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Die 24-jährige Australierin Stephanie Jones spielt »Recuerdos de la Alhambra«.

Vom musikalischen Zauber der Gitarre

  • VonGerhard Kollmer
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Friedberg (gk). Auch beim zweiten Konzert im Rahmen der diesjährigen 10. Internationalen Friedberger Gitarrentage präsentierten sich eine Künstlerin und ein Künstler Extraklasse: die 24-jährige Australierin Stephanie Jones und der 27 Jahre alte Igor Klokov aus Russland.

Jones ist Mitglied des renommierten »Weimar Guitar Quartet« und hat bereits drei Soloalben eingespielt - unter anderem »Colours of Spain«.

Die mehrfache Preisträgerin verzauberte das Publikum im Großen Saal des Alten Hallenbads mit fünf Werken von Johann Sebastian Bach bis hin zu ihrem 1955 geborenen Landsmann Richard Charlton, dessen Stück vom traurigen Vogel Cockatoo (»the black Cockatoo is flying alone«) sie mit viel Innigkeit und Empathie interpretierte.

Stephanie Jones bevorzugt die leisen Töne, die präzise »herausgemeißelt« werden. Hoch konzentriert, in sich gekehrt, mit geschlossenen Augen, ihr Instrument liebevoll umfassend: Unnahbar scheinend, beeindruckt die junge Künstlerin das atemlos lauschende Auditorium.

Johann S. Bachs eingangs vorgetragene, für Laute geschriebene Suite E-Dur, BWV 1006a aus der Zeit um 1740 gab Stephanie Jones von Beginn an Gelegenheit, ihre perfekte Fingerfertigkeit zu demonstrieren - sei es bei der anmutigen Gavotte en Rondeau, dem galanten Menuett-Paar oder der glänzenden Gigue.

Herausforderung gemeistert

Was darauf folgte, war unbestrittener Höhepunkt der ersten Konzerthälfte. »Königin der Gitarrenstücke«: So hat man Francisco Tárregas berühmte »Recuerdos de la Alhambra«, die wehmütigen Erinnerungen an das epochale Bauwerk mit seinen leise plätschernden Brunnen, genannt. Dieses 1896 geschriebene Werk aus dem Geist der Romantik gehört zu den großen Herausforderungen der Gitarrenliteratur. Tremolierende Melodie und variable Bassläufe gleichzeitig zu spielen, sodass der Hörer zwei Gitarren zu lauschen vermeint: Dieses Kunststück gelang Stephanie Jones perfekt - und animierte das Publikum zu rauschendem Applaus.

Die junge Künstlerin verabschiedete sich mit einem populären Titel des brasilianischen Tonsetzers Antonio Carlos Jobim. »A felicidade« (Glück) - komponiert für den preisgekrönten französischen Film »Orfeu Negro« - bescherte ihm 1959 den internationalen Durchbruch.

»A felicidade« ist ein hoch dynamisches, kontrastreiches, nicht zuletzt wegen seines Bossa Nova-Rhythmus mitreißendes Stück. Für dessen kongeniale Interpretation erhielt Stephanie Jones lang anhaltenden Schlussapplaus.

Die zweite Hälfte des Abends gehörte Igor Klokov, der ebenfalls mit einer CD und mehreren Preisen aufwarten kann. Auch er hatte fünf Titel im Gepäck - beginnend mit der von ihm arrangierten Sonata K 14 von Domenico Scarlatti.

Der Kontrast zur Spielweise von Stephanie Jones konnte größer nicht sein. Klokov griff beherzt - mit vollem Körpereinsatz - in die Saiten, legte ein schnelleres Tempo vor, was nur ganz selten zulasten der Präzision ging. An Fingerfertigkeit und Empathie stand er seiner Vorgängerin nicht nach. Auch er präsentierte fünf kleinere Werke Francisco Tárregas. Reizvoll war hier der Vergleich seiner expressiven Herangehensweise mit Stephanie Jones‹ eher introvertierter Interpretation.

Höhepunkt von Klokovs Auftritt - und vielleicht des ganzen Abends - war seine Darbietung von Joaquin Rodrigos, seinem Kollegen Manuel de Falla gewidmeten »Invocación y Danza« mit extrem schwierigen Läufen, Doppelgriffen, etc.

Beide Künstler verabschiedeten sich nach langem Applaus mit zwei Stücken Francisco Tárregas. Schade, dass sie nicht wenigstens ein Werk gemeinsam gespielt haben.

Igor Klokov (27) aus Russland interpretiert »Invocación y Danza«.

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