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Mit ihrem Können und aufgrund der Verwendung von Originalinstrumenten sorgen die fünf Musiker für eine besondere Authentizität.

Vom Zauber Alter Musik

  • VonGerhard Kollmer
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Friedberg (gk). Auch das vierte der diesjährigen Sommerkonzerte in der Stadtkirche war der Musik des Barock gewidmet. Das seit 1983 konzertierende Ensemble »L’arpa festante« - einer der traditionsreichsten deutschen Klangkörper für Alte Musik - präsentierte am Sonntagabend vier Sonaten, zwei Suiten, eine Partita sowie eine Ciaconna aus frühbarocker Zeit.

Besonderes »Markenzeichen« des Ensembles: Die Musiker (Christoph Hesse und Johanna Weber Violine, Haralt Martens Violone, Yamato Hasumi Theorbe, Bernhard Prammer Orgel) spielen die über 350 Jahre alten Werke auf dazu passenden Originalinstrumenten. Das sorgt für klanglich höchstmögliche Authentizität.

Gleich die eingangs gespielte Partita VII in c-Moll legte eindrucksvoll Zeugnis davon ab. In dem siebenteiligen Werk von Ignaz Franz Biber kommen zwei Violen d’amore zum Einsatz. Das Instrument hat fünf bis sieben Spielsaiten und ebenso viele »Resonanzsaiten«, die ihm (im Unterschied zur modernen Viola) einen hellen, »lieblichen« Klang verleihen.

Der 1644 im böhmischen Wartenberg geborene Biber verstand es, der Viola d’amore wunderbare Kompositionen »auf den Leib zu schreiben«. Er zählt zu denjenigen barocken Geigenvirtuosen, die die technischen Möglichkeiten ihres Instruments bis an die Grenzen der Spielbarkeit ausloteten. Dafür wurde er von Kaiser Leopold I. 1690 in den Adelsstand erhoben.

Christoph Hesse und Johanna Weber ließen Bibers Partita in Suitenform - von der langsamen Allemande über die heitere Sarabande bis hin zur abschließenden Arietta - in perfektem Zusammenspiel zum Hörgenuss werden.

Auf Bibers Partita folgte ein besonderes, ganz selten zu hörendes Werk: Esaias Reusners Suite in c-Moll für Theorbe solo. Yamato Hasumi interpretierte dieses dreisätzige Kleinod mit viel Empathie und erhielt starken Applaus für sein Können. Der 1636 in Schlesien geborene Reusner ist der erste bedeutende deutsche Lautenkomponist. Mit seinen 28 drei- bis neunsätzigen Lautensuiten wirkt er stilbildend bis weit ins 18. Jahrhundert hinein.

Die Theorbe ist nicht mit der herkömmlichen Laute gleichzusetzen. Äußerlich unterscheidet sie sich von dieser durch den zweiten Wirbelkasten an einem wesentlich längeren Hals. Dies bewirkt eine tiefere Tonlage, weshalb die Theorbe im 17. Jahrhundert zum bevorzugten Generalbass-Zupfinstrument wurde.

In Johann Baals Sonata a-Moll und Antonio Bertalis Ciaconna C-Dur - jeweils für Violine solo und Basso continuo - bewältigte Christoph Hesse selbst schwierigste Partien (Läufe, Doppelgriffe etc.) scheinbar spielerisch leicht und erhielt besonders für Bertalis Ciaconna mit ihrem furiosen Schluss starken Applaus. Johann Vierdanck, 1605 geborener Schüler von Heinrich Schütz, wirkte die letzten Jahren seines kurzen Lebens als Organist in Stralsund. Am Sonntagabend war er neben einer Suite mit einer Sonate in d-Moll für zwei Violinen ohne basso continuo vertreten. Dieses überraschend modern anmutende Werk voller klanglicher Kontraste ist das früheste für zwei Violinen ohne Begleitung geschriebene der Musikliteratur.

»L’arpa festante« verabschiedete sich mit Johann Rosenmüllers heiter-melancholischer Triosonate in e-moll vom applaudierenden Publikum.

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