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Viel zu klein für den Markt sind die Kirschen der Sorte Kordia.

Erntezeit

Viele Kirschen, aber oft zu kleine

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Viele Kirschen an den Bäumen - aber die sind zu klein. Das bereitet den Kirschenbauern in Ockstadt ein wenig Sorge. Eine andere Sorge: Die Kirschendiebe, die auch in diesem Jahr aktiv sind.

Friedberg-Ockstadt(har). "Es wird eine gute Kirschenernte erwartet", ist die Überschrift der aktuellen Ausgabe des Landwirtschaftlichen Wochenblatts, das Werner Margraf, Vorstandsmitglied im Obst- und Gartenbauverein (OGV), zu einem Pressegespräch zum Auftakt der heißen Phase in der Kirschenernte mitgebracht hat.

"Der Behang ist oft viel zu gut, aber zum Teil nicht für den Markt geeignet", sagt OGV-Vorsitzender Werner Kipp. Warum dies so ist, zeigen Kipp und Margraf anhand einer Sortierschablone für Kirschen. Gerade mal 18 Millimeter messen die meisten Kirschen der Sorte Kordia am Baum. "Der Markt verlangt jedoch 28 Millimeter Durchmesser", sagt Vorstandsmitglied Christine Dönges. Vorstandskollege Steffen Rehde, der zusammen mit Florian Hess zu dem Trio gestoßen war, meint: "Die können wir dann an Ferrero für ›Mon Cherie‹ verkaufen, die wollen so kleine Kirschen."

Hagelschaden und Regenmangel

Grund für das schlechte Wachstum war die Trockenperiode in der Zellteilungsphase der Früchte im April und der ersten Maihälfte. Da fielen nur 200 statt der üblichen 400 Liter Niederschlag. Seitdem regnete es häufiger. So haben die Kirschbauern noch Hoffnung für die Hauptsorten, deren Ernte Ende dieser Woche beginnt. "Wenn die Kirschen noch Wasser bekommen, wachsen sie auch", sagt Kipp.

Noch ein anderer Grund hat im wahrsten Sinne des Wortes einen Teil der Kirschenernte verhagelt. "Der Hagel kam am Sonntag, dem 19. Mai, und zog von Nordost über Ockstadt", erinnert sich Christine Dönges. Die Schäden sind unterschiedlich. Besonders getroffen hat es die Bäume rund um Wöllstädter und Rosbacher Straße.

"Auch im Kirschenberg haben wir bis zu 40 Prozent Verlust", sagt Rehde. Anhand eines Baumes der Sorte Early Klinck zeigt Kipp die Schäden: "Jeder schwarze Punkt ist ein Hagelschlag gewesen. Diese Kirschen wachsen nicht mehr."

Kaum Schäden verursachen bisher die Schädlinge Kirschessig- und Kirschfruchtfliege, obwohl in den aufgestellten Fallen etwas mehr Kirschfruchtfliegen als im Vorjahr gezählt wurden. "Die wöchentlichen Kirschproben, die wir an den Pflanzenschutzdienst in Wetzlar senden, waren alle ohne Befund", freut sich Kipp.

Kirschenanbauer fahren Streife

Sorgen bereitet jedoch die erneut gestiegene Zahl an Kirschendieben. "Wir haben bereits jetzt 15 Kirschendiebe zur Anzeige gebracht, sieben Mal war die Polizei direkt vor Ort", sagt Christine Dönges, die zu den Aktiven der "Soko Kirschendiebstahl" gehört.

Neben dem erneut engagierten Privatdetektiv fahren etliche Kirschenanbauer abends und nachts Streife. Die bisher erwischten Diebe stammten unter anderem aus Tschetschenien, Kroatien und Afghanistan, aber auch Deutsche stehlen im großen Stil.

"Gott lässt für alle wachsen", sagte ein Wetterauer dieser Tage zu Dönges, die den Dieb, der mit dem Fahrrad unterwegs war, nur ermahnte. Das Argument, hier sei ja nichts eingezäunt, entkräftet Dönges so: "Ich geh ja auch nicht einfach auf ihre Terrasse oder Balkon und nehme was mit."

"Trotz allem wird es in diesem Jahr genügend Kirschen an den Verkaufsständen geben", ist sich Kipp sicher. Allerdings wird der Kunde etwas tiefer in die Taschen greifen müssen: "Je nach Größe wird das Kilo bis zu sieben Euro kosten."

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