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Gemeinsam mit ihrer Friedberger Duo-Partnerin Mónica Rincón - einer renommierten Vertreterin lateinamerikanischer und klassischer Harfenmusik - präsentierte Flötistin Sabine Dreier einen bunten Strauß musikalischer Kostbarkeiten aus drei Jahrhunderten.

Von Bach bis Piazzolla

  • VonGerhard Kollmer
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Friedberg (gk). Auch der fünfte Abend der Sommerkonzertreihe in der Stadtkirche wird allen Hörerinnen und Hörern in bester Erinnerung bleiben. Die weit über die musikalischen Grenzen der Wetterau hinaus bekannte Sabine Dreier wirkte europaweit als Soloflötistin mehrerer Orchester und widmet sich seit einigen Jahren vorwiegend solistischen Aktivitäten.

Kürzlich hat sie die siebzehnte CD eingespielt.

Gemeinsam mit ihrer Friedberger Duo-Partnerin Mónica Rincón - einer renommierten Vertreterin lateinamerikanischer und klassischer Harfenmusik - präsentierte Sabine Dreier einen bunten Strauß musikalischer Kostbarkeiten aus drei Jahrhunderten.

Der fast zweistündige Reigen begann mit drei Sätzen aus Johann Sebastian Bachs für Laute bzw. Cembalo geschriebener Partita c-Moll, BWV 997.

Vor allem die melodisch reizvolle Gigue als deren Schlusssatz gab beiden Musikerinnen vielfältige Gelegenheit zur Demonstration sowohl ihres spieltechnischen Könnens als auch der Fähigkeit zum präzisen, harmonischen Zusammenwirken. Unter diesen Voraussetzungen ergänzen sich beide so unterschiedliche Instrumente aufs Schönste.

In der zweiten Konzerthälfte stand noch ein weiteres Werk Bachs - seine Sonate für Flöte und basso continuo in E-Dur, BWV 1035 - auf dem Programm. Dass dieses dem Privatsekretär des Preußenkönigs Friedrich II. 1741 gewidmete viersätzige Stück in der Bearbeitung für Flöte und Harfe nichts von seiner musikalischen Substanz verliert, wurde durch die virtuose Interpretation der beiden gespielten Sätze überdeutlich.

Ihren großen Auftritt hatte Rincón mit der zweisätzigen »Féerie« Marcel Tourniers für Harfe solo. Der 1879 in Paris geborene Harfenist, Komponist und Musikpädagoge schrieb rund fünfzig Solowerke für sein Instrument und hat die Konzertharfe, so Mónica Rincón, »vorangebracht«, indem er deren spieltechnische Möglichkeiten deutlich erweiterte. Die Interpretation von Tourniers impressionistisch-lautmalerischem Werk zählte zu den Glanzlichtern des an Höhepunkten reichen Konzertabends. Jacques Ibert, Tourniers zehn Jahre jüngerer Landsmann, schuf u. a. die Musiken zu fast 60 Filmen.

In der Stadtkirche war er mit seinem »Entr’acte« (ursprüngl. für Flöte und Gitarre) von 1935 zu hören. Dieses kurze, virtuose »Zwischenspiel« verlangt der Interpretin höchste Konzentration und Können ab. Der 1925 in Berlin geborene Herbert Baumann zählt zu den bedeutendsten Schöpfern von Bühnen-, Film- und Fernsehmusiken des 20. Jahrhunderts. Die Darbietung der Bearbeitung seines anspruchsvollen Werks »Dialog I« aus dem Jahr 1978 widmeten Dreier und Rincón diesem vor einem Jahr in hohem Alter verstorbenen Tonsetzer.

Buenos Aires um 1900

Schluss- und Höhepunkt des Abends waren zwei Werke von Astor Piazzolla, dem berühmten Schöpfer des »tango nuevo«. Zum einen handelte es sich um »Oblivion« (»Vergessen«) - die virtuose Bearbeitung einer populären Tango-Melodie. Nach dem Verklingen dieser wundervollen Miniatur verabschiedeten sich Dreier und Rincón mit Piazzollas 1985 geschriebener »Histoire du Tango«. Im ersten, »au bord de l’eau« benannten, Teil des viersätzigen Werks lässt der 1920 Geborene die Welt der Hafenkneipen und Bordelle in Buenos Aires um 1900 wiederauferstehen.

Mit der kongenialen Interpretation dieses Meisterwerks verabschiedeten sich die beiden Friedberger Ausnahmemusikerinnen - nach lang anhaltendem Beifall und einer Zugabe aus den »Danzas Espaniolas« von Enrique Granados.

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