+

Kommunalpolitik in Zeiten von Corona

Videokonferenz: Friedberger Grüne diskutieren virtuell über Verkehr in der Kaserne

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
    schließen

Kommunalpolitik in Zeiten von Corona: Wie geht das? Die Antwort lautet: Video-Konferenz. Die Friedberger Grünen luden am Dienstagabend zur Diskussion über Verkehrskonzepte in der Kaserne ein.

In den ersten Wochen der Corona-Epidemie blieben viele Autos in den Garagen stehen. So mancher wird sich gefragt haben, wie der Verkehr der Zukunft aussieht. Ist es in 20 oder 30 Jahren noch gang und gäbe, dass jeder Haushalt über ein oder mehrere Autos verfügt? Oder gibt es andere Konzepte? Bei der Entwicklung des 74 Hektar großen Kasernengeländes im Süden von Friedberg drängen die Grünen darauf, den individuellen Autoverkehr gering zu halten. »Verkehr im neuen Stadtteil« - so lautete das Diskussionsthema der Video-Sitzung am Dienstagabend.

Wie läuft so eine Sitzung ab? Für die Grünen sind Videokonferenzen längst Alltag, wie Fraktionsvorsitzender Florian Uebelacker sagt. »Interne Sitzungen halten wir so seit drei Wochen problemlos ab.« Den ersten bundesweiten Grünen-Online-Parteitag am Wochenende hätten 30 000 Zuschauer über verschiedene digitale Kanäle verfolgt. Beim digitalen Arbeitskreistreffen in Friedberg ist die Beteiligung geringer, erinnert an Ausschusssitzungen im Rathaus: Zehn Parteimitglieder und ein Pressevertreter, die virtuellen »Zuschauerbänke« blieben leer.

Dabei ist die Teilnahme für Außenstehende denkbar einfach. Die Grünen nutzen die App »Jitsi Meet«. Einfach am PC oder auf dem Smartphone herunterladen und einen Code eingeben, den man auf der Internetseite der Grünen erfährt. Als Moderator fungierte Vorstandssprecher Bernd Stiller. Stadtrat Markus Fenske führte die Rednerliste, die Teilnehmer melden sich mit Handheben.

Friedberger Grüne: Teilnahme an Videokonferenz sehr einfach

Bei der Bild- und Tonqualität muss man Abstriche machen. Ab und zu knirscht und knackt es in der Leitung. »Wird die Tonqualität schlechter, solltet ihr das Video ausschalten«, empfiehlt Stiller. Das machen im Laufe der Sitzung alle Teilnehmer. So erscheint immer nur der im Bild, der spricht. Statt der klein auf dem Bildschirm eingeblendeten Bilder der übrigen Teilnehmer erscheinen Buchstaben als Platzhalter.

Die Konferenzkosten des digitalen Bundesparteitages lagen bei rund 55 000 Euro. »Etwa so viel wie sonst die Saalmiete«, sagt Uebelacker. »Jitsi Meet« ist kostenlos.

»Die Arbeit per Video-Konferenz hat sich bewährt«, sagt Thomas Zebunke. »Man kann Sachen, die gut vorbereitet sind, gut zu Ende bringen.« Auf die Entwicklung der Kaserne trifft diese Einschätzung aus Sicht der Grünen nicht zu. Sie vermissen ein zukunftstaugliches Verkehrskonzept.

Ein Vorteil der Technik: Die Pläne der Kaserne, abgelegt auf einer Internetseite der Stadt, können als Diskussionsgrundlage auf allen Bildschirmen eingeblendet werden. Oberhalb der Areals für Gewerbe soll quer durch die Kaserne eine Straße verlaufen. Als Schleichweg zur Autobahn? Bis zu 5000 Menschen sollen im neuen Stadtteil leben. Reichen drei Parkplätze aus? Muss die B 3 einen Kollaps erleiden, wenn diese Menschen mit dem Auto zur Arbeit nach Frankfurt fahren? Oder kann man den neuen Mitbürgern alternative Verkehrsmodelle ans Herz legen? Also ÖPNV, Busse, eine Rad-Verbindung zum Bahnhof und Fußwege zur Stadt.

Friedberger Grüne: Alternatives Konzept des Verkehrsclubs VCD

Steffi Zebunke verwies auf das alternatives Mobilitätskonzept »Wohnen leitet Mobilität« des Verkehrsclubs VCD, das bislang von den Planern im Rathaus nicht beachtet worden sei. Der Leitfaden ist über die Internetseite der Grünen abrufbar. Zieht ein Einkaufsmarkt mitten im Wohngebiet nicht Verkehr von außerhalb an? Ist ein Stadtbus-Modell denkbar? Damit die Bewohner nicht mit dem Auto bis vor die eigene Haustür fahren müssen? Soll mit Geschosswohnungsbau eine dichtere Bebauung erreicht werden?

Die Grünen sehen noch viele offene Fragen. Stiller schlug den Besuch der Lincoln-Kaserne in Darmstadt vor; dort könne man verschiedene Verkehrskonzepte begutachten.

Uebelacker erneuerte die Forderung, das Stadtbauamt müsse endlich von einem Stadtplaner geleitet werden. Dann würden solche Ideen von vorneherein aufgegriffen. Die Grünen wollen ihre Argumente zusammentragen und ein Positionspapier formulieren. Moderator Stiller wünschte nach 75 Minuten virtueller Diskussion allen mit einem Augenzwinkern einen »guten Nachhauseweg« - emissionsfrei, versteht sich.

Friedberger Grüne: Regeln bei der Videokonferenz

Damit Video-Konferenzen nicht aus dem Ruder laufen, sind Regeln nötig. Wer nicht spricht, sollte sein Mikrofon ausschalten. So vermeidet man störende Hintergrundgeräusche. Eine andere Regel lautet: »Jeder ist selbst verantwortlich für das Bild und die Inhalte, die erscheinen, wenn man die Kamera anschaltet.« Alle Teilnehmer geben schließlich einen Einblick in ihre Wohnung. Da läuft schnell mal jemand durchs Bild. Andere Regeln der Grünen lauten: »Wer sprechen will, meldet das durch ein Handzeichen«, »Für eine gute Bildqualität empfiehlt es sich, das Licht von vorne oder seitlich anzubringen. Hintergrundlicht verschlechtert das Bild« und »Wir behalten uns vor, Teilnehmer von der Diskussion auszuschließen, sollte das Verhalten unfair oder unkooperativ sein.«

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare