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»Wunderkind an der Gitarre«: So bezeichnet man Agustin Pio Barrios. Das »Barrios Guitar Quartet« mit Martin Wentzel, Alexander Hladek (hinten), Kalin Yantschew, Holger Granika und Stefan Hladek tritt im coronabedingt leeren Hallenbad auf und zeigt sein hohes musikalisches Können. Andreas Hieke moderiert.

Virtuoses Hörerlebnis

  • vonGerhard Kollmer
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Friedberg (gk). »Man kann kein Gitarrist sein, wenn man nicht in den Quellen der Kultur gebadet hat.« Dieser programmatische Satz entstammt der Feder des 1885 geborenen paraguayischen Komponisten und Gitarrenvirtuosen Agustin Pio Barrios, der 1944 in San Salvador 59-jährig starb.

Barrios war das, was man ein musikalisches Wunderkind nennt. Im Alter von 25 Jahren unternahm er seine erste große Konzertreise durch fast alle Länder Lateinamerikas. Auftritte in zahlreichen europäischen Ländern kamen hinzu.

Er hinterließ über 100 Eigenkompositionen und Transkriptionen anderer Werke - unter anderem von Chorälen Johann Sebastian Bachs. Seit den 1930er Jahren wandte sich Barrios immer stärker der indigenen Kultur seiner Heimat zu.

Wer sein eigenes musikalisches Schaffen in die Tradition dieses »Chopin der Gitarre« stellt, muss sich an einem hohen Maßstab messen lassen - wie zum Beispiel die vier Virtuosen des »Barrios Guitar Quartet«, das am Pfingstmontag ein Streaming-Konzert im großen (und coronabedingt leeren) Saal des Alten Hallenbads gab.

Kundig durch das knapp einstündige Programm führte der ehemalige »Hessenschau«-Moderator Andreas Hieke.

Das mittlerweile weltweit gastierende Ensemble (neben Leiter Martin Wentzel Stefan Hladek, Kalin Yantschew, Holger Granika und Alexander Hladek als Percussionist) mit zahlreichen CD-Produktionen hatte keine leichte Kost im Gepäck. Wer zum Beispiel romantische Weisen eines Fernando Sor und Francisco Tarrega oder Bearbeitungen von Barockwerken etc. erwartet hatte, kam nicht auf seine Kosten.

Dafür wurde er mit anspruchsvollen Stücken belohnt, die selbst für Kenner der modernen Gitarrenmusik zum Hörerlebnis der besonderen Art wurden.

Weltweit unterwegs

Nach einem subtil-filigranen Beginn mit Claude Debussys »Soirée à Grenade« präsentierte das Ensemble Stücke von seiner neuen CD mit dem Titel »Tarot« - darunter ein Auftragswerk des englischen Tonsetzers Steven Goss, der per Livestream ca. fünf Minuten zugeschaltet war, um seine Komposition vorzustellen.

»Tarot«: Der Titel ist Programm. Wer dieses im 15. Jahrhundert in Italien aufgekommene Glücksspiel (dessen Karten auch zum Legen von Patiencen und zum Wahrsagen verwendet werden) auch nur ein wenig kennt oder gar beherrscht, wird von dessen mystisch-exotischem Reiz fasziniert sein.

Moderator Andreas Hieke verstand es, die Bezüge zwischen dem »Tarot« und den gespielten Titeln der CD des Barrios Quartets anschaulich zu machen.

»Glücksrad«, »Gelassenheit«, »Tod«, »Teufel« lauten die präsentierten Titel des in der Frankfurter Gustav-Adolf-Kirche eingespielten Tonträgers.

Gelassen-unaufgeregtes perfektes Zusammenspiel mit dem Gespür für feinste Nuancen: Auf diesen kurzen Nenner ließe sich die Spielkunst des Barrios Guitar Quartets bringen. Der gelegentliche Einsatz von Alexander Hladek als Percussionist und am Vibrafon trug zur Bereicherung des Klangvolumens nicht unwesentlich bei.

Auf diese Demonstration ihres Könnens folgte - ebenfalls sehr ungewöhnlich - der Vortrag einer Transkription einer Fuge von Robert Schumann.

Mit einer von Kalin Yantschew bearbeiteten Ballade aus seiner bulgarischen Heimat klang der Auftritt des Barrios Guitar Quartets, das zugunsten des Alten Hallenbads auf eine Gage verzichtete, mit starkem imaginären Beifall aus.

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