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Von Franz Schubert zu Geoffrey Gordon

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Von: Gerhard Kollmer

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Das Ensemble »Stromesklang«: (v. l.) mit Cornelia Haslbauer, Seun Yo Cha und Samuel Seidenberg sowie Moderatorin Astrid Kellenbenz (r.) © Gerhard Kollmer

Friedberg (gk). Sonntagabend im großen Saal des Theaters Altes Hallenbad: Moderatorin Astrid Kellenbenz kündigt »große Emotionen« an. Und in der Tat: Was das Auditorium in den nächsten beiden Stunden vom Trio »Stromesklang« - Cornelia Haslbauer (Gesang), Seung Yo Cha (Klavier) und Samuel Seidenberg (Horn) - zu hören bekam, war Musik voller Leidenschaft exzellent dargeboten.

In der ersten Konzerthälfte standen Werke von Schubert, Schumann und Brahms auf dem Programm. Schuberts Trio »Auf dem Strom« für Singstimme, Horn und Klavier D 934 auf Texte von Ludwig Rellstab wurde im Rahmen eines Privatkonzerts im Wiener Musikverein am 26. März 1828 - wenige Monate vor seinem Tod - erstmals gespielt. Es gehört mit dem »Hirt auf dem Felsen« zu seinen einzigen Liedern, in denen er der Singstimme neben dem Klavier noch ein zweites Instrument zur Seite stellt - das Horn.

Dass dies ein überaus glücklicher Einfall war, zeigte sich im Alten Hallenbad schon nach wenigen Minuten. Der von Seidenberg hervorgezauberte Wohlklang des Horns geriet zum Hörerlebnis der Extraklasse. Ohne seine Partnerinnen dabei »an die Wand« zu spielen, demonstrierte er virtuos seine Könnerschaft und die Finessen seines Instruments.

»Hoffnungsleer verhallt die Klage um das schöne Heimatland, wo ich ihre Liebe fand«: »Des Stromes Wogen« im Klavier sind es, die den Dialog zwischen Singstimme und Melodieinstrument grundieren. Haslbauer hat Wehmut und Trauer, die in Schuberts Lied zum Ausdruck kommen, mit großer Empathie zum Ausdruck gebracht.

Hörerlebnis der Extraklasse

Robert Schumanns drei Fantasiestücke für Horn (ursprünglich Klarinette) und Klavier, op. 73 aus dem Jahr 1849 gaben auch Seung Yo Cha reichlich Gelegenheit zur Demonstration ihres Könnens. Das in exaktem Zusammenspiel mit Samuel Seidenberg ohne jede Unsauberkeit zu Gehör gebrachte wild »zerklüftete«, äußerst schwierige dritte Stück (»Rasch und mit Feuer«) wurde vom Publikum bejubelt.

Johannes Brahms’ elf Zigeunerlieder, op. 103 (ursprünglich für vier Singstimmen und Klavier) wurden im Oktober 1888 in Berlin erstmals aufgeführt. Acht von ihnen kamen im Alten Hallenbad zu Gehör. Mezzosopranistin Haslbauer ließ die um das Thema Liebe kreisenden Lieder (als vokales Gegenstück zu Brahms’ »Ungarischen Tänzen«) mit ihrer so kraftvollen wie geschmeidigen Stimme zum weiteren Highlight des Abends werden. Sei es in »He Zigeuner, greife in die Saiten«, in »Brauner Bursche führt zum Tanze« oder »Rote Abendwolken zieh’n«: Das breite Gefühlsspektrum dieses Spätwerks von heiter-schnippisch bis melancholisch-traumverloren wurde in ihrer Interpretation eindrucksvoll beschworen.

Eine »Villanelle« für Horn und Klavier von Paul Dukas mit höchsten Anforderungen an den Hornisten (Spielen ohne Klappen) stand am Ende des ersten Konzertteils.

Nach wohlverdienter Pause wurde dem Publikum die deutsche Erstaufführung eines zeitgenössischen Werks präsentiert: der 2015 uraufgeführte fünfteilige Zyklus »Winterleben« des US-amerikanischen Tonsetzers Geoffrey Gordon auf Texte von Friedrich Rückert. Größer hätte der Kontrast zwischen ihm und den Romantikern des ersten Teils kaum sein können! Haslbauer läuft nun wirklich zu voller Form auf und dominiert fortan das Geschehen.

Zwischen Rückerts spätromantischen Texten und Gordons Vertonung klafft zuweilen ein schier unüberbrückbarer Abgrund.

Alle drei Musikerinnen und Musiker haben ihn souverän überspannt und - einschließlich der kundigen Moderatorin - lang anhaltenden Beifall erhalten.

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