehren.« Als Beispiel nennt Henrich einen Einsatz am 17. Mai dieses Jahres in Ranstadt-Bobenhausen, wo ein Brand im Dachstuhl eines Wohngebäudes durch einen Blitzeinschlag ausgelöst worden sei.

Wetterau: 3800 Ehrenamtler bei der Feuerwehr

Wasserversorgung - Die Löschwasserversorgung bei Flächen- oder Waldbränden aufgrund starker Trockenheit erfordere grundsätzlich einen geplanten logistischen Aufwand, sagt Henrich. Die ausreichende Löschwasserversorgung müsse gewährleistet sein. »In den letzten Jahren wurde aus einsatztaktischen Gesichtspunkten einiges vorgeplant. Neben den technischen Ausrüstungen der kommunalen Feuerwehren mit Tanklöschfahrzeugen wurden auch in Zusammenarbeit mit Hessen Forst Waldbrandkarten erstellt. In diesen Plänen sind Zufahrten und Löschwasserentnahmestellen dargestellt.«

Personal - Die personellen Ressourcen seien aktuell grundsätzlich gut, teilt Henrich mit - fügt aber hinzu: »Wie jedoch jedem bewusst sein muss, wird die Verfügbarkeit der ehrenamtlichen Einsatzkräfte in den Tagesstunden immer schwieriger. Dies ist durch die berufliche Abwesenheit begründet.« Aktuell seien im Wetteraukreis insgesamt etwa 3800 ehrenamtliche Feuerwehrangehörige zum Schutze der Bürger 24 Stunden bereit zu helfen.

Ausrüstung - Klare Aussage des KBI zu diesem Thema: »Die technische Ausstattung der Feuerwehren ist gut. Die Kommunen stellen in den letzten Jahren ausreichend finanzielle Mittel für die Anpassung der technischen Ausrüstung zur Verfügung.«

Wetterauer Wehren in Zahlen

Stand Jahresende 2020 gibt es in der Wetterau 137 Einsatzabteilungen, in denen sich 591 Frauen und 3212 Männer engagieren. Außerdem sind 1365 Nachwuchskräfte (952 Jungen und 413 Mädchen) in 118 Jugendfeuerwehren aktiv. In 81 Kindergruppen werden 313 Mädchen und 549 Jungen betreut. Die Einsätze der 25 kommunalen Feuerwehren im Jahre 2020 gliedern sich wie folgt: 728 Brandeinsätze, 945 Hilfeleistungen und 390 Fehlalarme. Die Wetterauer Feuerwehr-Aktiven haben 12 231 Gesamteinsatzstunden geleistet.

Wetterau: Gaffer hinterlassen Feuerwehr ratlos

Gaffer - Leider komme es in den letzten Jahren immer mehr vor, dass die ehrenamtlichen Einsatzkräfte in ihrer Arbeit behindert würden, erläutert Henrich. »Ein Grund hierfür ist für uns alle nicht nachvollziehbar. In den meisten Fällen müssen wir diese Einschränkungen und Behinderungen bei Einsätzen im Straßenverkehr feststellen«, erklärt der KBI und verweist auf Gaffer. »Hier werden zum Teil die Absperrungen der Feuerwehr umlaufen oder nicht ernst genommen. Die Leute gehen bis zur Einsatzstelle, um die Neugierde zu befriedigen.«

Dank und Hilfe - Zum Glück, und auch als »Lohn« für die ehrenamtlichen Einsatzkräfte, gebe es aber auch noch Hilfsbereitschaft und Dankbarkeit, sagt Henrich. Die negativen Erfahrungen mache man zum Glück nur in einzelnen Fällen. »Der Dank und die Hilfsbereitschaft wurden den vielen Einsatzkräften im Januar bei der Hochwasserlage in den Kommunen der östlichen Wetterau entgegengebracht. Dies war überwältigend.«

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